Ein Kunstwerk auf vier Rädern: Der Giugiaro Peralta D verbindet handgehämmerte Kupferkarosserie mit futuristischem Design. Das exklusive Einzelstück entstand für den mexikanischen Sammler Carlos Peralta.
Manche Automobile sollen vor allem schnell sein. Andere möglichst luxuriös. Der Giugiaro Peralta D verfolgt ein ungewöhnlicheres Ziel: Er soll einzigartig sein. Für den mexikanischen Unternehmer und Autosammler Carlos Peralta hat der italienische Designer Fabrizio Giugiaro einen Gran Turismo geschaffen, dessen handgehämmerte Kupferkarosserie an die große Tradition des Karosseriebaus erinnert – und dessen Gestaltung zugleich wie eine Vision aus der Zukunft wirkt.
Kupfer gehört nicht gerade zu den Materialien, die man mit modernen Sportwagen verbindet. Während die Automobilindustrie zunehmend auf leichte Verbundwerkstoffe, aerodynamische Optimierung und industrielle Fertigungsprozesse setzt, hat sich das italienische Designstudio GFG Style für einen anderen Weg entschieden. Beim Peralta D wird ein Metall zur gestalterischen Hauptfigur, das seit Jahrtausenden von Menschen bearbeitet wird.
Am 24. Oktober 2026 wurde das außergewöhnliche Fahrzeug beim Pastejé Automotive Invitational in Mexiko erstmals öffentlich vorgestellt. Entstanden ist ein handgefertigtes Einzelstück, dessen Karosserie unterhalb der Fensterlinie vollständig aus Kupfer besteht. Darüber erstreckt sich eine gläserne Konstruktion, deren besondere Verspiegelung den warmen Farbton des Metalls aufgreift.
Die flache, keilförmige Silhouette erinnert an die spektakulären italienischen Sportwagenstudien der 1970er-Jahre. Gleichzeitig verleihen die klaren Flächen, schmalen Lichtbänder und geometrischen Details dem Fahrzeug eine futuristische Anmutung.
Was auf den ersten Blick wie eine digitale Designstudie wirkt, ist tatsächlich ein gebautes Automobil.
Eine Hommage an die Kunst des Karosseriebaus
Hinter dem Peralta D steht Fabrizio Giugiaro, Sohn des legendären Automobildesigners Giorgetto Giugiaro. Sein Vater prägte mit zahlreichen Entwürfen die internationale Automobilgeschichte und schuf Fahrzeuge, deren Gestaltung teilweise bis heute als wegweisend gilt.
Fabrizio führt diese Tradition mit dem Turiner Designstudio GFG Style fort. Beim Peralta D verbindet er die geometrische Formensprache vergangener Jahrzehnte mit ungewöhnlichen konstruktiven Lösungen.
Besonders bemerkenswert ist die Verarbeitung des Kupfers. Statt lediglich eine Karosserie in metallischem Farbton zu lackieren, wurden die entsprechenden Bleche tatsächlich von Hand gehämmert und geformt.
Das Material stellt hohe Anforderungen an die Verarbeitung. Kupfer ist vergleichsweise weich und gut formbar, reagiert aber empfindlich auf mechanische Einwirkungen. Seine Verwendung verlangt deshalb ein präzises Zusammenspiel zwischen Materialkenntnis, handwerklicher Erfahrung und gestalterischem Anspruch.
Dieser Aufwand macht den Reiz des Fahrzeugs aus. In einer Zeit, in der selbst exklusive Luxusautomobile häufig auf modularen Plattformen und standardisierten Produktionsverfahren basieren, erinnert der Peralta D an eine Epoche, in der Karosseriebauer individuelle automobile Einzelstücke nach den Vorstellungen ihrer Auftraggeber fertigten.
Einsteigen wie in einem Science-Fiction-Film
Auch die Türen folgen keinem gewöhnlichen Konzept. Statt klassischer seitlicher Einstiege besitzt der Peralta D eine aufwendige Öffnungsmechanik, die bereits im geschlossenen Zustand kaum zu erahnen ist.
Der vordere Teil der gläsernen Fahrgastzelle lässt sich zusammen mit seitlichen Karosserieelementen nach oben und vorne bewegen. Die hinteren Passagiere erhalten durch separat nach oben schwenkende Flügelelemente Zugang zu ihren Sitzen.
