Die Umweltorganisation NABU hat vor erheblichen Risiken durch Wasserstress in Deutschland gewarnt und vor den Folgen eines anhaltenden Grundwasserverlusts gewarnt. Nach Angaben der Untersuchung, die der Verband gemeinsam mit der Boston Consulting Group (BCG) erarbeitet hat, gingen dem Land seit Beginn des 21. Jahrhunderts rund 60 Milliarden Kubikmeter Wasser aus Grundwasser und Wasserspeichern verloren, eine Menge, die dem Volumen des Bodensees entspricht. Damit bestehe die akute Gefahr, dass sowohl der Agrar- als auch der Industriesektor und die Trinkwasserversorgung künftig belastet werden könnten.
Nach der NABU-Analyse könnten sich die volkswirtschaftlichen Kosten des anhaltenden Wasserverlusts in den kommenden 25 Jahren auf zwischen 500 Milliarden Euro und 625 Milliarden Euro belaufen, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen würden. Investitionen in Strategien zur Stabilisierung des Wasserhaushalts seien zwar mit 15 Milliarden Euro bis 20 Milliarden Euro verbunden, würden sich aber langfristig auszahlen, heißt es in der Mitteilung.
Zu den Ursachen des Wasserstress zählen dem Bericht zufolge sowohl veränderte klimatische Bedingungen mit häufiger auftretenden Hitzewellen und Dürren als auch steigender Bedarf in der Landwirtschaft, wo Wasserverbrauch zwischen 2020 und 2022 bereits auf das Doppelte gestiegen sei. Darüber hinaus verhinderten versiegelte Flächen, verdichtete Böden sowie gerodete Wälder eine natürliche Versickerung von Regenwasser, was die Grundwasserneubildung weiter erschwere.
Internationale Definitionen führen »Wasserstress« auf Situationen zurück, in denen mehr als 20 Prozent der erneuerbaren Wasserressourcen genutzt werden. Ein Schwellenwert, der in Deutschland auf nationaler Ebene derzeit im Durchschnitt nicht überschritten wird, aber regional und saisonal große Unterschiede zeigt. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass saisonale und regionale Abweichungen dazu führen können, dass in manchen Regionen trotz des Gesamtstatus »wasserreich« kritische Situationen auftreten.
In einigen Bundesländern – insbesondere in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Teilen Nord- und Ostdeutschlands – seien bereits akute oder strukturelle Probleme bei der Grundwasserverfügbarkeit erkennbar, zeigen Studien des ISOE-Instituts im Auftrag von Umweltverbänden. In etwa der Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte bestehen demnach teils erhebliche Defizite bei der Wasserversorgung, die sowohl kommunale Trinkwassernetze als auch Landwirtschaft und Industrie betreffen können.
Die NABU-Forderung richtet sich an Bund, Länder und Kommunen, den Schutz der Wasserressourcen zu einem zentralen Bestandteil von Klimaanpassungs- und Infrastrukturstrategien zu machen. Maßnahmen wie die Förderung von Versickerungsflächen, die Verbesserung der Bodenstruktur und die Reduzierung der Entnahme aus Grundwassersystemen sollen helfen, den drohenden Wasserstress zu mindern.
SK