PlayStation 5 Pro und Zubehör: Der Verkaufsstart von »GTA 6« rückt Sonys Premiumkonsole in den Mittelpunkt. Für Spieleentwickler, Konsolenhersteller und Händler steht ein milliardenschwerer Markt auf dem Spiel.
Von Stefanie S. Klief
Ein Videospiel erscheint erst in einem Monat – und schon jetzt wird die dazu passende Hardware knapp. Die PlayStation 5 Pro ist im deutschen Onlineshop von Sony derzeit nicht erhältlich, während alternative Anbieter zum Teil deutlich höhere Preise verlangen. Im Mittelpunkt steht Grand Theft Auto VI, das am 19. November 2026 erscheinen soll. Der erwartete Verkaufserfolg betrifft nicht nur Rockstar Games und dessen Mutterkonzern Take-Two. Auch Sony, der Handel und digitale Dienste könnten von einem Geschäft profitieren, bei dem ein einziges Produkt die Kaufentscheidungen von Millionen Verbrauchern beeinflusst.
Ein Spiel, das bereits vor dem Verkaufsstart den Markt bewegt
Heute soll mit Grand Theft Auto VI eines der am längsten erwarteten Videospiele der vergangenen Jahre erscheinen. Mehr als dreizehn Jahre sind seit dem Start des Vorgängers vergangen.
Der Zeitpunkt ist für die Games-Branche von besonderer Bedeutung. Denn die Erwartungen an den neuen Titel reichen weit über die Verkäufe der Software hinaus.
Im deutschen PlayStation-Direct-Shop wird die PlayStation 5 Pro derzeit als nicht vorrätig ausgewiesen. Auch andere Berichte über den Konsolenmarkt beschreiben erhebliche Engpässe und steigende Preise.
Auf Vergleichsplattformen finden sich Angebote für die PS5 Pro deutlich oberhalb von 1.000 Euro. Dabei handelt es sich allerdings nicht durchweg um reguläre Verkaufspreise von Sony, sondern auch um Angebote unabhängiger Händler.
Dass die Konsole vielerorts schwer erhältlich ist, lässt sich damit belegen. Wie groß der Anteil von GTA 6 an dieser Entwicklung tatsächlich ist, bleibt dagegen offen. Sony hat bislang keine entsprechenden Verkaufszahlen veröffentlicht, aus denen sich eine eindeutige Ursache ableiten ließe.
Die zeitliche Nähe zum bevorstehenden Spieleverkaufsstart macht den Zusammenhang dennoch wirtschaftlich interessant.
Warum GTA 6 nicht unbedingt eine PS5 Pro benötigt
Ein wichtiger Punkt geht in der Diskussion über die knappe Premiumkonsole häufig unter: Wer GTA 6 spielen möchte, braucht nicht zwingend die teurere PlayStation 5 Pro.
Rockstar Games hat den Titel für die gesamte PlayStation-5-Plattform und für Microsofts Xbox Series X und Series S angekündigt.
Auch die reguläre PS5 wird unterstützt.
Die PS5 Pro bietet technisch aufwendigere Möglichkeiten zur Bilddarstellung, darunter eine leistungsfähigere Grafikverarbeitung, verbessertes Raytracing und Sonys KI-gestützte Bildskalierung PSSR.
GTA 6 wird im PlayStation Store ausdrücklich als für die PS5 Pro optimiert beworben. Damit kann das Premiumgerät für Spieler interessant sein, die besonders hohe Ansprüche an die grafische Darstellung stellen.
Welche konkreten Unterschiede sich im fertigen Spiel zwischen den Konsolenmodellen ergeben, lässt sich vor dessen Veröffentlichung allerdings noch nicht abschließend beurteilen.
Für Sony entsteht daraus eine interessante Marktsituation: Ein begehrter Spieletitel kann Kunden nicht nur zum Kauf einer Konsole bewegen, sondern möglicherweise auch zu einem teureren Modell.
Ein zusätzlicher Nutzen entsteht zudem durch Zubehör, digitale Spielekäufe und weitere Dienstleistungen innerhalb des PlayStation-Ökosystems.
Rockstar Games besitzt eine außergewöhnlich wertvolle Marke
Die große wirtschaftliche Bedeutung von GTA 6 erklärt sich vor allem durch die Erfolgsgeschichte der Reihe.
Nach Angaben des Mutterkonzerns Take-Two Interactive wurden vom Vorgänger Grand Theft Auto V weltweit inzwischen mehr als 230 Millionen Exemplare an den Handel beziehungsweise über die jeweiligen Vertriebskanäle abgesetzt.
Seit seinem Erscheinen im September 2013 wurde das Spiel für mehrere Konsolengenerationen veröffentlicht. Seine wirtschaftliche Lebensdauer reichte damit erheblich über die übliche Verkaufsphase eines neuen Unterhaltungsprodukts hinaus.
