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Rheinmetall liefert Kamikaze-Drohnen

Bundeswehr setzt auf neue Kriegsführung aus der Luft

Die Bundeswehr setzt auf eine neue Waffengeneration: Rheinmetall liefert sogenannte Kamikaze-Drohnen im Milliardenrahmen. Die Systeme kombinieren Aufklärung und Angriff in einem und sollen ab 2027 einsatzbereit sein. Dahinter steckt mehr als ein Auftrag – es ist ein strategischer Umbau moderner Kriegsführung.

2 Min.

23.04.2026

Die Bundeswehr treibt den Ausbau moderner Drohnenkriegsführung massiv voran. Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat einen milliardenschweren Rahmenvertrag zur Lieferung sogenannter Kamikaze-Drohnen des Typs FV-014 erhalten. Die Vereinbarung wurde beim Beschaffungsamt der Bundeswehr in Koblenz unterzeichnet und umfasst optional eine fünfstellige Anzahl autonomer Aufklärungs- und Angriffssysteme. Der erste konkrete Abruf liegt bei rund 300 Millionen Euro, die Auslieferung soll in der ersten Jahreshälfte 2027 beginnen.

Bei den Systemen handelt es sich um sogenannte Loitering Munition, also unbemannte Flugkörper, die über einem Zielgebiet kreisen und sich bei Bedarf selbstständig auf ein Ziel stürzen. Anders als klassische Drohnen sind sie nicht für eine Rückkehr vorgesehen, sondern gelten militärisch als Munition mit integrierter Aufklärungsfähigkeit. Die FV-014 verbindet damit Echtzeitaufklärung und unmittelbare Wirkung in einem System und ist für den Einsatz auf Entfernungen von bis zu 100 Kilometern ausgelegt.

Der Auftrag ist Teil einer umfassenderen Beschaffungsstrategie der Bundeswehr, die mehrere Hersteller umfasst. Bereits zuvor hatten die Unternehmen Stark Defence und Helsing entsprechende Aufträge erhalten. Mit Rheinmetall wird nun ein weiterer großer deutscher Anbieter in das Programm eingebunden, nachdem das Unternehmen sein System erst in den vergangenen Monaten zur Einsatzreife gebracht hatte.

Die Dimension des Deals geht über die reine Stückzahl hinaus. Der Rahmenvertrag im Milliardenbereich ist so angelegt, dass die Systeme kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen, um auf technische Gegenmaßnahmen reagieren zu können. Damit wird Software zur zentralen Komponente moderner Waffensysteme. Gleichzeitig steht der Auftrag für eine strategische Verschiebung: Die Bundeswehr setzt verstärkt auf flexible, schnell einsetzbare und vergleichsweise kosteneffiziente Systeme, die klassische Waffengattungen ergänzen oder teilweise ersetzen können.

Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der Drohnen in aktuellen Konflikten eine zentrale Rolle spielen und militärische Taktiken grundlegend verändern. Systeme wie die FV-014 ermöglichen präzise Angriffe mit geringerer logistischer Vorbereitung und erweitern die operative Reichweite deutlich. Für Rheinmetall markiert der Auftrag zugleich den Einstieg in einen wachsenden Zukunftsmarkt jenseits klassischer Panzer- und Munitionsproduktion. Für die Bundeswehr ist er ein weiterer Schritt hin zu einer technologisch stärker vernetzten und digitalisierten Streitkraft.

SK

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