Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin fuer Wirtschaft und Energie, besucht die Konverterstation A-Nord von Amprion und Siemens Energy. Emden, 29.04.2026
Die Deutsche Bank bleibt bei Siemens Energy optimistisch. Analyst Gael de-Bray bestätigt die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 200 Euro. Sorgen vor Überkapazitäten im Geschäft mit Gaskraftwerken hält er für überzogen. Wichtiger seien das unterschätzte Servicegeschäft, strukturelles Wachstum im Netzgeschäft und die weitere Sanierung der Windkrafttochter Gamesa.
Die Siemens-Energy-Aktie bleibt aus Sicht der Deutschen Bank ein Kauf. Deutsche Bank Research bestätigte die Einstufung »Buy« und beließ das Kursziel bei 200 Euro. Analyst Gael de-Bray sieht die jüngsten Sorgen um mögliche Überkapazitäten im Markt für Gaskraftwerke als überzogen an.
Für Anleger ist das bemerkenswert, weil Siemens Energy in den vergangenen Monaten bereits stark gelaufen ist. Die Aktie gehört zu den auffälligen Gewinnern im DAX und hat sich deutlich von früheren Krisenniveaus entfernt. Trotzdem sieht die Deutsche Bank weiterhin Aufwärtspotenzial.
Der Grund liegt in der breiteren Aufstellung des Konzerns. Aus Sicht des Analysten wird Siemens Energy zu häufig auf das Geschäft mit Gaskraftwerken reduziert. Das eigentliche Kraftwerksgeschäft mache jedoch nur rund 15 Prozent des Konzernumsatzes aus. Entscheidender seien andere Bereiche, die vom Markt womöglich noch nicht vollständig eingepreist werden.
Servicegeschäft wird wichtiger
Besonders das Servicegeschäft spielt eine zentrale Rolle. Gaskraftwerke, Turbinen, Netzinfrastruktur und Energieanlagen brauchen Wartung, Ersatzteile, Modernisierung und langfristige Betreuung. Solche Einnahmen sind oft stabiler als das reine Neuanlagengeschäft.
Das ist für Siemens Energy wichtig. Während neue Großaufträge zyklisch schwanken können, schafft Service wiederkehrende Erlöse und langfristige Kundenbeziehungen. Genau hier sieht Deutsche-Bank-Analyst de-Bray offenbar unterschätztes Potenzial.
Auch beim Netzgeschäft bleibt die strukturelle Nachfrage hoch. Der Umbau der Energiesysteme, der Anschluss erneuerbarer Energien, der Ausbau von Stromnetzen und die Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Rechenzentren sorgen für langfristige Investitionen. Siemens Energy ist in vielen dieser Bereiche positioniert.
Gamesa bleibt der Hebel
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Windkrafttochter Siemens Gamesa. Sie war über Jahre die Problemzone des Konzerns. Qualitätsprobleme, Verluste und hohe Sanierungskosten hatten Siemens Energy schwer belastet und zeitweise sogar staatliche Garantien nötig gemacht.
Inzwischen setzt der Markt darauf, dass der Turnaround bei Gamesa gelingt. Die Deutsche Bank verweist ebenfalls darauf, dass die Sanierung weiter unterschätzt werden könnte. Wenn Gamesa seine Probleme in den Griff bekommt, würde das den gesamten Konzern deutlich entlasten.
Genau darin liegt aber auch das Risiko. Siemens Energy hat sich stark erholt, weil Anleger wieder Vertrauen in die Stabilisierung des Unternehmens fassen. Sollte sich der Gamesa-Umbau verzögern oder neue Belastungen auftauchen, könnte die Aktie empfindlich reagieren.
Energiewende als Kurstreiber
Grundsätzlich profitiert Siemens Energy von einem großen Megatrend. Stromnetze, Gasturbinen, Wasserstofffähigkeit, Energiespeicher, Netzstabilität und Windkraft sind zentrale Bausteine der Energiewende. Gleichzeitig steigt der globale Strombedarf durch Industrie, Elektromobilität, Rechenzentren und Künstliche Intelligenz.
Das macht Siemens Energy für Anleger interessant. Der Konzern steht nicht nur für erneuerbare Energien, sondern für die gesamte Infrastruktur, die eine elektrifizierte Wirtschaft braucht. Gerade dieser breitere Infrastrukturansatz unterscheidet die Aktie von reinen Wind- oder Solarwetten.
Die Kaufempfehlung der Deutschen Bank stützt deshalb eine größere Börsenerzählung: Siemens Energy könnte sich vom Sanierungsfall zum Gewinner der globalen Energieinfrastruktur entwickeln.
Trotzdem ist die Aktie kein Selbstläufer. Nach der starken Kursentwicklung sind viele Hoffnungen bereits eingepreist. Das Kursziel von 200 Euro signalisiert zwar weiteres Potenzial, aber auch, dass der Markt hohe operative Fortschritte erwartet.
Für Anleger bleiben deshalb drei Fragen entscheidend: Hält das Wachstum im Netz- und Servicegeschäft an? Kommt Gamesa schneller aus der Verlustzone? Und kann Siemens Energy die starke Nachfrage in verlässliche Margen und Cashflow übersetzen?
Die Deutsche Bank beantwortet diese Fragen derzeit optimistisch. Der Markt wird nun prüfen, ob Siemens Energy diese Erwartungen auch operativ einlösen kann.
SK