Einen wichtigen Beitrag leistete dabei Grand Theft Auto Online. Die fortlaufend erweiterte Onlinewelt hielt die Spielergemeinschaft über Jahre aktiv und ermöglichte zusätzliche Einnahmen durch digitale Inhalte.
Hinzu kam das kostenpflichtige Abonnement GTA+.
Für Take-Two entstand daraus ein Geschäftsmodell, bei dem die wirtschaftliche Nutzung einer erfolgreichen Marke nicht mit dem ursprünglichen Verkauf des Spiels endete.
Der neue Titel soll zunächst als Einzelspieler-Erlebnis erscheinen. Ob und in welcher Form langfristig weitere Angebote hinzukommen, bleibt abzuwarten.
Die wirtschaftliche Erwartung an GTA 6 beruht deshalb nicht nur auf dem möglichen Verkauf von Millionen Exemplaren. Hinzu kommt die Perspektive, eine erfolgreiche Unterhaltungsmarke über viele Jahre weiterzuentwickeln.
Take-Two erwartet bis zu 8,2 Milliarden Dollar Buchungen
Wie wichtig der neue Titel für den amerikanischen Publisher ist, zeigen die Unternehmensprognosen.
Take-Two Interactive, zu dem Rockstar Games gehört, erwartet für das bis Ende März 2027 laufende Geschäftsjahr sogenannte Net Bookings zwischen 8,0 und 8,2 Milliarden US-Dollar.
Die Prognose wurde Anfang August bestätigt.
Im vorherigen Geschäftsjahr beliefen sich die Net Bookings auf 6,72 Milliarden Dollar.
Dabei handelt es sich um eine unternehmensweite Kennzahl für den Wert verkaufter Produkte und Dienstleistungen im jeweiligen Zeitraum. Sie ist nicht mit dem bilanziellen Umsatz und erst recht nicht mit dem Gewinn gleichzusetzen.
Auch stammt die erwartete Summe nicht ausschließlich aus GTA 6. Zum Portfolio des Konzerns gehören zahlreiche weitere Spiele, darunter Titel der Marken NBA 2K und Produkte des Mobilspieleanbieters Zynga.
Dennoch bezeichnet Take-Two den geplanten Verkaufsstart im November ausdrücklich als zentralen Wachstumstreiber.
Damit hängt ein erheblicher Teil der Erwartungen an das laufende Geschäftsjahr von der erfolgreichen Einführung eines einzigen Produkts ab.
Für einen börsennotierten Konzern bedeutet das zugleich ein wirtschaftliches Risiko: Verzögerungen, technische Probleme oder eine schwächere Nachfrage könnten die Erwartungen beeinträchtigen.
Sony profitiert, obwohl es GTA 6 nicht selbst entwickelt
Die besondere Marktstellung von GTA 6 zeigt sich auch an der Zusammenarbeit zwischen Sony und Rockstar Games. Sony hat die Partnerschaft im Juni ausdrücklich hervorgehoben und bewirbt das Spiel als wichtigen Titel für seine aktuelle Konsolengeneration.
Dabei ist GTA 6 kein exklusives PlayStation-Spiel. Es erscheint ebenfalls für Microsofts Xbox Series X und Series S. Dennoch kann Sony von der großen Aufmerksamkeit profitieren.
Wer sich für GTA 6 eine neue PlayStation anschafft, kauft zunächst Hardware. Anschließend werden möglicherweise zusätzliche Spiele, Controller oder andere Zubehörprodukte erworben.
Auch digitale Dienstleistungen können eine Rolle spielen. Damit gewinnt Sony nicht nur durch den einzelnen Spieletitel potenzielle Kunden, sondern durch deren langfristige Einbindung in die eigene Plattform. Dieses Geschäftsmodell unterscheidet sich grundlegend vom klassischen Verkauf eines einzelnen Produkts.
Denn nach dem Konsolenkauf entstehen weitere Möglichkeiten, Kunden über den PlayStation Store und zusätzliche Services zu erreichen.
Wie stark GTA 6 die Nachfrage nach PS5-Konsolen tatsächlich erhöhen wird, lässt sich erst anhand künftiger Verkaufszahlen beurteilen.
Wenn knappe Ware zum Geschäft wird
Die derzeitigen Preisaufschläge bei der PS5 Pro zeigen zugleich eine andere Seite des Marktes.
Wird ein begehrtes Produkt knapp, können Händler versuchen, höhere Verkaufspreise durchzusetzen. Auch Wiederverkäufer nutzen solche Situationen, um zuvor erworbene Geräte teurer anzubieten.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Hersteller von diesen Aufschlägen profitiert. Sony erzielt aus einem Weiterverkauf zwischen privaten oder unabhängigen gewerblichen Marktteilnehmern grundsätzlich keinen erneuten Erlös aus dem ursprünglichen Konsolenverkauf.
