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Mehr Börse für die Rente

Das Altersvorsorgedepot soll private Vorsorge moderner machen und die Deutschen näher an den Kapitalmarkt bringen

5 Min.

08.06.2026

Deutschland bekommt einen neuen Baustein für die private Altersvorsorge. Ab dem 01.01.2027 sollen neue staatlich geförderte Vorsorgeprodukte starten, darunter das Altersvorsorgedepot. Es soll die bisherige Riester-Rente ablösen oder ergänzen und private Vorsorge stärker für Kapitalmarktanlagen öffnen.

Der Gedanke dahinter ist einfach: Wer langfristig fürs Alter spart, soll nicht nur auf klassische Versicherungsprodukte mit niedrigen Garantiezinsen angewiesen sein. Stattdessen sollen auch Fonds und ETFs stärker gefördert werden können. Damit rückt der Kapitalmarkt näher an die Altersvorsorge heran.

Warum Riester ersetzt werden soll

Die Riester-Rente galt lange als zentrale staatlich geförderte private Altersvorsorge. In der Praxis wurde sie jedoch zunehmend kritisiert: zu kompliziert, zu teuer, zu wenig transparent und oft zu renditeschwach. Besonders die Beitragsgarantie, also die Sicherung der eingezahlten Beiträge zum Rentenbeginn, begrenzte die Anlagefreiheit vieler Anbieter.

Garantien klingen sicher, können aber Rendite kosten. Wer langfristig investiert, braucht eigentlich genug Aktienanteil, um über Jahrzehnte Vermögen aufzubauen. Hohe Garantien zwingen Anbieter jedoch häufig dazu, vorsichtiger anzulegen. Das kann die Ertragschancen mindern.

Das neue Altersvorsorgedepot soll genau hier ansetzen. Es soll mehr Renditechancen ermöglichen und staatliche Förderung stärker mit langfristigem Kapitalmarktsparen verbinden.

Wie die Förderung funktionieren soll

Die staatliche Förderung wird neu gestaltet. Vorgesehen ist eine gestaffelte Zulage: Auf Eigenbeiträge bis 360 Euro jährlich soll es 50 Cent Zuschuss pro eingezahltem Euro geben. Für Beiträge oberhalb davon bis maximal 1.800 Euro jährlich sollen 25 Cent pro Euro hinzukommen.

Damit sind bis zu 540 Euro Grundförderung pro Jahr möglich. Zusätzlich sind Kinderzulagen vorgesehen. Dadurch soll das Modell vor allem für Familien, jüngere Sparer und Menschen mit längerem Anlagehorizont attraktiver werden.

Wichtig ist: Gefördert werden nur Beiträge innerhalb der vorgesehenen Grenzen und in geeigneten zertifizierten Produkten. Das Altersvorsorgedepot ist also kein normales Wertpapierdepot, sondern ein staatlich gefördertes Vorsorgeprodukt mit eigenen Regeln.

Mehr Renditechance, aber weniger Garantie

Der große Unterschied liegt bei der Garantie. Künftig soll es verschiedene Produktvarianten geben: sicherheitsorientierte Angebote mit Garantie, Varianten mit teilweiser Beitragsgarantie und ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie.

Gerade das Depot ohne Garantie ist der eigentliche Paradigmenwechsel. Es erlaubt mehr Kapitalmarktnähe, etwa über breit gestreute Aktienfonds oder ETFs. Dadurch steigen langfristig die Renditechancen. Gleichzeitig können die Werte schwanken. In schlechten Börsenphasen kann das Depot zeitweise deutlich im Minus stehen.

Das ist kein Fehler des Modells, sondern der Preis für höhere Chancen. Wer eine Garantie will, bekommt mehr Sicherheit, muss aber meist mit geringerer Rendite rechnen. Wer auf das Depot ohne Garantie setzt, braucht Zeit, Nerven und einen langen Anlagehorizont.

Für wen das Altersvorsorgedepot interessant sein kann

Besonders interessant kann das neue Modell für jüngere Sparer sein. Wer 20, 30 oder 40 Jahre Zeit bis zur Rente hat, kann Kapitalmarktschwankungen eher aussitzen. Langfristig haben breit gestreute Aktienanlagen historisch bessere Renditechancen als viele klassische Garantieprodukte.

Auch Selbstständige sollen stärker einbezogen werden. Das ist wichtig, weil diese Gruppe bislang oft schlechter in staatlich geförderte Altersvorsorge eingebunden war. Für sie könnte das Altersvorsorgedepot ein zusätzlicher Baustein werden, sofern die konkreten Produkte günstig, flexibel und verständlich sind.

Für Menschen kurz vor dem Ruhestand ist das Modell dagegen weniger eindeutig. Wer nur wenige Jahre Zeit hat, kann starke Börsenschwankungen schlechter ausgleichen. Hier kann eine sicherere Variante sinnvoller sein.

Kosten werden entscheidend

Ob das Altersvorsorgedepot wirklich besser wird als Riester, hängt stark von den Kosten ab. Hohe Gebühren können auch gute Förderung und Kapitalmarktrenditen auffressen. Deshalb ist entscheidend, wie teuer Verwaltung, Produktmantel, Fonds, Beratung und Auszahlphase werden.

Geplant sind auch kostengünstige Standardprodukte. Genau das könnte wichtig werden, damit Sparer nicht wieder in teuren, schwer verständlichen Vertragsmodellen landen. Ein staatlich gefördertes Depot ist nur dann sinnvoll, wenn die Förderung nicht am Ende bei Anbietern und Vertriebsstrukturen hängen bleibt.

Bestehende Riester-Verträge nicht vorschnell kündigen

Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, sollte nicht überstürzt handeln. Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz. Je nach Vertrag, Förderung, Kinderzulagen, Alter und Kosten kann es sinnvoll sein, den Vertrag weiterzuführen, beitragsfrei zu stellen oder später einen Wechsel zu prüfen.

Eine Kündigung kann Nachteile haben, etwa Rückzahlung von Zulagen oder steuerliche Folgen. Deshalb gilt: Erst prüfen, dann entscheiden. Gerade ältere Riester-Verträge können trotz aller Kritik individuell vorteilhaft sein, wenn bereits hohe Zulagen oder Garantien aufgebaut wurden.

Das neue Altersvorsorgedepot ist also kein automatischer Grund, alte Verträge sofort zu beenden.

Keine Rente ohne Risiko – aber auch kein Vermögensaufbau ohne Chance

Das Altersvorsorgedepot ist kein Wundermittel. Es löst weder die Probleme der gesetzlichen Rente noch garantiert es jedem Sparer ein hohes Vermögen. Es bringt Renditechancen, aber auch Marktrisiken. Es braucht gute Produkte, niedrige Kosten, einfache Regeln und finanzielle Bildung.

Und wer über Jahrzehnte fürs Alter spart, sollte nicht künstlich von produktiven Kapitalmärkten ferngehalten werden. Entscheidend ist, Risiken ehrlich zu erklären, statt sie durch teure Garantien scheinbar verschwinden zu lassen.

Das neue Altersvorsorgedepot kann ein Fortschritt sein. Aber nur, wenn Sparer verstehen, dass Altersvorsorge nicht nur Sicherheit bedeutet. Sie bedeutet auch langfristiges Durchhalten, breite Streuung und die Bereitschaft, Schwankungen auszuhalten.

SK

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