Wissen

Jungheinrich-Chef fordert Rückkehr zur 40-Stunden-Woche

Industrie müsse Produktivität steigern, sagt der Vorstand des Gabelstaplerherstellers

Die Debatte über Arbeitszeiten in der Industrie gewinnt neue Dynamik. Jungheinrich-Chef Lars Brzoska fordert eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnanpassung. Er warnt vor sinkender Wettbewerbsfähigkeit im globalen Wettbewerb.

2 Min.

10.03.2026

Der Vorstandschef des Gabelstaplerherstellers Jungheinrich, Lars Brzoska, hat eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche in der Industrie gefordert. In einem Interview mit der Wochenzeitung »Die Zeit« erklärte der Manager, Deutschland müsse seine Produktivität steigern, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Nach Ansicht von Brzoska sollte eine längere Arbeitszeit allerdings ohne zusätzliche Lohnerhöhung eingeführt werden. In vielen Bereichen der deutschen Industrie gelten derzeit Tarifverträge mit einer Wochenarbeitszeit von etwa 35 Stunden. Gleichzeitig gebe es politische Diskussionen über weitere Arbeitszeitverkürzungen, häufig bei vollem Lohnausgleich.

Der Manager sieht darin ein strukturelles Wettbewerbsproblem für den Industriestandort Deutschland. »Wir müssen zurück zur 40-Stunden-Woche in der Industrie – ohne Lohnanpassung«, sagte Brzoska. Ziel müsse es sein, die Produktivität zu erhöhen und Unternehmen wieder international wettbewerbsfähiger zu machen.

Zur Begründung verwies er auf den wachsenden Wettbewerb mit China. Dort herrsche in vielen Technologieunternehmen eine deutlich höhere Arbeitsintensität. Als Beispiel schilderte er, dass junge Ingenieure in chinesischen Robotikfirmen zeitweise bis zu 140 Stunden pro Woche arbeiten, um Karriere zu machen.

Brzoska warnte zugleich vor langfristigen Folgen für den Standort Deutschland. Wenn Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit weiter sinken, könnten industrielle Arbeitsplätze stärker unter Druck geraten. Diskussionen über einzelne zusätzliche Urlaubstage oder geringfügige Reformen bezeichnete er deshalb als »Symbolpolitik«, die die strukturellen Probleme der Industrie nicht lösen könne.

Jungheinrich gehört zu den größten Herstellern von Gabelstaplern und Intralogistiklösungen in Europa und beschäftigt weltweit mehrere zehntausend Mitarbeiter. Das Unternehmen konkurriert zunehmend mit asiatischen Herstellern, die ihre Produkte oft zu deutlich niedrigeren Kosten anbieten können.

SK

Das könnte Sie auch interessieren:

Nach oben