Das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking steht offiziell im Zeichen von Stabilisierung und wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Doch hinter den demonstrativ freundlichen Bildern wächst die Sorge vor einer neuen geopolitischen Eskalation – insbesondere rund um Taiwan.
Zum Auftakt des Gipfels warnte Xi Jinping den US-Präsidenten ungewöhnlich deutlich vor einer Konfrontation in der Taiwan-Frage. Eine falsche Handhabung des Themas könne die Beziehungen zwischen beiden Staaten in eine »gefährliche Lage« bringen, erklärte Xi laut chinesischem Außenministerium. Taiwan sei die »zentralste und sensibelste« Frage in den Beziehungen zwischen China und den USA.
Die Warnung zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten inzwischen trotz aller diplomatischen Inszenierung bleibt. Zwar bemühen sich beide Seiten derzeit sichtbar um Stabilität – unter anderem wegen der angespannten Weltwirtschaftslage und der Auswirkungen des Iran-Kriegs auf Energie- und Finanzmärkte. Doch gerade Taiwan entwickelt sich zunehmend zum gefährlichsten geopolitischen Konfliktfeld der kommenden Jahre.
Besonders brisant ist dabei ein möglicher Tabubruch der US-Regierung. Trump hatte bereits vor seiner Reise angekündigt, mit Xi auch über amerikanische Waffenlieferungen an Taiwan sprechen zu wollen. Genau das galt jahrzehntelang als inoffizielle rote Linie der amerikanischen Außenpolitik: Washington konsultierte Peking traditionell nicht über taiwanische Rüstungsgeschäfte. Mehrere asiatische Staaten beobachten die Entwicklung deshalb mit großer Nervosität.
Gleichzeitig zeigt das Treffen auch die enorme gegenseitige Abhängigkeit beider Staaten. Trotz Handelskonflikten, Technologiekrieg und geopolitischer Rivalität bleiben die USA und China wirtschaftlich eng miteinander verflochten. Themen wie Zölle, Seltene Erden, künstliche Intelligenz, Halbleiter und globale Lieferketten stehen deshalb ebenfalls weit oben auf der Agenda des Gipfels.
Mehrere Beobachter sehen China derzeit sogar in einer vergleichsweise starken Position. Der Iran-Krieg belastet die USA außenpolitisch und wirtschaftlich, während China seine Kontrolle über strategische Rohstoffe und Lieferketten weiter ausbauen konnte. Der Council on Foreign Relations spricht deshalb von einer »strukturellen Verschiebung« im Machtverhältnis zwischen Washington und Peking.
Gleichzeitig versuchen beide Seiten sichtbar, eine offene Eskalation zu vermeiden. Xi sprach bei dem Treffen von einer neuen Positionierung der bilateralen Beziehungen und warnte indirekt vor einer sogenannten »Thukydides-Falle« – also dem historischen Muster, dass aufstrebende und etablierte Großmächte häufig in Konflikte geraten.
Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung des Gipfels. Es geht längst nicht mehr nur um Handelsabkommen oder diplomatische Symbolik. Das Treffen zeigt vielmehr, wie fragil die globale Ordnung inzwischen geworden ist. Die USA und China versuchen gleichzeitig:
Taiwan wird dabei zunehmend zum neuralgischen Punkt dieser neuen Weltordnung. Und genau deshalb verfolgen Börsen, Regierungen und Unternehmen weltweit das Treffen in Peking mit außergewöhnlicher Aufmerksamkeit.
SK