Max Viessmann am 15.08.2026 beim Telecom Cup (zweite Reihe, 2. von links)
250 Millionen Euro für 5 Prozent einer Fußball-AG: Sollte die Viessmann Generations Group tatsächlich beim FC Bayern München einsteigen, wäre nicht nur der neue Anteilseigner bemerkenswert. Die kolportierte Summe würde die FC Bayern München AG rechnerisch mit rund fünf Milliarden Euro bewerten. Noch ist der Deal allerdings nicht offiziell bestätigt. Der Verein führt auf seiner eigenen Website weiterhin ausschließlich Adidas, Audi und Allianz als Minderheitsaktionäre. Gerade deshalb lohnt der Blick hinter das Gerücht: Was macht den FC Bayern inzwischen wirtschaftlich so wertvoll – und warum könnte ausgerechnet die Unternehmerfamilie Viessmann Interesse an einem solchen Asset haben?
Aus 250 Millionen werden rechnerisch 5 Milliarden
Nach übereinstimmenden Medienberichten soll die Viessmann Generations Group fünf Prozent der FC Bayern München AG für rund 250 Millionen Euro übernehmen. Der FC Bayern selbst hat einen Abschluss bislang nicht bestätigt. Auf der offiziellen Aktionärsseite hält der FC Bayern München eV weiterhin 75 Prozent; Adidas, Audi und Allianz besitzen jeweils 8,33 Prozent.
Sollten die genannten Konditionen stimmen, ergäbe sich aus dem Kaufpreis eine rechnerische Bewertung von fünf Milliarden Euro für die gesamte AG.
Das ist keine offizielle Unternehmensbewertung. Minderheitsanteile an strategisch wichtigen Unternehmen können mit Auf- oder Abschlägen gehandelt werden, und ein einzelner Beteiligungspreis lässt sich nicht automatisch auf sämtliche Aktien übertragen.
Als Größenordnung ist der Vergleich trotzdem bemerkenswert.
Als Allianz im Februar 2014 für 110 Millionen Euro ebenfalls 8,33 Prozent der FC Bayern München AG erwarb, entsprach der damalige Kaufpreis rechnerisch einer Gesamtbewertung von rund 1,32 Milliarden Euro.
Innerhalb von gut zwölf Jahren hätte sich der aus den jeweiligen Transaktionspreisen abgeleitete Wert damit nahezu vervierfacht.
Der Fußballklub ist längst ein Milliardenunternehmen
Dahinter steckt mehr als sportlicher Erfolg.
Der FC Bayern schloss die Saison 2024/25 mit einem Konzernumsatz von 978,3 Millionen Euro ab – erneut ein Rekord. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg auf 187,8 Millionen Euro, der Jahresüberschuss lag bei 27,1 Millionen Euro.
Eine rechnerische Bewertung von fünf Milliarden Euro entspräche damit etwas mehr als dem Fünffachen des damaligen Jahresumsatzes.
Ein Fußballklub lässt sich allerdings nur eingeschränkt wie ein gewöhnliches Industrieunternehmen bewerten.
Zu seinem wirtschaftlichen Wert gehören nicht nur laufende Gewinne, sondern Markenrechte, Sponsoringverträge, Medienerlöse, Merchandising, internationale Reichweite, sportliche Wettbewerbsfähigkeit und ein außergewöhnlich loyaler Kundenstamm.
Gerade der FC Bayern besitzt zudem eine Besonderheit: Die Anteile werden nicht frei an der Börse gehandelt. Wer sich beteiligt, kauft sich deshalb nicht einfach eine liquide Aktie, sondern einen strategischen Minderheitsanteil an einer der größten europäischen Sportmarken.
Viessmann ist heute nicht mehr einfach der Heizungshersteller
Auch auf Käuferseite lohnt die genaue Unterscheidung.
Viessmann Climate Solutions, die weiterhin als Klimapartner mit dem FC Bayern zusammenarbeitet, gehört seit Anfang 2024 zu Carrier Global. Die Partnerschaft mit dem Verein wurde erst im Februar bis 2029 verlängert.
Der mögliche Investor wäre nach den bisherigen Berichten jedoch nicht dieses Unternehmen, sondern die weiterhin familiengeführte Viessmann Generations Group.
Und deren Geschäftsmodell hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert.
2024 wurde der größte Geschäftsbereich Climate Solutions für zwölf Milliarden Euro mit Carrier zusammengeführt. 80 Prozent des Kaufpreises bestanden nach Angaben von Carrier aus Bargeld, 20 Prozent aus Carrier-Aktien. Die Viessmann-Familie kündigte damals ausdrücklich an, die Erlöse künftig für Akquisitionen und Co-Investments außerhalb des traditionellen Heiztechnikgeschäfts einzusetzen.
Heute beschreibt sich die Generations Group selbst als breit diversifiziertes Familienunternehmen, das unter anderem über Minderheitsbeteiligungen, Co-Investments und Akquisitionen investiert.
Ein Anteil am FC Bayern wäre deshalb weniger exotisch, als es auf den ersten Blick scheint.
750 Millionen Dollar für neue Investitionen freigemacht
Wie aktiv die Familie ihr Vermögen inzwischen neu ordnet, zeigt eine Transaktion vom Mai 2026.
