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Eurojackpot: 120 Millionen – und nun?

Ein 35-Jähriger aus NRW gewinnt den Höchstjackpot. Was geschieht, wenn finanzielle Grenzen plötzlich verschwinden?

6 Min.

14.10.2026

120 Millionen Euro im Eurojackpot: Für einen 35-Jährigen wurde der Traum vom großen Gewinn Wirklichkeit. Nun steht er vor der Frage, wie er sein Leben mit einem solchen Vermögen gestalten möchte.

Eigentlich wollte er an diesem Dienstag überhaupt keinen Lottoschein abgeben. Dann überlegte es sich ein 35-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen anders – und gewann beim Eurojackpot 120 Millionen Euro. Die Nachricht kam per Smartphone, die Bestätigung wenig später telefonisch. Was nun folgt, wird sein bisheriges Leben grundlegend verändern. Doch was bedeutet es eigentlich, plötzlich so reich zu sein, dass Geld im Alltag keine Rolle mehr spielen muss?

Erst zehn Euro – dann 120 Millionen

Es war ein gewöhnlicher Dienstag, der für einen Mann aus dem Kreis Mettmann bei Düsseldorf außergewöhnlich endete. Am 13. Oktober 2026 knackte der 35-Jährige als einziger Teilnehmer den Eurojackpot und gewann die höchstmögliche Summe von 120 Millionen Euro.

Dabei hatte er ursprünglich gar nicht vor, an der Ziehung teilzunehmen. Normalerweise spielt er nach Angaben seines Lotterieanbieters Lotto24 nur gelegentlich und bevorzugt freitags. Bei der vergangenen Freitagsziehung hatte er mit seiner Zahlenkombination gerade einmal zehn Euro gewonnen.

Am Dienstag entschied er sich spontan, erneut mitzumachen. Er setzte dieselben Zahlen und bezahlte insgesamt 36,80 Euro für seinen Spielschein.

Diesmal traf er mit 11, 17, 20, 22 und 35 sowie den Eurozahlen 4 und 8 sämtliche Gewinnzahlen. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt rund eins zu 140 Millionen.

Der Gewinn ist einer der höchsten in der deutschen Lotteriegeschichte. In Nordrhein-Westfalen hatte zuvor noch niemand allein die maximale Eurojackpot-Summe gewonnen.

Die Nachricht seines Lebens kam aufs Smartphone

Von seinem plötzlichen Reichtum erfuhr der Mann zunächst über die Lotto24-App. Kurz darauf meldete sich ein Mitarbeiter des Unternehmens telefonisch. Nach Angaben eines Lotto24-Sprechers war der Gewinner derart überwältigt, dass er am Telefon kaum sprechen konnte.

Die Auszahlung soll in einigen Wochen erfolgen. Dann werden die 120 Millionen Euro auf sein Girokonto überwiesen. Was der Mann anschließend mit dem Geld anfangen will, ist nicht bekannt. Auch über seine berufliche und familiäre Situation gibt es keine öffentlichen Informationen.

Doch allein die Vorstellung eines solchen Gewinns eröffnet Fragen, die sich im gewöhnlichen Alltag kaum stellen: Würde man am nächsten Morgen noch zur Arbeit gehen? Das eigene Zuhause verlassen? Ein völlig neues Leben beginnen? Oder zunächst versuchen, möglichst wenig zu verändern?

Muss man mit 120 Millionen noch arbeiten?

Finanziell betrachtet wäre ein Berufsleben zur Sicherung des Lebensunterhalts für den Gewinner nicht mehr notwendig.

Schon ohne jede Verzinsung könnte er 100 Jahre lang jährlich 1,2 Millionen Euro ausgeben, bevor die ursprünglichen 120 Millionen aufgebraucht wären. Inflation und andere Veränderungen der Kaufkraft sind bei dieser einfachen Rechnung nicht berücksichtigt.

Trotzdem bedeutet finanzielle Unabhängigkeit nicht zwangsläufig, dass Menschen ihre Arbeit aufgeben möchten. Eine wissenschaftliche Untersuchung schwedischer Lotteriegewinner, veröffentlicht 2017 in der Fachzeitschrift American Economic Review, zeigt ein differenzierteres Bild.

