Unternehmen

Deutschlands Unternehmer zeigen ihr Vertrauen in den Standort

»Made for Germany« wächst auf 147 Unternehmen und Investoren. Mehr als 200 Milliarden Euro sollen bereits geflossen sein – hinter der Rekordsumme steckt jedoch mehr als eine einzige Investitionsoffensive

8 Min.

01.10.2026

Mehr als 850 Milliarden Euro für Deutschland: Die Zahl ist so groß, dass sie beinahe wie ein staatliches Konjunkturprogramm klingt. Tatsächlich stammt sie von inzwischen 147 Unternehmen und Investoren der Initiative »Made for Germany«, darunter Siemens, Deutsche Bank, BMW, Google, Nvidia, Rheinmetall, Volkswagen und zahlreiche Finanzinvestoren. Bis Ende 2028 wollen die Mitglieder diese Summe am Standort Deutschland investieren. Mehr als 200 Milliarden Euro sollen allein 2025 bereits geflossen sein. Doch die Bilanz zeigt auch: Nicht sämtliche 850 Milliarden sind neue Investitionen, und längst nicht alle Branchen beurteilen ihre Perspektiven gleich.

Aus 631 Milliarden werden mehr als 850 Milliarden Euro

Als »Made for Germany« im Juli 2025 startete, gehörten der Initiative 61 Unternehmen und Investoren an. Gemeinsam meldeten sie Investitionspläne von 631 Milliarden Euro bis Ende 2028.

Schon zweieinhalb Monate später waren es 105 Mitglieder und 735 Milliarden Euro. Im Juli 2026 zählte die Initiative 139 Unternehmen und meldete erstmals mehr als 800 Milliarden Euro.

Bei der ersten Jahresbilanz am 30. September wurde nun die nächste Marke übersprungen: 147 Unternehmen und Investoren planen zusammen Investitionen von mehr als 850 Milliarden Euro für die Jahre 2025 bis 2028.

Die Mitglieder reichen inzwischen von klassischen Industriekonzernen wie Siemens, BASF und Volkswagen über Technologieunternehmen wie Microsoft, Google, Nvidia und SAP bis zu Banken, Infrastrukturunternehmen, Start-ups und internationalen Investmentgesellschaften wie BlackRock, Blackstone, KKR und Apollo.

Damit ist aus einer Unternehmensinitiative innerhalb eines Jahres ein ungewöhnlich breites Netzwerk großer Kapitalgeber geworden.

Mehr als 200 Milliarden Euro sollen bereits investiert sein

Die vielleicht wichtigere Zahl der neuen Bilanz betrifft nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit.

Nach Angaben der Initiative wurden allein 2025 bereits mehr als 200 Milliarden Euro der geplanten Summe in Deutschland investiert.

Dazu zählen Kapitalinvestitionen in Anlagen und Standorte, Forschung und Entwicklung, Infrastrukturprojekte sowie Investitionen internationaler Kapitalgeber. Eine detaillierte öffentliche Aufstellung, welches Unternehmen welchen Betrag investiert hat, liegt allerdings weiterhin nicht vor.

Das ist bei der Einordnung der 850 Milliarden entscheidend.Denn die Summe ist keine Sammlung von 850 Milliarden Euro neuer Projekte, die erst durch »Made for Germany« entstanden wären. Bereits beim Start 2025 erklärte die Initiative ausdrücklich, dass sowohl schon geplante als auch neue Investitionen enthalten sind.

Wie viel wirklich zusätzlich kommt, bleibt offen

Diese Frage beschäftigte bereits im vergangenen Jahr den Bundestag. Die Bundesregierung erklärte damals, sie sei nicht Teil der privatwirtschaftlichen Initiative und verfüge selbst nur über die öffentlich angekündigte Gesamtsumme. Eine Aufschlüsselung danach, welcher Anteil auf Neu- oder Ersatzinvestitionen entfällt, lag ihr nicht vor.

Auch Vereinbarungen zwischen Bundesregierung und Unternehmen über die angekündigten Investitionen gibt es demnach nicht. Die ursprünglichen 631 Milliarden Euro waren also keine staatlich ausgehandelten Investitionszusagen. Sie bestanden aus den von den beteiligten Unternehmen selbst gemeldeten Investitionsplanungen.

