Mehr als 30 Jahre nach ihrem Durchbruch stehen die Backstreet Boys noch immer gemeinsam auf der Bühne: AJ McLean, Nick Carter, Kevin Richardson, Howie Dorough und Brian Littrell.
Weiße Outfits, »I Want It That Way« in der Straßenbahn und Fans aus Brasilien, den USA oder Australien vor einem Düsseldorfer Luxushotel: An diesem Wochenende fühlt sich die Stadt ein wenig an wie 1999. Die Backstreet Boys beginnen am Freitag ihre zehntägige Konzertserie in der Merkur Spiel-Arena. Bis zum 7. Oktober stehen zehn Shows auf dem Programm – ihre einzigen Europa-Konzerte des Jahres. Düsseldorf hat daraus längst mehr gemacht als ein Gastspiel.
Zehn Konzerte in nur 13 Tagen
Ursprünglich waren sechs Auftritte geplant. Die Nachfrage war so groß, dass zunächst zwei weitere Shows hinzukamen, später eine neunte und schließlich eine zehnte.
Visit Düsseldorf meldete kurz vor dem Start mehr als 400.000 verkaufte Tickets, der WDR spricht inzwischen von rund 450.000. Für die ersten beiden Konzerttage lag die Hotelauslastung bei 94 Prozent – im Vorjahr waren es an den entsprechenden Tagen nur 57 beziehungsweise 56 Prozent.
Damit passiert diesmal etwas Ungewöhnliches. Normalerweise reist eine Band von Stadt zu Stadt. Bei den Backstreet Boys reist das Publikum.
Warum ausgerechnet Deutschland ein »Homecoming« ist
Dass die Konzertreihe »Into The Millennium – Homecoming: Live in Germany« heißt, ist mehr als Marketing.
Deutschland spielte am Anfang der Backstreet-Boys-Karriere eine besondere Rolle. Noch bevor Nick Carter, Howie Dorough, AJ McLean, Brian Littrell und Kevin Richardson in den USA zu Superstars wurden, hatten sie in Europa bereits eine große Fangemeinde. Für »I’ll Never Break Your Heart« erhielten sie in Deutschland nach Angaben der Band ihre erste Platin-Auszeichnung.
Mehr als 30 Jahre später kehren die fünf nun ausgerechnet hierher zurück. Und sie bringen musikalisch vor allem jene Zeit zurück, in der sie ihre größten Erfolge feierten.
Im Zentrum der Show steht das 1999 erschienene Album »Millennium« mit Songs wie »I Want It That Way« und »Larger Than Life«. Dazu kommen weitere Hits aus mehr als drei Jahrzehnten Bandgeschichte.
Die 90er fahren sogar Straßenbahn
Düsseldorf beschränkt sich allerdings nicht darauf, die Arena zu öffnen.
Schon am Vorabend des ersten Konzerts schickte die Rheinbahn einen eigenen »I Want It That Way«-Express durch die Stadt. Eine Partybahn wurde im Stil der Millennium-Ära dekoriert, dazu liefen Backstreet-Boys-Hits, Fans kamen in Weiß und Hellblau und sangen gemeinsam. Die Fahrt war ausverkauft.
Auch sonst ist die Nostalgie kaum zu übersehen. In der Alten Kämmerei hat der Pop-up-Store »DUS Terminal« eröffnet. Neben Merchandise gibt es dort Erinnerungsstücke aus mehr als 30 Jahren Bandgeschichte und eine nachgebaute Kulisse der früheren MTV-Sendung »Total Request Live«.
Für Düsseldorf gibt es sogar eigene Vinyl-Ausgaben: eine blaue »Millennium 2.0«-LP mit Düsseldorf-Sticker sowie eine Sieben-Zoll-Ausgabe von »I Want It That Way«.
Von Diddl bis Furby: eine Stadt entdeckt das Jahr 1999
Selbst das Theatermuseum macht mit. Sein Foyer wird zum »Millennium Palace« – einem Erinnerungsraum mit BRAVO-Postern, Furby, Diddl, alten Werbespots, Musikvideos, Gesellschaftsspielen und Snacks aus der Zeit. Der Eintritt ist kostenlos.
Dazu kommen 90er-Partys, Warm-ups, Aftershow-Veranstaltungen, Sing-alongs und Themenfahrten auf dem Rhein.
Visit Düsseldorf bietet sogar spezielle Stadtführungen für Konzertbesucher an – etwa durch Little Tokyo, den MedienHafen oder vor der Show durch die Altstadt. Ein Nebeneffekt ist ausdrücklich erwünscht: Fans, die allein anreisen, sollen andere Mitglieder der internationalen Fangemeinde kennenlernen.
So wird aus einer Konzertkarte fast ein Kurzurlaub mit Soundtrack.
Viele Fans kaufen dabei nicht nur ein Konzert
Wie groß die Bindung an die Band noch immer ist, zeigen Geschichten wie die der 34-jährigen Franziska Serino aus Neuss. Sie besucht acht der zehn Düsseldorfer Shows. Andere Fans sind eigens aus den USA, Brasilien oder Australien angereist. Manche standen bereits vor dem Breidenbacher Hof, in dem die Band untergebracht ist, um vielleicht einen der fünf Musiker zu sehen.
Das Publikum ist dabei längst nicht mehr ausschließlich jenes aus Teenagerzeiten. Einige waren schon in den Neunzigern Fans, andere entdeckten die Band erst Jahre später. Gemeinsam ist vielen allerdings, dass die Musik heute mit Erinnerungen verbunden ist, die weit über einzelne Songs hinausgehen.
Schulzeit. Erste Partys. BRAVO-Poster. Kassetten, CDs, MTV.
Die Konzerte verkaufen damit nicht nur Musik. Sie verkaufen für ein paar Stunden den Zugang zu einer früheren Version des eigenen Lebens.
Nostalgie ist längst selbst ein Lifestyle
Dass eine Boyband mehr als 30 Jahre nach ihrer Gründung zehn Stadionkonzerte in einer einzigen deutschen Stadt füllen kann, sagt deshalb auch etwas über Popkultur im Jahr 2026.
Die Generation, die mit den Backstreet Boys groß wurde, ist heute zwischen vierzig und fünfzig. Viele können sich Reisen, gute Tickets und mehrere Konzertabende leisten. Gleichzeitig erleben die Neunziger und frühen Nullerjahre seit Jahren ein Revival – in Mode, Musik und Design.
Düsseldorf macht aus dieser Sehnsucht nach Vergangenheit nun ein komplettes Stadterlebnis.
Mehr als 260 Crewmitglieder betreuen die Shows, die Bühne ist 32 Meter hoch und wiegt rund 580 Tonnen. Laser und Pyrotechnik gehören zum Programm.
Doch das größte Spektakel ist nicht die Bühne.
Es sind tausende Erwachsene, die sich gemeinsam mit jedem Song noch einmal in ihre Jugend versetzen.
Für knapp zwei Wochen heißt es in Düsseldorf deshalb: Backstreet’s back. Und ein kleines Stück der Neunziger gleich mit.
Stefanie S. Klief