Israelische Soldaten im Einsatz: Nach einem Schusswaffenangriff nahe Hebron bereitet Israel eine vollständige Abriegelung des Westjordanlands vor.
Nach einem Schusswaffenangriff im Westjordanland mit mehreren Verletzten hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Abriegelung Hebrons angeordnet. Auch das gesamte Westjordanland könnte abgeriegelt werden. Die Eskalation folgt auf eine erst gestern bekannt gewordene Drohung der Hamas.
Fünf Verletzte bei Schusswaffenangriff
Bei einem Schusswaffenangriff nahe Hebron im Süden des besetzten Westjordanlands sind am Freitagmorgen mindestens fünf Menschen verletzt worden, zwei davon lebensgefährlich. Israelische Soldaten töteten nach Angaben des Militärs die beiden mutmaßlich palästinensischen Angreifer.
Der Vorfall ereignete sich an der sogenannten Yehuda-Kreuzung. Nach Angaben der israelischen Armee waren die Angreifer mit einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet. Im Fahrzeug der Männer wurde zudem eine größere Menge Munition gefunden. Generalstabschef Ejal Zamir erklärte, das Eingreifen der Soldaten habe einen noch schwereren Anschlag verhindert.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ordnete daraufhin die sofortige Abriegelung Hebrons an. Zugleich wies er die Sicherheitskräfte an, eine vollständige Abriegelung des Westjordanlands vorzubereiten. In der Region wurden Straßensperren errichtet und Durchsuchungen eingeleitet. Ob und in welchem Umfang die angekündigte vollständige Abriegelung umgesetzt wird, ist bislang offen.
Neue Eskalation nach Hamas-Drohung
Der Angriff folgt auf eine erst am Donnerstag bekannt gewordene Warnung: Die islamistische Terrororganisation Hamas soll Israel laut einem Medienbericht mit einem erneuten Großangriff im Ausmaß des 7. Oktober 2023 gedroht haben. Die Warnung wurde nach israelischen Angaben über einen UN-Gesandten an die zuständigen Sicherheitsbehörden übermittelt.
Wie wir gestern berichteten, soll die Drohung ausdrücklich auch mögliche Anschläge im Westjordanland und im Ausland umfasst haben. Ein direkter Zusammenhang zwischen dieser Warnung und dem heutigen Angriff ist bislang jedoch nicht nachgewiesen. Auch eine Beteiligung der Hamas an der konkreten Tat ist nicht unabhängig bestätigt.
Die Entwicklung verschärft die ohnehin angespannte Sicherheitslage wenige Tage vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober. Eine umfassende Abriegelung würde zugleich die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bevölkerung erheblich einschränken und könnte den grenzüberschreitenden Arbeits- und Warenverkehr zusätzlich belasten.