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2,3 Milliarden Euro Minus: Deutsche Bahn kämpft mit strukturellem Kollaps

Trotz mehr Fahrgästen bleibt die Bilanz tiefrot – Sanierung dauert Jahre

Trotz mehr Fahrgästen schreibt die Deutsche Bahn Milliardenverluste – ein Widerspruch, der tiefer geht als eine schlechte Bilanz. Marodes Netz, strukturelle Altlasten und fehlende Einnahmequellen bringen den Konzern in eine Dauerkrise. Die entscheidende Frage ist längst nicht mehr, ob es besser wird – sondern wie lange das System noch stabil bleibt.

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31.03.2026

Die Deutsche Bahn steckt weiter in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Wie aus aktuellen Berichten unter anderem der Tagesschau hervorgeht, hat der bundeseigene Konzern im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 2,3 Milliarden Euro verbucht. Damit hat sich das Minus im Vergleich zum Vorjahr nochmals um etwa 0,5 Milliarden Euro ausgeweitet.

Hauptursache für die schwache Bilanz sind massive Abschreibungen im Fernverkehr. Allein in diesem Bereich musste der Konzern rund 1,4 Milliarden Euro wertberichtigen. Hintergrund sind anhaltende Probleme im Schienennetz, die sich direkt auf das Geschäft auswirken. Verspätungen, Baustellen und eine insgesamt unzuverlässige Infrastruktur führen dazu, dass weniger Einnahmen erwartet werden und langfristige Planungen angepasst werden müssen.

Hinzu kommt ein struktureller Einschnitt: Mit dem Verkauf der Logistiktochter DB Schenker fehlt der Bahn ein wichtiger Gewinnbringer. Zwar konnte der Konzern dadurch seine Schulden um rund 12 Milliarden Euro auf etwa 20,7 Milliarden Euro reduzieren, gleichzeitig entfällt jedoch eine stabile Einnahmequelle, die bislang zur Stabilisierung der Bilanz beigetragen hatte.

Besonders bemerkenswert ist die Diskrepanz zwischen operativem Geschäft und Gesamtbilanz. Trotz des hohen Verlusts erzielte die Bahn im Tagesgeschäft erstmals seit Jahren wieder ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern von rund 297 Millionen Euro. Auch der Umsatz legte um etwa 3 Prozent auf rund 27 Milliarden Euro zu.

Parallel dazu steigt die Nachfrage weiter. Insgesamt nutzten im vergangenen Jahr rund 1,93 Milliarden Fahrgäste die Angebote der Bahn, ein Zuwachs von mehr als 3 Prozent. Dennoch bleibt insbesondere der Fernverkehr ein Problemfeld, da Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit weiterhin deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Die strukturellen Herausforderungen sind erheblich. Der Zustand der Infrastruktur gilt als zentraler Belastungsfaktor, und die umfassende Sanierung des Netzes wird sich voraussichtlich über viele Jahre erstrecken. Branchenexperten gehen davon aus, dass erst langfristig Verbesserungen spürbar werden – kurzfristig ist weiterhin mit Einschränkungen und Belastungen zu rechnen.

Vor diesem Hintergrund wächst auch der politische Druck. Verkehrspolitiker fordern zusätzliche Unterstützung durch den Bund, um die Modernisierung des Schienennetzes zu beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn zu sichern. Gleichzeitig wird die Situation zunehmend als systemisch relevant bewertet, da anhaltende Probleme im Bahnverkehr das Vertrauen in staatliche Infrastruktur insgesamt beeinträchtigen könnten.

Insgesamt zeigt sich ein widersprüchliches Bild: steigende Nachfrage und operative Fortschritte auf der einen Seite, massive strukturelle Defizite und hohe Verluste auf der anderen. Die kommenden Jahre dürften entscheidend dafür sein, ob die Deutsche Bahn den Turnaround schafft – oder ob sich die Krise weiter verfestigt.

SK

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