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Viele Anleger folgen KI-Ratschlägen trotz hoher Risiken

Eine BrokerChooser-Umfrage zeigt, wie stark Chatbots bereits Finanzentscheidungen beeinflussen

5 Min.

29.06.2026

Generative KI wird für viele Menschen zum ersten Ansprechpartner bei Finanzfragen. Laut einer BrokerChooser-Umfrage hat fast ein Drittel der Befragten bereits KI-Finanzberatung genutzt, mehr als die Hälfte würde entsprechenden Tipps folgen. Das ist bequem, aber riskant: Allgemeine KI-Tools sind keine regulierten Finanzberater und können falsche oder unpassende Empfehlungen geben.
 

KI wird zum Finanzratgeber

Viele Verbraucher nutzen KI-Tools längst nicht mehr nur für Texte, Reisen oder Alltagsfragen, sondern auch für Geldentscheidungen. Nach einer Umfrage von BrokerChooser unter 2.000 Erwachsenen haben 29,10 Prozent der Befragten bereits ein KI-Tool wie ChatGPT oder Copilot verwendet, um Finanzberatung zu Geld, Sparen, Investitionen oder Schulden zu erhalten.

Weitere 30,95 Prozent haben KI dafür zwar noch nicht genutzt, würden es aber in Betracht ziehen. Damit zeigen sich insgesamt 60,05 Prozent offen dafür, KI in Finanzfragen einzusetzen. 39,95 Prozent lehnen eine solche Nutzung grundsätzlich ab.

Junge Anleger treiben den Trend

Besonders stark ist die Nutzung bei jüngeren Altersgruppen. Bei den 25- bis 34-Jährigen haben 53,98 Prozent bereits KI für Finanzberatung verwendet. In der Generation Z, also bei den 18- bis 24-Jährigen, sind es 46,70 Prozent. Mit zunehmendem Alter sinkt die Nutzung deutlich: Bei den 45- bis 54-Jährigen liegt der Anteil bei 26,95 Prozent, bei den über 55-Jährigen unter 10 Prozent.

Damit wird sichtbar, wie stark sich Finanzinformation in digitale Alltagsräume verschiebt. Wer mit Suchmaschinen, Social Media und Chatbots aufgewachsen ist, empfindet KI oft als schnellen, niedrigschwelligen Zugang zu Themen, die früher mit Bankberatung, Fachportalen oder längerer Recherche verbunden waren.

Regelmäßige Nutzung wird normal

Unter den Befragten, die KI bereits für Finanzfragen einsetzen, ist die Nutzung häufig keine Ausnahme mehr. 16,84 Prozent greifen täglich auf KI-Tools zurück, weitere 25,43 Prozent nutzen sie an vier bis sechs Tagen pro Woche. Besonders intensiv ist die Nutzung bei den 35- bis 44-Jährigen: In dieser Gruppe konsultieren 21,90 Prozent täglich KI zu Finanzthemen.

Laut BrokerChooser wird KI im Schnitt an 3,1 Tagen pro Woche für Finanzentscheidungen genutzt. Damit rückt sie vom gelegentlichen Recherchewerkzeug in Richtung Gewohnheit.

Das Risiko steigt bei Investments

Unproblematisch ist KI-Nutzung vor allem dort, wo sie Orientierung liefert: etwa beim Vergleich von Sparzinsen, beim Erstellen eines Budgets oder bei der Planung finanzieller Ziele. Laut Umfrage nutzen 43,46 Prozent KI, um bessere Sparzinsen zu finden, 38 Prozent für Budgetfragen und 33,06 Prozent für Ziele wie Hauskauf oder Urlaub.

Kritischer wird es bei Investments. 29,64 Prozent der Nutzer verwenden KI, um Anlagen auszuwählen oder zu vergleichen. 21,82 Prozent nutzen KI sogar für Börsenprognosen. Genau hier steigt das Risiko: Märkte reagieren auf Zinsen, Politik, Unternehmenszahlen und Stimmungen. Ein Chatbot kann historische Muster erklären, aber keine verlässliche individuelle Anlageberatung leisten.

Mehr als die Hälfte würde KI-Tipps folgen

Besonders relevant ist die Frage, ob Menschen KI-Ratschläge nur lesen oder tatsächlich danach handeln. Laut BrokerChooser würden 52,85 Prozent der Befragten auf Finanztipps eines KI-Tools reagieren. 35,60 Prozent halten das für ziemlich wahrscheinlich, 14,30 Prozent für sehr wahrscheinlich, 2,95 Prozent geben an, KI-Finanzrat immer zu folgen.

Auch hier sind jüngere Gruppen deutlich offener. Bei den 25- bis 34-Jährigen würden 76,40 Prozent KI-Empfehlungen befolgen, bei den 35- bis 44-Jährigen 70,29 Prozent. Bei den über 55-Jährigen liegt der Anteil dagegen bei 30,84 Prozent.

Auffällig ist zudem der Zusammenhang mit Einkommen. Unter Befragten mit mehr als 85.000 Euro Einkommen würden 72,93 Prozent KI-Finanztipps folgen. Das kann höhere Verluste bedeuten, wenn Empfehlungen falsch, unvollständig oder nicht zur persönlichen Risikolage passend sind.

Menschliche Beratung bleibt vorn

Trotz der hohen KI-Offenheit bevorzugen viele Menschen weiterhin professionelle Beratung. Wenn Kosten keine Rolle spielten, würden 43,88 Prozent einen traditionellen Finanzberater wählen. 31,72 Prozent vertrauen KI und menschlichen Beratern gleichermaßen, 14,49 Prozent würden KI bevorzugen.

Bei Millennials zeigt sich jedoch ein deutlicher Wandel. 35,90 Prozent der 25- bis 34-Jährigen halten KI und menschliche Berater für gleichwertig. Weitere 16,90 Prozent würden KI sogar einem menschlichen Finanzberater vorziehen.

Keine regulierte Finanzberatung

Das zentrale Problem bleibt die Verantwortung. Allgemeine KI-Chatbots sind keine BaFin-regulierten Finanzberater. Sie kennen meist weder die vollständige finanzielle Situation eines Nutzers noch dessen Risikotoleranz, Steuerlage, Schulden, Anlagehorizont oder Vorsorgebedarf. Außerdem können sie überzeugend formulieren, obwohl die Antwort falsch oder unpassend ist.

Für Verbraucher heißt das: KI kann helfen, Begriffe zu verstehen, Fragen zu strukturieren oder erste Recherchen anzustoßen. Sie sollte aber nicht allein über Aktienkäufe, Fondsentscheidungen, Schuldenstrategien oder Altersvorsorge bestimmen.

Der Trend ist trotzdem eindeutig. Finanzberatung wird digitaler, schneller und stärker von KI geprägt. Für Banken, Broker, Verbraucherschützer und Regulierer entsteht damit eine neue Aufgabe: Sie müssen nicht nur über Geldanlage aufklären, sondern auch über die Grenzen von Maschinenrat.

SK

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