Der Frauenanteil in den Führungsetagen großer deutscher Familienunternehmen kommt kaum noch voran. Laut aktueller Analyse der Allbright-Stiftung liegt er bei lediglich 13 Prozent – ein Plus von gerade einmal 0,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Damit stagniert die Entwicklung auf einem deutlich niedrigeren Niveau als bei börsennotierten Unternehmen, wo der Anteil bereits bei knapp 20 Prozent liegt.
Die Zahlen markieren eine klare Trendwende. Nach Jahren langsamer Fortschritte ist die Dynamik bei der Besetzung von Führungspositionen mit Frauen weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Allbright-Stiftung spricht von einer „Vollbremsung“, die sich insbesondere in der geringen Zahl weiblicher Neubesetzungen zeigt: Nur rund 17 Prozent der neu besetzten Führungspositionen gingen zuletzt an Frauen.
Als zentrale Ursache gilt eine Verschiebung der Prioritäten in den Unternehmen. In einem Umfeld aus steigenden Energiepreisen, geopolitischem Druck und strukturellen Transformationsprozessen rückt das Thema Diversität zunehmend in den Hintergrund. Unternehmensleitungen konzentrieren sich stärker auf operative Stabilität und wirtschaftliche Resilienz – strategische Themen wie Vielfalt verlieren dabei an Gewicht.
Hinzu kommen strukturelle Besonderheiten von Familienunternehmen. Führungspositionen werden häufig im Rahmen interner Nachfolgeregelungen vergeben, was den Kandidatenkreis einschränkt und bestehende Muster verstärkt. Traditionelle Rollenbilder und gewachsene Entscheidungsstrukturen wirken damit stärker fort als in börsennotierten Konzernen.
Die wirtschaftliche Dimension ist erheblich. Studien zeigen, dass Unternehmen mit höherem Frauenanteil in Führungspositionen deutlich bessere Ergebnisse erzielen können. Gleichzeitig deutet die aktuelle Entwicklung darauf hin, dass viele Familienunternehmen dieses Potenzial derzeit nicht ausschöpfen.
Vor diesem Hintergrund wird Diversität zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. Während internationale Konzerne ihre Führungsstrukturen breiter aufstellen, riskieren Teile des deutschen Mittelstands, bei Innovation, Entscheidungsqualität und globaler Wettbewerbsfähigkeit zurückzufallen. Die Stagnation beim Frauenanteil ist damit nicht nur eine gesellschaftliche Frage – sondern auch eine wirtschaftliche.
SK