Die Federal Reserve und Meta erzählen auf den ersten Blick zwei unterschiedliche Geschichten. Gemeinsam liefern sie jedoch denselben Realitätscheck für Anleger: Kapital bleibt teuer, während die Kosten des KI-Booms schneller steigen als die daraus erzielten Gewinne.
Drei Fed-Mitglieder wollen die Zinsen sogar erhöhen
Die US-Notenbank hat ihren Leitzins in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Die Entscheidung fiel mit neun zu drei Stimmen. Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan sprachen sich für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte aus. Die Fed begründete ihre Vorsicht mit einer weiterhin erhöhten Inflation, zu der auch höhere Energiepreise und andere Angebotsschocks beitragen.
Dass gleich drei Mitglieder gegen Fed-Chef Kevin Warsh votierten, ist ungewöhnlich. Vor der Sitzung war darüber diskutiert worden, ob die Notenbank nach Monaten unveränderter Zinsen möglicherweise wieder straffen könnte. Die Mehrheit entschied sich zwar dagegen. Von einer baldigen Lockerung ist die Fed jedoch ebenfalls weit entfernt.
Damit rückt auch die von US-Präsident Donald Trump wiederholt geforderte deutliche Zinssenkung weiter in die Ferne. Stattdessen richtet sich der Blick bereits auf die September-Sitzung und die Frage, ob sich die drei Befürworter einer Erhöhung bis dahin weitere Unterstützer sichern.
Für die Börse ist das eine unangenehme Botschaft. Hohe Zinsen verteuern Kredite, erhöhen die Renditen sicherer Anleihen und verringern den heutigen Wert weit in der Zukunft erwarteter Unternehmensgewinne. Besonders empfindlich reagieren deshalb hoch bewertete Technologieaktien.
Meta liefert gleichzeitig den nächsten Schock
Genau aus diesem Sektor kam wenige Stunden später die zweite Belastung.
Meta steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal zwar um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden Dollar. Das Werbegeschäft wächst weiter kräftig: Die Zahl der ausgespielten Anzeigen legte um 14 Prozent zu, der durchschnittliche Preis pro Anzeige um zwölf Prozent.
Doch die Kosten stiegen mit 55 Prozent mehr als doppelt so schnell wie der Umsatz. Der operative Gewinn fiel um acht Prozent auf 18,8 Milliarden Dollar, der Nettogewinn sank um 14 Prozent auf 15,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie blieb deutlich hinter den Erwartungen der Analysten zurück.
Besonders alarmiert reagierten Anleger auf den freien Cashflow. Er brach von 8,55 Milliarden auf nur noch 784 Millionen Dollar ein. Die Meta-Aktie verlor daraufhin im nachbörslichen Handel zeitweise rund zehn Prozent.
Der KI-Ausbau verschlingt immer mehr Kapital
Meta investierte innerhalb von drei Monaten mehr als 31 Milliarden Dollar in Sachanlagen und Leasingverpflichtungen. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern nun Investitionen zwischen 130 und 145 Milliarden Dollar. Zuvor hatte die Untergrenze noch bei 125 Milliarden Dollar gelegen.
Hinzu kommen stark steigende Forschungs- und Entwicklungskosten. Sie erhöhten sich innerhalb eines Jahres von knapp 13 auf 21,7 Milliarden Dollar. Meta baut Rechenzentren, kauft Chips und wirbt teure KI-Fachkräfte an, um eigene Modelle, persönliche digitale Assistenten und neue Angebote für Unternehmen zu entwickeln.
Mark Zuckerberg argumentiert, die Investitionen stärkten bereits das Werbegeschäft und könnten langfristig völlig neue Märkte erschließen. Anleger stellen jedoch zunehmend die Frage, wann aus den gewaltigen Ausgaben zusätzliche, eigenständige Erlöse entstehen.
Diese Skepsis erinnert an Metas frühere Metaverse-Strategie. Auch damals investierte der Konzern enorme Summen in eine Technologie, deren wirtschaftlicher Durchbruch weiter entfernt lag als zunächst erwartet. Die Sparte Reality Labs hat inzwischen operative Verluste von mehr als 80 Milliarden Dollar angehäuft.
Ein starker Umsatz reicht nicht mehr
Metas Zahlen zeigen, wie stark sich die Maßstäbe an der Börse verschoben haben.
