Eine technische Störung hat am Dienstagabend den Bahnverkehr in ganz Deutschland zum Erliegen gebracht. Erst nach Mitternacht konnten die Züge schrittweise wieder starten. Der Vorfall zeigt, wie abhängig Personen- und Güterverkehr von einzelnen digitalen Systemen geworden sind.
Wegen einer bundesweiten Störung des digitalen Zugfunks hat die Deutsche Bahn am späten Dienstagabend sämtliche Züge anhalten lassen. Betroffen waren Fern-, Regional- und teilweise auch S-Bahn-Verbindungen sowie andere Eisenbahnunternehmen, die das Schienennetz der DB InfraGO nutzen.
Die Züge wurden aus Sicherheitsgründen an Bahnhöfen zurückgehalten. Zahlreiche Reisende strandeten, während sich vor Informationsschaltern lange Warteschlangen bildeten. Die Bahn stellte nach eigenen Angaben Taxi- und Hotelgutscheine aus und bot teilweise Züge als Aufenthaltsmöglichkeit an.
Kommunikation zwischen Lokführern und Leitstellen gestört
Ausgefallen war das digitale Bahnfunknetz GSM-R. Das speziell für den Schienenverkehr entwickelte System ermöglicht die Kommunikation zwischen Lokführern, Fahrdienstleitern und Betriebszentralen. Auch Notrufe und betriebliche Anweisungen werden darüber übermittelt.
Ohne eine sichere Verbindung dürfen Züge nicht regulär weiterfahren. Ein Ausfall des zentralen Kommunikationssystems führt daher nicht nur zu Verspätungen, sondern kann innerhalb kurzer Zeit große Teile des Bahnverkehrs stoppen.
Nach rund zwei Stunden gelang es Technikern, das System zu stabilisieren. Kurz nach Mitternacht liefen die ersten Verbindungen wieder an. Am Mittwochmorgen verkehrten die Züge nach Angaben der Bahn weitgehend regulär, vereinzelt waren jedoch noch Ausfälle und Verspätungen möglich.
Ursache weiterhin nicht offiziell genannt
Die genaue Ursache der Störung ist bislang nicht öffentlich bekannt. Medienberichten zufolge könnte ein fehlerhaftes Softwareupdate verantwortlich gewesen sein. Eine gezielte Sabotage gilt demnach als weniger wahrscheinlich, offiziell bestätigt wurde dies jedoch nicht.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder forderte Konsequenzen. Sollte ein technischer Defekt oder ein Softwareupdate den Stillstand verursacht haben, müsse die Bahn Vorkehrungen treffen, damit sich ein vergleichbarer Ausfall nicht wiederhole.
Kritische Infrastruktur ohne ausreichendes Auffangnetz
Der Zwischenfall besitzt über die unmittelbaren Unannehmlichkeiten für Reisende hinaus wirtschaftliche Bedeutung. Das deutsche Schienennetz umfasst rund 33.400 Kilometer und etwa 5.400 Bahnhöfe. Täglich sind nicht nur Millionen Pendler und Reisende, sondern auch Lieferketten und Gütertransporte auf seinen Betrieb angewiesen.
Der vergleichsweise kurze Ausfall hat damit eine grundlegende Schwachstelle sichtbar gemacht: Je stärker der Verkehr digital gesteuert und vernetzt wird, desto wichtiger werden unabhängige Rückfallebenen. Fällt ein zentrales Kommunikationssystem bundesweit aus, steht nicht nur die Bahn still, sondern ein wesentlicher Teil der deutschen Infrastruktur.
SK