Die Viessmann-Holding verkaufte gut zwölf Millionen Carrier-Aktien zu jeweils 62,01 Dollar und nahm damit rund 750 Millionen Dollar ein. Gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC wurde ausdrücklich »Portfolio Rebalancing« als Zweck genannt. Danach hielt Viessmann weiterhin rund 4,57 Prozent an Carrier.
Ein möglicher Bayern-Einstieg würde damit in eine Phase fallen, in der die Familie erhebliche liquide Mittel neu verteilt.
Ob tatsächlich ein Zusammenhang besteht, ist nicht bekannt.
Strategisch wäre die Beteiligung jedoch nachvollziehbar: eine weltweit bekannte Marke, sehr begrenzte Beteiligungsmöglichkeiten und ein langfristiger Anlagehorizont passen grundsätzlich zum Selbstverständnis einer Familienholding, die ausdrücklich nicht in Quartalen, sondern in Generationen denkt. Das ist eine Einordnung aus der bekannten Investmentstrategie, keine von Viessmann bestätigte Begründung für einen Bayern-Kauf.
Max Viessmann sitzt bereits mit am Tisch
Auch persönlich gibt es längst eine Verbindung.
Max Viessmann wurde im Februar 2026 in den Verwaltungsbeirat des FC Bayern München eV berufen und gehört dem Gremium weiterhin an. Der Verwaltungsbeirat berät das Präsidium des Vereins.
Damit wäre ein Einstieg der Generations Group nicht der Beginn einer völlig neuen Beziehung.
Hinzu kommt die langjährige Verbindung der Marke Viessmann mit dem Klub. Die Partnerschaft besteht seit 2018 und wurde im Februar 2026 erneut verlängert. Viessmann Climate Solutions ist dabei ausdrücklich von der familiengeführten Investmentholding zu unterscheiden.
Gerade diese Trennung ist wichtig: Der Name ist derselbe, die Eigentümerstruktur inzwischen nicht mehr.
Fünf Prozent wären beim FC Bayern keine kleine Randnotiz
Sollten tatsächlich weitere fünf Prozent ausgegeben werden, würde der Anteil des Vereins rechnerisch von derzeit 75 auf 70 Prozent sinken. Die externen strategischen Investoren hielten zusammen 30 Prozent.
Der FC Bayern bliebe damit eindeutig unter Kontrolle des Stammvereins.
Gleichzeitig wäre das Paket groß genug, um einen erheblichen Kapitalzufluss auszulösen.
250 Millionen Euro entsprechen mehr als dem 9-Fachen des Jahresüberschusses, den der Bayern-Konzern 2024/25 erzielt hat. Gerade in einem Fußballmarkt mit immer höheren Transfer- und Gehaltskosten schafft solches Eigenkapital zusätzlichen finanziellen Spielraum. Der Klub selbst betont allerdings seit Jahren, seine wirtschaftliche Stabilität nicht von kurzfristiger Verschuldung abhängig machen zu wollen.
Wofür ein möglicher Erlös konkret verwendet würde, ist bislang nicht bekannt.
Der interessantere Wert liegt hinter dem Fußball
Deshalb wäre es zu kurz gedacht, die 250 Millionen Euro lediglich in mögliche neue Spieler umzurechnen. Der größere wirtschaftliche Vorgang wäre ein anderer.
2014 investierte Allianz zu einer Zeit, als der FC Bayern aus dem Verkaufserlös unter anderem die restlichen Schulden der Allianz Arena tilgte und in das Nachwuchsleistungszentrum investierte.
2026 würde ein möglicher neuer Investor auf ein Unternehmen treffen, das fast eine Milliarde Euro Umsatz erzielt, global vermarktet wird und wirtschaftlich wesentlich größer ist als vor zwölf Jahren.
Damit zeigt die mögliche Transaktion exemplarisch, wie sich Spitzenfußball verändert hat. Fußballvereine sind emotionale Institutionen geblieben. Ihre wirtschaftlichen Strukturen ähneln zugleich immer stärker denen internationaler Markenunternehmen.
Was daraus folgt
Noch ist der Viessmann-Einstieg keine vollendete Transaktion. Solange weder der FC Bayern noch die Viessmann Generations Group den Kauf offiziell bestätigen und die Aktionärsstruktur des Vereins unverändert ausgewiesen wird, sollten die 250 Millionen Euro und die fünf Prozent als kolportierte Konditionen behandelt werden. Doch selbst als mögliche Transaktion erzählt der Vorgang bereits eine interessante Unternehmensgeschichte.
Auf der einen Seite steht eine Unternehmerfamilie, die nach dem Zwölf-Milliarden-Euro-Deal mit Carrier ihr Vermögen systematisch in neue Beteiligungen überführt.
Auf der anderen steht ein Fußballverein, dessen Profiabteilung sich zu einem Unternehmen mit fast einer Milliarde Euro Umsatz entwickelt hat.
Dazwischen steht eine Zahl: fünf Milliarden Euro.
Ob der FC Bayern tatsächlich exakt so viel wert ist, lässt sich aus einem einzigen möglichen Minderheitsgeschäft nicht ableiten.
Dass Investoren eine Beteiligung inzwischen offenbar in dieser Größenordnung verhandeln können, sagt über den ökonomischen Aufstieg des europäischen Spitzenfußballs allerdings ziemlich viel.
Stefanie S. Klief