Das gilt grundsätzlich auch für die inzwischen mehr als 850 Milliarden Euro. Die Zahl ist deshalb vor allem ein Maß für das Investitionsvolumen, das die inzwischen 147 Mitglieder für Deutschland einplanen – nicht für einen zusätzlichen Konjunkturimpuls exakt dieser Größenordnung.

Trotzdem haben Unternehmen ihre Planungen nach oben korrigiert

Die neue Jahresbilanz enthält allerdings erstmals einen Hinweis darauf, wie sich bestehende Pläne tatsächlich verändert haben.

Unternehmen, die der Initiative bereits bis Februar 2026 beigetreten waren, wurden erneut nach ihren Investitionsabsichten gefragt.Das Ergebnis fällt nach Angaben von »Made for Germany« netto positiv aus: Die Investitionsplanungen dieser Firmen seien seit der vorherigen Abfrage um einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag gestiegen.

Es geht also nicht ausschließlich darum, dass durch neue Mitglieder zusätzliche Milliarden in die Gesamtsumme aufgenommen werden. Auch ein Teil der bereits beteiligten Unternehmen hat seine Investitionspläne erhöht. Wie hoch der zusätzliche Betrag genau ist und welche Unternehmen dafür verantwortlich sind, veröffentlicht die Initiative nicht.

Energie stockt auf – Infrastruktur tritt auf die Bremse

Interessant wird die Bilanz vor allem dort, wo die große Gesamtsumme auseinanderfällt.Nach Angaben der Initiative erhöhen Energieversorger und Investoren ihre geplanten Ausgaben.

Das passt zu einem enormen Kapitalbedarf beim Umbau der Energieversorgung. Stromnetze müssen erweitert, neue Erzeugungskapazitäten errichtet und Speicher, Rechenzentren sowie andere Infrastruktur aufgebaut werden. Unternehmen wie E.ON, RWE, 50Hertz, Amprion und TenneT gehören zu den Mitgliedern.

Anders sieht es bei Infrastrukturbetreibern aus. Dort seien Investitionsplanungen reduziert worden.

Auch im Pharmasektor habe sich die Bereitschaft verschlechtert. Die Initiative führt dies auf geplante Reformen im Gesundheitsbereich zurück, die aus Sicht betroffener Unternehmen die Kalkulationsbedingungen verändern.

Damit steht hinter den 850 Milliarden kein einheitlicher Standorttrend. Während manche Branchen mehr investieren wollen, reagieren andere vorsichtiger.

Die Unternehmen verbinden ihr Geld mit politischen Forderungen

»Made for Germany« versteht sich deshalb nicht nur als Investitionsinitiative, sondern ausdrücklich als Plattform zwischen Wirtschaft und Politik.

Beim Jahrestreffen in der historischen Mosaikhalle der Siemens-Hauptverwaltung in Berlin trafen die Unternehmen am Mittwoch unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche.

Die Unternehmen verbinden ihre Investitionsbereitschaft mit einer umfangreichen Reformagenda. Sie verlangen wettbewerbsfähigere Energiekosten, schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie, bessere Bedingungen für neue Technologien und einen tieferen europäischen Kapitalmarkt.

Siemens-Chef Roland Busch stellte dabei besonders industrielle künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt. Deutschland verfüge über eine starke industrielle Basis, Forschung und Unternehmensdaten und müsse diese Vorteile mit KI verbinden.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing forderte vor allem verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und weitere Reformen auf deutscher und europäischer Ebene.

Merz sieht darin ein Signal für den Standort

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Entwicklung nach dem Treffen als positives Investitionssignal.

Die Mitgliederzahl habe sich seit Gründung der Initiative mehr als verdoppelt. Während man anfangs von rund 600 Milliarden Euro ausgegangen sei, liege das Investitionsvolumen inzwischen bei mehr als 800 Milliarden Euro.

Gleichzeitig räumte Merz ein, dass weitere Aufgaben offen seien. Insbesondere die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands müsse verbessert werden.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche verwies darauf, dass fast 150 Unternehmen rund 850 Milliarden Euro investieren wollen. Entscheidend sei nun, Technologie, Fachkräfte und Kapital besser miteinander zu verbinden.

