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93 Milliarden US-Dollar in drei Monaten

Der Iran-Krieg verdoppelt die Gewinne der größten Ölkonzerne

5 Min.

06.08.2026

Fernando Alonso vom Team Aston Martin Aramco beim Formel 1 Ungarn Grand Prix in Budapest,  am 26.07.2026.

Acht der weltgrößten Ölkonzerne haben innerhalb von drei Monaten zusammen nahezu 93 Milliarden US-Dollar verdient. Der Krieg mit Iran ließ Ölpreise, Raffineriemargen und Handelsgewinne steigen. Dass die Rekordbilanz zeitgleich mit verheerenden Hitzewellen veröffentlicht wird, verschärft die Debatte über Krisengewinne und die Kosten fossiler Energie.

Saudi Aramco, BP, Shell, Equinor, TotalEnergies, Eni, Chevron und ExxonMobil erwirtschafteten im zweiten Quartal 2026 zusammen fast 93 Milliarden US-Dollar Gewinn. Im Vorjahreszeitraum waren es knapp 50 Milliarden US-Dollar gewesen. Rechnerisch verdienten die acht Konzerne damit mehr als 700.000 US-Dollar pro Minute.

Die Gesamtsumme stammt aus einer Auswertung der veröffentlichten Quartalsberichte. Sie ist als Größenordnung zu verstehen: Einige Unternehmen weisen den Nettogewinn aus, andere verwenden bereinigte Ergebnisse. Die einzelnen Zahlen sind daher nicht in jeder Hinsicht nach identischen Rechnungslegungsmaßstäben berechnet.

Aramco verdient fast 33 Milliarden US-Dollar

Den größten Gewinn meldete der saudische Staatskonzern Aramco. Sein Nettogewinn stieg gegenüber dem Vorjahr um 44 Prozent auf 32,69 Milliarden US-Dollar. ExxonMobil kam auf 14,5 Milliarden, Chevron auf 12,2 Milliarden und Shell auf bereinigte 9,84 Milliarden US-Dollar. BP verdiente 5,73 Milliarden US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie im vorherigen Quartal.

Die Unternehmen profitierten dabei nicht nur von höheren Rohölpreisen. Raffinerien erzielten außergewöhnlich hohe Margen mit Benzin, Diesel und Kerosin. Auch der Handel mit Öl, Flüssiggas und Transportkapazitäten wurde durch die starken Preisschwankungen erheblich lukrativer.

Die Straße von Hormus wurde zum Engpass

Seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen Iran Ende Februar ist der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus stark eingeschränkt. Die Meerenge gehört zu den wichtigsten Transportrouten für Öl und Flüssiggas.

Nach Angaben von Aramco fehlten dem Weltmarkt seit Kriegsbeginn mehr als 2,6 Milliarden Barrel Öl. Das entspricht beinahe einem Monat der normalen weltweiten Förderung. Der Ölpreis stieg zeitweise auf mehr als 126 US-Dollar je Barrel.

Zugleich wurden Raffinerien, Pipelines und Exportanlagen in der Golfregion angegriffen. Die Unternehmen mussten Lieferungen umleiten und teilweise Produktionseinbußen hinnehmen. Bei den großen, international aufgestellten Konzernen überwogen jedoch die Vorteile der höheren Preise.

Das zeigt die besondere Logik des Ölmarkts: Ein Konzern kann an einzelnen Standorten Schäden erleiden und insgesamt dennoch mehr verdienen, wenn der Preis für seine übrige Produktion deutlich steigt.

Die Hitzewellen sind nicht der Gewinnmotor

Die zeitgleichen Hitzewellen haben die Gewinne der Ölkonzerne nicht in erster Linie verursacht. Der entscheidende Auslöser waren der Krieg, die knappen Lieferungen und die daraus entstandenen Preisbewegungen.

Die Hitze gehört dennoch zur Geschichte, weil sie die andere Seite des fossilen Geschäftsmodells sichtbar macht. Eine 2025 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie untersuchte 213 historische Hitzewellen und ordnete einen erheblichen Teil ihrer gestiegenen Intensität den Emissionen großer Öl-, Gas-, Kohle- und Zementproduzenten zu. Die Emissionen der sogenannten Carbon Majors trugen demnach etwa zur Hälfte zur seit vorindustrieller Zeit gemessenen Verstärkung der untersuchten Hitzewellen bei.

Damit lässt sich nicht behaupten, der Gewinn eines bestimmten Quartals habe eine konkrete Hitzewelle ausgelöst. Die langfristige Verbindung zwischen der Verbrennung fossiler Energieträger, der Erderwärmung und extremer Hitze ist jedoch wissenschaftlich belegt.

Wer profitiert, wer bezahlt?

Für Aktionäre und ölproduzierende Staaten bedeuten die hohen Preise steigende Einnahmen. Verbraucher spüren dieselbe Entwicklung an Tankstellen, bei Flugpreisen, Transportkosten und teilweise bei Heiz- und Stromrechnungen.

Umweltorganisationen und einzelne Politiker fordern deshalb zusätzliche Abgaben auf außergewöhnliche Krisengewinne. Mit den Einnahmen sollen unter anderem Klimaanpassung, Hochwasser- und Brandschutz oder der Ausbau erneuerbarer Energien finanziert werden.

Die Ölunternehmen weisen den Vorwurf unangemessener Gewinne zurück. Sie argumentieren, Preise würden auf internationalen Märkten gebildet. Hohe Erträge ermöglichten zudem Investitionen in Förderung, Raffinerien und Versorgungssicherheit.

Tatsächlich lässt sich der Preisanstieg nicht allein den Konzernen zuschreiben. Er entstand durch einen massiven geopolitischen Angebotsschock. Dennoch profitieren große, breit aufgestellte Unternehmen besonders stark, weil sie Förderung, Verarbeitung und Handel miteinander verbinden können.

Die Gewinne können ebenso schnell wieder fallen

Die derzeitige Lage muss nicht dauerhaft bestehen bleiben. Fortschritte bei Verhandlungen mit Iran oder eine Wiederöffnung der Straße von Hormus könnten Ölpreise und Raffineriemargen deutlich sinken lassen.

Gerade Raffineriegewinne gelten als zyklisch. Die westlichen Ölkonzerne hatten ihre Verarbeitungskapazitäten über Jahre reduziert, weil sie langfristig mit sinkender Kraftstoffnachfrage rechneten. Die dadurch knapper gewordenen Kapazitäten erhöhen nun vorübergehend die Margen der verbliebenen Anlagen.

Der aktuelle Boom beweist daher nicht, dass das klassische Ölgeschäft unbegrenzt wächst. Er zeigt vor allem, wie profitabel Knappheit sein kann.

Stefanie S. Klief

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