Ein Umsatzwachstum von 28 Prozent wäre für fast jedes andere Großunternehmen ein überzeugendes Ergebnis. Bei Meta reicht es nicht, weil die Kosten, Investitionen und Erwartungen noch schneller gestiegen sind.
Der Konzern erwartet für das dritte Quartal Erlöse zwischen 61 und 64 Milliarden Dollar. Der Mittelpunkt dieser Prognose lag leicht unter den Markterwartungen. Zugleich sollen sich die Gesamtausgaben 2026 auf 165 bis 169 Milliarden Dollar belaufen.
Die Börse bewertet deshalb nicht das bisherige Wachstum, sondern das Verhältnis zwischen Wachstum und Kapitaleinsatz. Meta verdient weiterhin Milliarden. Doch ein immer größerer Teil des erwirtschafteten Geldes fließt unmittelbar in die nächste Generation von Rechenzentren und KI-Modellen.
Die Fed macht Zuckerbergs Rechnung schwieriger
Der Zusammenhang zwischen beiden Nachrichten liegt im Preis des Kapitals.
Solange die Zinsen fielen, konnten Anleger hohe Investitionen leichter akzeptieren. Niedrige Renditen am Anleihemarkt machten Wachstumsaktien attraktiver, und weit entfernte KI-Gewinne wurden höher bewertet.
Die Fed signalisiert nun das Gegenteil. Nicht nur eine Senkung bleibt aus – innerhalb des Entscheidungsgremiums wächst sogar die Unterstützung für eine Erhöhung.
Das erhöht den Druck auf Meta und andere Technologiekonzerne, ihre Milliardeninvestitionen schneller zu rechtfertigen. Je länger die Zinsen hoch bleiben, desto weniger Geduld dürfte der Markt mit Geschäftsmodellen haben, deren Erträge erst in mehreren Jahren sichtbar werden.
Für den gesamten KI-Sektor wird damit der freie Cashflow zur neuen Schlüsselgröße. Microsoft konnte die Sorgen über hohe Ausgaben zuletzt durch starkes Cloudwachstum auffangen. Bei Meta brach der freie Mittelzufluss dagegen fast vollständig weg.
Die Börse verlangt Beweise statt Visionen
Die Investoren zweifeln nicht grundsätzlich daran, dass Künstliche Intelligenz große wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnet.
Sie unterscheiden jedoch zunehmend zwischen Unternehmen, die mit KI bereits zusätzliche Umsätze und Cashflows erzielen, und Konzernen, die zunächst immer größere Infrastruktur aufbauen müssen.
Meta gehört zu beiden Gruppen. KI verbessert bereits die Auswahl von Inhalten und Werbung auf Facebook und Instagram. Gleichzeitig reicht dieser Nutzen bislang nicht aus, um die steigenden Investitionen zu kompensieren.
Zuckerberg muss deshalb beweisen, dass aus besseren Werbeanzeigen ein wesentlich größeres Geschäft entstehen kann: persönliche KI-Agenten, Unternehmenssoftware oder andere Dienstleistungen, für die Kunden direkt bezahlen.
Bis dahin bleibt Meta im Kern ein Werbekonzern, der einen erheblichen Teil seiner Gewinne in eine noch ungewisse zweite Zukunft investiert.
Was bleibt
Die Fed hat die Zinsen nicht erhöht, und Meta wächst weiterhin stark. Trotzdem reagieren die Märkte nervös.
Der Grund liegt in den Erwartungen.
Donald Trumps Hoffnung auf deutlich billigere Kredite wird durch drei Stimmen für eine Zinserhöhung konterkariert. Zugleich zeigt Meta, wie teuer der Aufbau der KI-Wirtschaft bereits geworden ist. Ein Rekordumsatz genügt nicht mehr, wenn Gewinnmarge und freier Cashflow einbrechen.
Für Anleger ergibt sich daraus ein neuer Maßstab:
Die Frage lautet nicht länger nur, wer beim KI-Boom dabei ist. Entscheidend wird, wer die Milliardeninvestitionen finanzieren kann – und daraus schnell genug belastbare Erträge erzeugt.
Die Fed verlängert die Zeit des teuren Geldes.
Meta zeigt, wie teuer diese Zeit für die großen Technologieversprechen werden kann.
SK