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Konjunktur kippt: Regierung kassiert Wachstumsziele ein

Nur noch 0,6 Prozent erwartet – Inflation steigt deutlich stärker als geplant

Die Bundesregierung korrigiert ihre Konjunkturprognose deutlich nach unten. Wachstum halbiert sich, während die Inflation spürbar anzieht. Energiepreise und geopolitische Risiken setzen die Wirtschaft unter Druck. Gleichzeitig schwächeln Exporte, Konsum und Investitionen. Die neuen Zahlen erhöhen den Druck auf Reformen und schränken den finanzpolitischen Spielraum ein.

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17.04.2026

Die Bundesregierung rechnet für 2026 nur noch mit deutlich geringerem Wirtschaftswachstum als bislang angenommen. Nach internen Einschätzungen soll das Bruttoinlandsprodukt lediglich um rund 0,6 Prozent zulegen – etwa halb so stark wie in früheren Prognosen erwartet. Damit passt sich die Regierung zunehmend der pessimistischen Einschätzung führender Wirtschaftsforschungsinstitute an, die bereits vor Wochen eine ähnliche Korrektur vorgenommen hatten.

Die Abschwächung zieht sich durch zentrale Bereiche der Wirtschaft. Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche im Außenhandel: Für 2026 geht die Regierung nun von stagnierenden Exporten aus, nachdem zuvor noch ein leichtes Wachstum erwartet worden war. Gleichzeitig fällt auch der private Konsum deutlich schwächer aus als prognostiziert, während Investitionen ebenfalls spürbar nach unten korrigiert wurden.

Ein zentraler Belastungsfaktor sind die stark gestiegenen Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen. Vor allem der Iran-Konflikt wirkt sich über höhere Öl- und Gaspreise direkt auf Produktionskosten, Transport und Verbraucherpreise aus. Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang von einem Energiepreisschock, der die wirtschaftliche Erholung ausbremst und zugleich die Inflation antreibt.

Entsprechend hebt die Bundesregierung auch ihre Inflationsprognose an. Für 2026 werden nun rund 2,7 Prozent erwartet, nach zuvor etwa 2,1 Prozent. Für 2027 dürfte die Teuerung mit etwa 2,8 Prozent ebenfalls höher ausfallen als bislang angenommen. Die Kombination aus schwachem Wachstum und steigenden Preisen verschärft die Lage zusätzlich, da sie sowohl die Kaufkraft der Haushalte als auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen belastet.

Die Entwicklung markiert einen deutlichen Bruch mit den Erwartungen zu Jahresbeginn. Damals hatte die Bundesregierung noch ein Wachstum von über 1 Prozent für realistisch gehalten, getragen unter anderem von staatlichen Investitionsprogrammen. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass externe Faktoren wie Energiepreise, geopolitische Konflikte und schwache globale Nachfrage stärker wirken als die konjunkturstützenden Maßnahmen.

Die gesenkten Erwartungen haben unmittelbare Folgen für die Finanzpolitik. Die Frühjahrsprojektion dient als Grundlage für Haushaltsplanung und Steuerschätzung und beeinflusst damit den finanziellen Spielraum von Bund, Ländern und Kommunen. Gleichzeitig dürfte der Druck auf strukturelle Reformen weiter steigen, da das Wachstum zunehmend hinter den politischen Zielsetzungen zurückbleibt.

SK

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