Die Forscher stellten fest, dass Gewinner ihre Erwerbstätigkeit im Durchschnitt reduzierten. Der Effekt war jedoch vergleichsweise moderat und hielt über längere Zeit an. Viele Gewinner nutzten ihren finanziellen Spielraum demnach nicht für einen vollständigen Rückzug aus dem Berufsleben, sondern für eine geringere Arbeitsbelastung.

Die Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar auf einen Gewinn von 120 Millionen Euro übertragen. Sie verdeutlichen aber, dass Arbeit für Menschen mehr bedeuten kann als die Finanzierung ihres Lebensunterhalts.

Berufliche Aufgaben, soziale Kontakte und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, verlieren nicht automatisch ihre Bedeutung, wenn das Einkommen plötzlich entbehrlich wird.

Der größte Luxus könnte die Anonymität sein

Wer über Nacht 120 Millionen Euro gewinnt, könnte theoretisch sofort mit der Planung eines neuen Hauses, einer Weltreise oder eines völlig anderen Lebensstils beginnen. Doch ein solches Vermögen kann auch Erwartungen anderer Menschen wecken.

Familienmitglieder, Freunde oder entfernte Bekannte könnten sich finanzielle Unterstützung erhoffen. Hinzu kommen mögliche Anfragen von Finanzdienstleistern, Immobilienvermittlern oder Menschen mit angeblich besonders vielversprechenden Geschäftsideen. Daher empfehlen Lotteriegesellschaften großen Gewinnern, zunächst diskret mit ihrem neuen Reichtum umzugehen.

Westlotto rät beispielsweise, den Kreis der eingeweihten Personen klein zu halten und keine überstürzten finanziellen Entscheidungen zu treffen. Für hohe Gewinne steht eine besondere Gewinnerbetreuung zur Verfügung.

Die Identität des 35-Jährigen aus dem Kreis Mettmann ist bislang nicht öffentlich bekannt. Ob er sich später selbst zu erkennen geben möchte, bleibt seine Entscheidung. Ein diskreter Umgang mit dem Gewinn könnte ihm die Möglichkeit geben, die kommenden Monate ohne öffentliche Aufmerksamkeit zu gestalten.

Macht so viel Geld tatsächlich glücklicher?

Über große Lottogewinne kursieren zahlreiche Geschichten. Manche handeln von Luxus und grenzenloser Freiheit, andere von zerbrochenen Beziehungen, Fehlentscheidungen und Menschen, die trotz ihres Reichtums unglücklich wurden. Doch solche Einzelfälle erlauben keine allgemeingültigen Aussagen über das Leben von Lotteriegewinnern.

Eine umfangreiche schwedische Langzeitstudie aus dem Jahr 2020 untersuchte, wie sich größere Gewinne auf das Wohlbefinden auswirken.

Die Wissenschaftler befragten Lotteriespieler fünf bis 22 Jahre nach einem Gewinn und verglichen ihre Angaben mit denen geeigneter Kontrollgruppen. Das Ergebnis widerspricht dem verbreiteten Klischee, ein großer Geldgewinn führe langfristig häufig ins Unglück.

Gewinner berichteten über eine höhere allgemeine Lebenszufriedenheit, die auch nach mehr als einem Jahrzehnt noch nachweisbar war. Deutlich kleiner fielen dagegen die Effekte auf das unmittelbare Glücksempfinden und die psychische Gesundheit aus. Die Forscher führen die gestiegene Lebenszufriedenheit wesentlich auf die verbesserte finanzielle Situation zurück.

Geld kann also offenbar nachhaltig dazu beitragen, das eigene Leben positiver zu bewerten. Es garantiert jedoch weder dauerhaft gute Laune noch persönliche Zufriedenheit in sämtlichen Lebensbereichen.

Für den neuen Eurojackpot-Gewinner bedeutet das zunächst nur eines: Sein künftiges Wohlbefinden wird nicht allein von der Höhe seines Kontostands abhängen.

Stefanie S. Klief

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