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Benzin wird auf der Krim knapp

Nach Drohnenangriffen auf Öl-Infrastruktur rationieren die Behörden auf der Krim Treibstoff

4 Min.

01.06.2026

Auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim wird Benzin knapp. Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf Ölanlagen haben die von Moskau eingesetzten Behörden Beschränkungen für die Ausgabe von Treibstoff eingeführt. Betroffen ist unter anderem Benzin der Marke AI-95, das etwa Superbenzin in Europa entspricht. Dieses soll zunächst vorrangig an öffentliche und soziale Verkehrsmittel abgegeben werden. Normale Bürger können den Treibstoff nur noch mit Bezugsschein tanken.

Auch für Benzin der Marke AI-92 gelten Einschränkungen. Nach Angaben des von Russland eingesetzten Statthalters Sergej Aksjonow dürfen davon höchstens 20 Liter abgegeben werden. Das Betanken von Kanistern ist verboten. Damit wollen die Behörden offenbar Hamsterkäufe verhindern. Die Beschränkungen sollen zunächst für 30 Tage gelten. Im Internet kursieren Berichte und Videos von langen Schlangen vor Tankstellen auf der Krim. 

Ölanlagen geraten stärker ins Visier

Die Treibstoffprobleme folgen auf eine Serie ukrainischer Angriffe gegen russische Industrie- und Energieanlagen. Nach russischen Angaben wurden in der Nacht mehrere Regionen getroffen, darunter Kirow, Saratow, Rostow, Woronesch und Belgorod. Die Region Saratow verfügt über mehrere Ölraffinerien und war bereits zuvor Ziel ukrainischer Angriffe. Auch in der Stadt Feodossija auf der Krim brennt nach seit zwei Tagen eine Raffinerie. 

Für die Ukraine haben solche Angriffe eine klare strategische Logik. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges dient die Krim als wichtige Versorgungsbasis für russische Truppen im Süden der Ukraine. Wer Treibstofflager, Raffinerien und Transportwege trifft, erschwert nicht nur den zivilen Alltag auf der Halbinsel, sondern auch die militärische Logistik der Besatzungstruppen.

Krim bleibt militärischer Schlüsselraum

Die Krim ist seit der völkerrechtswidrigen Annexion durch Russland im Jahr 2014 ein zentraler Stützpunkt Moskaus im Schwarzen Meer. Seit dem Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat ihre Bedeutung als Nachschub-, Luftwaffen- und Flottenbasis weiter zugenommen. Entsprechend versucht Kiew seit Monaten, russische Infrastruktur auf und um die Halbinsel systematisch zu schwächen.

Die aktuelle Benzinrationierung zeigt, dass diese Strategie zumindest punktuell Wirkung entfaltet. Für Russland ist das politisch heikel. Die Krim hat für den Kreml hohe symbolische Bedeutung. Sichtbare Versorgungsprobleme auf der Halbinsel widersprechen dem Bild stabiler Kontrolle, das Moskau nach innen vermitteln will.

Weitere Risiken am AKW Saporischschja

Parallel wächst die Sorge um das russisch besetzte Atomkraftwerk Saporischschja. Die Internationale Atomenergie-Organisation reagierte besorgt auf Berichte über einen möglichen Drohneneinschlag in einem Maschinengebäude. IAEA-Experten vor Ort haben Zugang zu dem betroffenen Bereich angefordert. Die russische Seite macht die Ukraine verantwortlich, legte dafür jedoch keine Belege vor. Die ukrainische Armee wies den Vorwurf zurück und sprach von einem Versuch russischer »atomarer Erpressung«. 

Das Kraftwerk ist das größte Atomkraftwerk Europas. Seit März 2022 steht es unter russischer Kontrolle. Alle 6 Reaktoren sind aus Sicherheitsgründen abgeschaltet, dennoch bleibt die Anlage wegen der Nähe zur Front und wiederholter Vorfälle ein internationales Risiko.

Selenskyj warnt vor neuem Großangriff

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte unterdessen erneut vor einem möglichen massiven russischen Luftangriff. Geheimdienstinformationen über einen größeren Angriff seien weiterhin aktuell. Selenskyj rief die Bevölkerung auf, Luftalarme ernst zu nehmen. Zugleich verwies er auf Engpässe beim westlichen Nachschub für die Abwehr ballistischer Raketen und Marschflugkörper. 

Damit bleibt die Lage an mehreren Fronten angespannt. Während Russland seine Luftangriffe vorbereitet oder fortsetzt, versucht die Ukraine zunehmend, die russische Kriegslogistik tief im Hinterland zu treffen. Die Benzinknappheit auf der Krim zeigt, dass diese Strategie nicht folgenlos bleibt.

SK

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