Die Konstruktion greift eine Idee auf, die bereits beim Vorgängermodell Peralta S Verwendung fand. Zugleich erinnert der hintere Öffnungsmechanismus an den De Tomaso Mangusta von 1967, den Giorgetto Giugiaro einst entwarf.
Die Türen werden damit selbst zum gestalterischen Ereignis. Ihre Bewegung ist nicht bloß eine technische Notwendigkeit, sondern Teil der Inszenierung.
Unter der ungewöhnlichen Außenhaut steckt hingegen weitgehend bekannte Technik. Als Grundlage dient der Maserati GranTurismo. Dessen Aluminiumchassis und wesentliche mechanische Komponenten werden durch eine Carbonstruktur ergänzt, welche die besondere Karosserie trägt.
Konkrete Motor- und Leistungsdaten hat GFG Style bislang nicht veröffentlicht. Doch bei diesem Fahrzeug steht die Höchstgeschwindigkeit ohnehin nicht im Mittelpunkt.
Kupfer bis ins kleinste Detail
Im Innenraum setzt sich die ungewöhnliche Materialwelt fort. Leder mit metallischem Schimmer, Alcantara und Ziernähte aus echtem Kupferdraht greifen das äußere Erscheinungsbild auf.
Die Gestaltung verbindet klare geometrische Strukturen mit höchst individuellen Ausstattungsdetails. Auf der Beifahrerseite befindet sich ein eigener Kosmetikbereich mit beleuchtetem Spiegel und Aufbewahrungsfächern. In der Mittelkonsole verbirgt sich ein Kühlschrank, der Platz für Champagner und vier eigens gestaltete Kupfergläser bietet.
Diese Ausstattung erzählt zugleich etwas über die Entstehungsgeschichte des Peralta D.
Der Auftraggeber Carlos Peralta hatte bereits 2025 ein außergewöhnliches Fahrzeug bei GFG Style anfertigen lassen: den Peralta S, einen ebenfalls futuristisch gestalteten Sportwagen mit spiegelpolierter Aluminiumkarosserie.
Während dieses erste Einzelstück seinen Söhnen gewidmet war, entstand der Peralta D als Hommage an seine Töchter. Der Buchstabe D verweist entsprechend sowohl auf die Töchter als auch auf das italienische Wort »donne« für Frauen.
Die beiden Automobile bilden damit eine sehr persönliche Sammlung, deren Gestaltung nicht allein durch technische Vorlieben, sondern ebenso durch familiäre Bezüge bestimmt wird.
Wenn Luxus nicht mehr vergleichbar ist
Welchen Preis Carlos Peralta für den neuen Kupfer-Gran-Turismo bezahlt hat, ist nicht bekannt. Das Designstudio veröffentlicht weder einen Kaufpreis noch Angaben zu den vollständigen Entwicklungskosten.
Bei einem solchen Fahrzeug lässt sich sein besonderer Charakter ohnehin kaum über die übliche Ausstattungsliste erklären.
Der Peralta D ist keine limitierte Serie, von der einige wenige Exemplare an ausgewählte Kunden verkauft werden. Er wurde ausschließlich für einen einzelnen Auftraggeber entworfen und gebaut.
Diese Einmaligkeit unterscheidet automobile Einzelanfertigungen von vielen anderen Luxusgütern. Während selbst kostspielige Supersportwagen grundsätzlich reproduzierbare Produkte bleiben, entsteht bei einem solchen Projekt ein Gegenstand, dessen Form, Ausstattung und Geschichte unmittelbar mit den Vorstellungen seines Besitzers verbunden sind.
Ob daraus langfristig ein besonders wertvolles Sammlerobjekt wird, lässt sich nicht vorhersagen. Seine gestalterische Eigenständigkeit ist dagegen bereits heute offensichtlich.
Darin liegt die Faszination des Peralta D: Er zeigt, dass sich Luxus nicht ausschließlich durch Geschwindigkeit, Leistung oder Materialkosten definieren muss. Manchmal besteht er darin, einem außergewöhnlichen Gedanken so viel Raum zu geben, dass daraus etwas entsteht, das niemand sonst besitzt.