Im Gegenteil: Hohe Wiederverkaufspreise können für den Hersteller problematisch werden, wenn interessierte Kunden deshalb auf einen Kauf verzichten oder zu einem Konkurrenzprodukt wechseln.
Für Verbraucher entsteht eine zusätzliche Unsicherheit, weil sich die Verfügbarkeit kurzfristig ändern kann. Ein derzeit hoher Angebotspreis sagt noch nichts darüber aus, zu welchem Preis die Konsole in einigen Wochen gehandelt wird.
Auch deshalb lässt sich aus dem aktuellen Engpass nicht zuverlässig ableiten, wie lange die ungewöhnliche Marktsituation bestehen bleibt.
Deutschland ist ein Milliardenmarkt für Games
Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung solcher Entwicklungen ist, zeigen die jüngsten Zahlen des Branchenverbandes game.
Demnach wurden 2025 in Deutschland mit Computer- und Videospielen, Hardware sowie Online-Gaming-Dienstleistungen insgesamt rund 9,4 Milliarden Euro umgesetzt.
Das entspricht einem Wachstum von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark entwickelte sich der Bereich Hardware und Zubehör. Hier stieg der Umsatz um zwölf Prozent auf rund 3,4 Milliarden Euro.
Der Teilmarkt für Spielekonsolen legte sogar um 26 Prozent zu.
Auch die Größe der potenziellen Kundschaft ist erheblich: Nach dem Jahresreport der Branche spielen in Deutschland rund 41,2 Millionen Menschen Computer- und Videospiele. Das Durchschnittsalter liegt bei 38,3 Jahren.
Gaming ist damit längst kein ausschließlich jugendliches Freizeitphänomen mehr, sondern ein etablierter Konsummarkt mit einer breiten Altersstruktur.
Ein Blockbuster wie GTA 6 trifft folglich auf eine große Kundschaft, die bereits mit Spieleplattformen, digitalen Kaufmöglichkeiten und laufenden Zusatzangeboten vertraut ist.
Warum ein einziger Titel ganze Geschäftsmodelle beeinflussen kann
Rockstar Games entwickelt ein Produkt, das zunächst vor allem durch seinen eigenen Unterhaltungswert gefragt ist. Gleichzeitig kann dieses Produkt die Nachfrage nach Leistungen anderer Unternehmen beeinflussen.
Sony verkauft die passende Hardware und betreibt eine digitale Vertriebsplattform. Händler verkaufen Konsolen und Zubehör. Take-Two profitiert von den Verkäufen und weiteren Einnahmemöglichkeiten rund um die Marke. Dabei ist keineswegs jeder Beteiligte in gleichem Umfang am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt.
Besonders interessant ist jedoch die gegenseitige Abhängigkeit.
Ein populäres Spiel kann eine Konsolenplattform attraktiver machen. Eine große Zahl bereits verkaufter Konsolen vergrößert wiederum den potenziellen Absatzmarkt des Spiels. Diese Wechselwirkung gehört zu den wesentlichen wirtschaftlichen Grundlagen digitaler Plattformmärkte.
Für junge Technologieunternehmen und Gründer ist daran vor allem ein Gedanke interessant: Der Wert eines Produkts bemisst sich nicht immer ausschließlich an dessen unmittelbaren Verkaufserlösen.
Er kann auch darin liegen, weitere Produkte, Dienstleistungen und langfristige Kundenbeziehungen wirtschaftlich attraktiver zu machen.
Der eigentliche Test beginnt ab heute
Noch ist offen, wie stark GTA 6 die tatsächlichen Konsolenverkäufe beeinflusst und ob die gegenwärtigen Engpässe bei der PS5 Pro bestehen bleiben. Auch die wirtschaftlichen Erwartungen von Take-Two müssen sich erst erfüllen.
Fest steht, dass das neue Spiel bereits vor seiner Veröffentlichung erhebliche Aufmerksamkeit auf sich zieht und dabei weit über die Grenzen der eigentlichen Games-Branche hinauswirkt.
Wenn die Nachfrage nach einer Spielkonsole steigt, weil ein bestimmter Titel erwartet wird, zeigt sich die besondere Kraft erfolgreicher Unterhaltungsmarken.
Für Rockstar Games, Take-Two und Sony steht deshalb weit mehr auf dem Spiel als die Veröffentlichung eines neuen Videospiels.
Es geht darum, wie sich die Aufmerksamkeit für ein einziges Produkt in Hardwareverkäufe, digitale Einnahmen und langfristige Kundenbeziehungen übersetzen lässt.