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Deutschlands Exporte erreichen Rekordwert

139,3 Milliarden Euro – USA und China schwächeln

5 Min.

07.08.2026

Deutschlands Exportwirtschaft liefert mitten in der Konjunkturflaute ein überraschend starkes Signal. Im Juni erreichten die Warenausfuhren einen neuen Höchstwert. Hinter dem Rekord verbirgt sich jedoch ein Strukturwandel: Die traditionellen Wachstumsmärkte USA und China verlieren an Bedeutung, während Europa den Außenhandel stabilisiert.

Deutschland exportierte im Juni kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro. Das waren 0,9 Prozent mehr als im Mai und 6,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Noch nie hatte das Statistische Bundesamt für einen einzelnen Monat einen höheren bereinigten Exportwert gemessen. Der bisherige Rekord von 139,1 Milliarden Euro stammte aus dem September 2022.

Es war zugleich der fünfte monatliche Anstieg in Folge. Im gesamten ersten Halbjahr lagen die deutschen Exporte 3,7 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Reuters-Ökonomen hatten für Juni lediglich mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet.

Europa wird zum Stabilitätsanker

Besonders deutlich zeigt sich, woher das Wachstum inzwischen kommt. Die Exporte in die EU-Staaten stiegen im Juni um 1,3 Prozent auf 79,3 Milliarden Euro. Im gesamten ersten Halbjahr lagen sie sogar 7,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Ausfuhren in Länder außerhalb der EU nahmen im Juni dagegen nur um 0,3 Prozent zu und lagen im ersten Halbjahr 0,9 Prozent unter Vorjahr.

Großbritannien entwickelte sich besonders kräftig: Die deutschen Exporte dorthin stiegen gegenüber Mai um 7,7 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro.

Damit gewinnt der europäische Markt für deutsche Unternehmen wieder an Gewicht – ausgerechnet in einer Phase, in der das Geschäft mit den beiden wichtigsten außereuropäischen Partnern schwieriger wird.

USA bleiben Nummer eins – brechen aber deutlich ein

Die Vereinigten Staaten waren im Juni weiterhin das wichtigste einzelne Exportland Deutschlands. Waren im Wert von 12,1 Milliarden Euro wurden dorthin geliefert.

Gegenüber Mai bedeutete das allerdings einen Einbruch um 14,2 Prozent. Im gesamten ersten Halbjahr lagen die US-Ausfuhren 5,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Reuters führt die Unsicherheit unter anderem auf die amerikanische Zoll- und Handelspolitik zurück.

Auch China schwächelt weiter. Die Exporte gingen im Juni um 0,3 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro zurück. Im ersten Halbjahr lagen sie sogar 12,3 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Gleichzeitig importiert Deutschland immer mehr aus China. Im Juni stiegen die Einfuhren von dort um 9,1 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro.

Damit verschiebt sich das Verhältnis immer deutlicher: Deutsche Unternehmen verkaufen weniger nach China, während chinesische Hersteller mehr Waren auf den deutschen Markt liefern.

Die Importe wachsen schneller als die Exporte

Der Exportrekord allein vermittelt deshalb ein zu freundliches Bild.

Deutschlands gesamte Importe stiegen im Juni gegenüber Mai um 4,4 Prozent auf 123,9 Milliarden Euro – also fast fünfmal so stark wie die Exporte. Dadurch schrumpfte der Außenhandelsüberschuss von 19,3 Milliarden Euro im Mai auf 15,4 Milliarden Euro.

Auch im ersten Halbjahr zeigt sich dieser Effekt: Die Exporte legten um 3,7 Prozent zu, die Importe aber um 4,4 Prozent. Der Handelsüberschuss blieb mit 105 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahreswert.

Ein Rekordwert ist noch kein Exportboom

Hinzu kommt eine wichtige statistische Einschränkung. Die 139,3 Milliarden Euro messen den Wert der ausgeführten Waren. Daraus lässt sich nicht automatisch schließen, dass Deutschland auch eine Rekordmenge an Autos, Maschinen oder Chemieprodukten exportiert hat.

Preisentwicklung, Produktmix und Wechselkurse können den Warenwert beeinflussen. Wie sich einzelne Produktgruppen entwickelt haben, lässt sich aus den heute veröffentlichten vorläufigen Daten noch nicht abschließend ableiten. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die vollständigen Detailergebnisse am 20. August.

Trotzdem passt der Exportanstieg zu weiteren vorsichtig positiven Konjunktursignalen. Die Industrieproduktion stieg im Juni den dritten Monat in Folge, und auch die Auftragseingänge hatten zuletzt überraschend zugelegt. Ökonomen warnen jedoch davor, diese zyklische Erholung bereits als Lösung der strukturellen Probleme des deutschen Industriestandorts zu interpretieren.

Was bleibt

Der Exportrekord ist mehr als eine überraschend gute Monatszahl. Bemerkenswert ist vor allem, dass Deutschland ihn erreicht, obwohl das Geschäft mit den USA und China deutlich schwächer läuft.

Genau diese geringere Abhängigkeit von einzelnen großen Absatzmärkten gehört seit Jahren zu den erklärten Zielen der deutschen und europäischen Handelspolitik. Im Juni zeigt sich zumindest, wie eine solche Verschiebung aussehen kann: Europa gewinnt an Bedeutung, andere Märkte gleichen einen Teil der Rückgänge aus.

Ob daraus bereits eine dauerhaft erfolgreichere Exportstruktur entsteht, lässt sich nach einem Monat noch nicht sagen. Und auch der Rekord selbst sollte eingeordnet werden: 139,3 Milliarden Euro sind ein nominaler Höchstwert und nicht automatisch ein Rekord bei der Menge der ausgeführten Waren.

Trotzdem ist das Signal bemerkenswert. Deutschlands Exportwirtschaft wächst derzeit nicht deshalb, weil ihre alten Wachstumsmotoren wieder anspringen – sondern obwohl sie schwächeln.

Vielleicht ist genau das die wichtigere Nachricht hinter dem neuen Rekord.

Stefanie S. Klief

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