Finanzminister Lars Klingbeil wiederum stellte die privaten Investitionen in Zusammenhang mit den öffentlichen Milliardenprogrammen für Infrastruktur, Rechenzentren, Forschung und technologische Entwicklung.

Damit entsteht ein wirtschaftspolitisches Konzept, das auf beide Seiten setzt: Der Staat investiert selbst und versucht gleichzeitig, zusätzlich privates Kapital zu mobilisieren.

Die 850 Milliarden sind größer als das Sondervermögen – aber nicht vergleichbar

Die Größenordnung lädt zu Vergleichen ein.

Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes umfasst 500 Milliarden Euro. Die Investitionspläne von »Made for Germany« liegen mit mehr als 850 Milliarden Euro deutlich darüber.

Ökonomisch sind diese Summen jedoch vollkommen unterschiedlich.

Das Sondervermögen ist ein staatlicher Finanzierungsrahmen, aus dem konkrete öffentliche Ausgaben über viele Jahre finanziert werden.

Die 850 Milliarden von »Made for Germany« sind dagegen die aufsummierten Investitionsplanungen von 147 Unternehmen und Investoren zwischen 2025 und 2028. Darin befinden sich auch Ausgaben, die unabhängig von der Initiative ohnehin erfolgt wären.

Man sollte deshalb beide Zahlen nicht addieren und daraus ein deutsches Investitionsprogramm von 1,35 Billionen Euro konstruieren.

Interessanter ist ihre mögliche Wechselwirkung: Staatliche Investitionen in Netze, Verkehr, Digitalisierung oder Forschung können private Projekte rentabler machen – während private Investitionen wiederum darüber entscheiden, ob aus öffentlicher Infrastruktur zusätzliche Produktion und Wertschöpfung entstehen.

Internationale Investoren machen die Initiative besonders interessant

»Made for Germany« ist mittlerweile auch deshalb bemerkenswert, weil längst nicht nur deutsche Unternehmen teilnehmen.

Zu den Mitgliedern gehören internationale Technologiekonzerne wie Nvidia, Microsoft und Google sowie große globale Investoren wie BlackRock, Blackstone, KKR, Carlyle, Bain Capital, Apollo, Temasek und GIC.

Damit wird die Initiative auch zu einem Gradmesser dafür, ob ausländisches Kapital Deutschland trotz hoher Energiepreise, Bürokratie, Fachkräftemangel und der schwachen vergangenen Wirtschaftsjahre weiterhin als attraktiven Investitionsstandort betrachtet.

Merz verwies nach dem Treffen ausdrücklich auf steigende ausländische Direktinvestitionen und kündigte für Oktober einen weiteren »Invest in Germany Summit« mit internationalen Investoren an.

Die Bundesregierung versucht damit erkennbar, die Investitionsfrage zu einem zentralen Element ihrer Wirtschaftspolitik zu machen.

850 Milliarden sind ein Signal – noch kein Wachstum

Investitionsabsichten sind noch keine gebauten Fabriken, Forschungszentren, Stromleitungen oder Rechenzentren. Projekte können verschoben, verkleinert oder abgesagt werden, wenn sich Absatzmärkte, Finanzierungskosten oder politische Rahmenbedingungen verändern.

Die aktuelle Jahresbilanz zeigt das selbst: Manche Mitglieder haben ihre Pläne erhöht, andere reduziert. Gleichzeitig ist die Entwicklung mehr als eine reine PR-Zahl. Die Initiative ist innerhalb eines Jahres von 61 auf 147 Mitglieder gewachsen, bereits beteiligte Unternehmen haben ihre Planungen unter dem Strich erhöht und nach eigenen Angaben wurden 2025 mehr als 200 Milliarden Euro tatsächlich investiert.

Damit wird die entscheidende Frage für die kommenden zwei Jahre messbar.

Nicht, ob deutsche Unternehmen Investitionen ankündigen. Sondern wie viel von den inzwischen mehr als 850 Milliarden Euro bis Ende 2028 tatsächlich in Fabriken, Forschung, Netze, Technologie und neue Kapazitäten fließt.

Stefanie S. Klief

Das könnte Sie auch interessieren:

Nach oben