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Weltraumkapitalismus: Eigentum auf dem Mond?

Warum Privateigentum im All über die Zukunft der Raumfahrt entscheidet

4 Min.

19.01.2026

Der Bestsellerautor und Kapitalismusforscher, Dr. Dr. Rainer Zitelmann legt ein neues Buch vor. Darin beschreibt er die Herausforderungen der Raumfahrt und der Notwendigkeit von Eigentumsrechten im All. Hans-Werner Sinn bezeichnet es als das nächste große Thema der Wirtschaft. Im Interview erklärt Zitelmann, warum das schwierig wird.

Herr Dr. Zitelmann, in Ihrem neuen Buch prangern Sie die Unfähigkeit von Staaten wie die USA an, eigene Raumfahrtprogramme aufrecht zu erhalten. Ist die Privatwirtschaft also die Lösung?
Ich zeige, dass auf das großartige Apollo-Programm, das in der Mondlandung einen Höhepunkt hatte, fast ein halbes Jahrhundert lang Stagnation in der bemannten Raumfahrt folgte. Zudem zeige ich die Schwächen der Staatsraumfahrt und erkläre, warum es Elon Musk gelang, eine wiederverwendbare Rakete zu bauen und die Kosten, ein Kilogramm ins All zu bringen, um mehr als 90 Prozent zu reduzieren. Die kapitalistische Weltraumrevolution hat damit begonnen! Von 324 Raketenstarts im letzten Jahr entfielen 165 allein auf Musks Unternehmen SpaceX.
 

Raumfahrt gibt es schon lange. Eigentumsverhältnisse im All interessanterweise nicht. Woran liegt das?
Ein Hemmschuh ist der Weltraumvertrag OST aus dem Jahr 1967. Damals dachte man noch nicht an diese Möglichkeiten und die Sowjetunion hätte mit Sicherheit auch keinem Vertrag zugestimmt, der Privateigentum auf dem Mond oder anderen Himmelskörpern ausdrücklich erlaubt. Dass Staaten Eigentum erwerben, wurde damals ausdrücklich verboten, Privatpersonen und Unternehmen wurden gar nicht erwähnt. Viele Juristen meinen, dass nach dem OST auch für Privatpersonen Eigentum auf Himmelskörpern verboten sei. Es gibt aber auch Juristen, die das anders sehen. Diese rechtliche Unsicherheit ist jedenfalls Gift für potenzielle Investoren.

Die Stimmung dem Kapitalismus gegenüber ist derzeit in vielen Ländern auf einem Tiefpunkt. Wird es das nicht erschweren, dass Privateigentum im Weltraum ermöglicht wird?
Ja, da haben Sie einen wichtigen Punkt. Heute herrscht eine antikapitalistische Stimmung in vielen Ländern. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass der Weltraumvertrag neu verhandelt und dann Privateigentum erlaubt wird. Immerhin haben die USA in den vergangenen Jahren einige Regelungen erlassen, die es Amerikanern wenigstens erlauben, die Rohstoffe, die man künftig durch Space Mining gewinnen kann, als Eigentum zu behalten. Russen und Chinesen haben allerdings auch dagegen protestiert. Wer aber wird z.B. Platin von Asteroiden fördern – mit all den Kosten und Risiken -, wenn er das dann nicht behalten und verkaufen darf?

Was denken Sie, wird die wahrscheinlichste Lösung der Staaten sein, um Eigentum im All zu etablieren? Was wahrscheinlich ist, kann ich nicht sagen, aber ich kann sagen, was die einzige Lösung ist, die funktionieren würde: Es muss möglich sein, Grund und Boden auf dem Mond, dem Mars, auf Asteroiden und anderen Himmelskörpern zu erwerben. Wenn nicht, fehlen die wirtschaftlichen Anreize. Musk will 1 Million Menschen auf dem Mars ansiedeln. Aber jenseits aller anderen Schwierigkeiten muss man doch fragen: Wer soll so was finanzieren? Staaten bestimmt nicht. Auf der Erde funktioniert keine Wirtschaftsordnung ohne Privateigentum. Ich kann gar nicht verstehen, warum nicht allen klar ist, dass das im Weltraum erst recht nicht funktionieren kann. Weltraumkommunismus ist noch unmöglicher als Kommunismus auf der Erde. Daher mein Plädoyer für Weltraumkapitalismus und die Möglichkeit, Grund und Boden auf Himmelskörpern zu erwerben. 

Gastbeitrag:
Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist Autor von 31 Büchern und widmet sich mit seinem neuen Buch „Weltraumkapitalismus“ einem bisher kaum beachteten Thema. Weitere Stimmen renommierter Experten wie Matthew Weinzierl von der Harvard Business School finden sich auf https://weltraumkapitalismus.de/

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