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Zentralbankpräsident Nagel warnt vor digitaler Bedrohung und betont Schutzmaßnahmen

Bundesbank registriert mehr als 5 000 Cyberangriffe pro Minute

2 Min.

26.01.2026

Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat die Dimension der digitalen Bedrohungslage im deutschen Finanzsystem drastisch beschrieben. In einem Interview mit dem Tagesspiegel sagte Nagel, dass die Deutsche Bundesbank allein auf ihren IT-Systemen pro Minute mehr als 5 000 Cyberangriffe registriert — hochgerechnet rund zweieinhalb Milliarden Angriffe pro Jahr, die an der Firewall abprallen.

Nagel stellte damit klar, dass digitale Sicherheit zu einem der zentralen Handlungsfelder für die Zentralbank geworden ist. Die Bundesbank habe bereits eine ganze Reihe von Schutzmaßnahmen ergriffen, von sicherheitsgeprüftem Personal über gesicherte IT-Infrastrukturen bis hin zu einem Business-Continuity-Management, das auch Szenarien wie Netzausfälle oder gezielte Angriffe berücksichtigt.

Im Gespräch betonte Nagel, die Bundesbank habe sich zu einem IT-Dienstleister für das gesamte Eurosystem entwickelt. Dies sei unter anderem deshalb notwendig, weil der Zahlungsverkehr und die Währungsstabilität zunehmend digitale Komponenten aufweisen, die gemeinsam mit anderen Zentralbanken abgesichert werden müssen. Für den geplanten digitalen Euro etwa seien neue, sicherheitsgeprüfte Rechenzentren in Frankreich, Italien und Deutschland vorgesehen.

Gleichwohl räumte Nagel ein, dass absolute Sicherheit nicht garantiert werden könne. „Niemand kann Ihnen garantieren, dass nie was passiert“, sagte er, verwies aber auf die höchsten Sicherheitsstandards, die implementiert worden seien. Kritiker und IT-Experten weisen darauf hin, dass die reine Zahl der täglichen Angriffe nicht gleichbedeutend mit erfolgreichen Gefährdungen sei. Vielmehr handele es sich häufig um standardisierte Scans, die auf Schwachstellen prüfen — eine Beobachtung, die auch von unabhängigen Fachleuten bestätigt wurde.

Nagels Aussagen fallen in eine Zeit, in der digitale Angriffe auf kritische Infrastruktur weltweit zunehmen und Zentralbanken wie andere Finanzinstitutionen vor der Herausforderung stehen, Resilienz gegen staatliche wie kriminelle Akteure aufzubauen. Die Bundesbank sieht sich daher in einer proaktiven Rolle der Abwehr und Systemstabilität, wird aber zugleich mit der Realität konfrontiert, dass Cybersecurity ein permanenter Wettlauf bleibt.

SK

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