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China-Wette bleibt: BASF hält trotz Zweifel am Kurs fest

Werk in Zhanjiang spaltet Einschätzungen

8,7 Milliarden Euro in China – und die Zweifel wachsen. BASF hält an seinem Kurs fest, doch intern und politisch wird die Kritik lauter. Ein globales Dilemma.

3 Min.

26.03.2026

Der Chemiekonzern BASF hält trotz wachsender Kritik an seiner milliardenschweren Investition in China fest. Konzernchef Markus Kamieth verteidigt den strategischen Kurs, während gleichzeitig auch innerhalb Deutschlands kontrovers über Chancen und Risiken diskutiert wird.

Im Zentrum steht der neue Verbundstandort im chinesischen Zhanjiang – mit rund 8,7 Milliarden Euro die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens. Der Standort gilt als Schlüsselprojekt, um stärker am Wachstum des chinesischen Marktes zu partizipieren, der bereits heute rund die Hälfte der globalen Chemienachfrage ausmacht.

Kamieth betonte, dass China für BASF langfristig unverzichtbar sei. Der Konzern erwirtschaftet dort bislang nur einen vergleichsweise kleinen Teil seines Umsatzes, sieht jedoch erhebliches Wachstumspotenzial. Ziel sei es, näher an die Kunden in der Region heranzurücken und vom erwarteten Ausbau der Industrie zu profitieren.

Gleichzeitig räumt das Management ein, dass sich die Investition zunächst langsamer auszahlen könnte als ursprünglich geplant. Hintergrund sind ein derzeit schwaches Marktumfeld, Überkapazitäten und niedrige Margen in der Chemiebranche.

Betriebsrat warnt vor Risiken
Während die Unternehmensführung den Kurs verteidigt, gibt es auch kritische Stimmen. Vertreter der Arbeitnehmerseite verweisen auf geopolitische Unsicherheiten und die wachsende Abhängigkeit von China.

Die Spannungen zwischen westlichen Staaten und China, aber auch mögliche Handelskonflikte, könnten sich direkt auf die Geschäftsentwicklung auswirken. Zudem wird darauf hingewiesen, dass ein so großer Standort langfristig strategische Risiken birgt, falls sich die globalen Rahmenbedingungen verändern.

Zwischen Wachstum und Abhängigkeit
Der Konflikt spiegelt ein grundlegendes Dilemma wider: Auf der einen Seite steht ein Markt mit enormem Wachstumspotenzial, auf der anderen Seite steigen politische und wirtschaftliche Unsicherheiten.

BASF setzt dabei klar auf Expansion. Der Standort in Zhanjiang soll perspektivisch zu den größten Produktionszentren des Konzerns zählen und eine zentrale Rolle im globalen Netzwerk einnehmen.

Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie stark sich Unternehmen künftig auf einzelne Regionen konzentrieren sollten. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre – etwa durch geopolitische Spannungen oder Lieferkettenprobleme – haben die Risiken globaler Abhängigkeiten deutlich gemacht.

Ein strategischer Testfall für die Industrie
Der Fall BASF steht exemplarisch für viele Industrieunternehmen, die ihre Wachstumsstrategie zunehmend in Asien ausrichten.

Die Entscheidung für China ist dabei nicht nur eine betriebswirtschaftliche, sondern auch eine geopolitische. Unternehmen bewegen sich damit in einem Umfeld, in dem wirtschaftliche Chancen und politische Risiken immer enger miteinander verknüpft sind.

Die Investition in Zhanjiang wird damit zu einem Testfall – nicht nur für BASF, sondern für die gesamte Industrie: Wie weit kann Globalisierung noch gehen, wenn die Welt gleichzeitig politisch fragmentierter wird?

SK

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