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Warum Bahlsen die AfD nicht für eine Alternative hält

Der Kekshersteller sieht rechtspopulistische Positionen als unvereinbar mit Unternehmenswerten und Wirtschaftsinteressen

Bahlsen-Chef Alexander Kühnen fordert von Unternehmen ein klares Bekenntnis zur Demokratie und grenzt sich deutlich von der AfD ab. Für ihn stehen zentrale Positionen der Partei im Widerspruch zu den Werten seines Unternehmens. Zugleich macht der Manager deutlich, dass es dabei nicht nur um Haltung, sondern auch um wirtschaftliche Interessen geht. Fachkräfte, offene Märkte und stabile Rahmenbedingungen seien für Unternehmen unverzichtbar.

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18.05.2026

Bahlsen-Chef Alexander Kühnen hat sich deutlich von der AfD abgegrenzt und die deutsche Wirtschaft zu mehr Haltung aufgerufen. Der Manager des traditionsreichen Keksherstellers sieht viele Positionen der Partei als unvereinbar mit den Werten seines Unternehmens. Besonders deutlich zog er die Grenze bei Forderungen nach »Remigration«. Solche Positionen seien für Bahlsen nicht akzeptabel.

Kühnen begründet seine Haltung nicht allein moralisch, sondern ausdrücklich auch wirtschaftlich. Deutschland brauche Fachkräfte, offenen Handel in Europa und verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Genau diese Faktoren seien für Unternehmen zentral, wenn sie investieren, produzieren und wachsen wollen. Eine Politik der Abschottung oder Ausgrenzung stehe dem entgegen.

Damit reiht sich Bahlsen in eine wachsende Zahl deutscher Unternehmen und Unternehmer ein, die sich öffentlich gegen Rechtspopulismus positionieren. In den vergangenen Jahren hatten bereits mehrere Wirtschaftsvertreter vor den Folgen extremistischer oder europakritischer Politik gewarnt. Dabei geht es nicht nur um gesellschaftliche Verantwortung, sondern auch um harte Standortfaktoren: offene Märkte, internationale Lieferketten, Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und politische Stabilität.

Für Bahlsen ist die Positionierung besonders sichtbar, weil das Unternehmen als bekannte deutsche Marke eine breite Öffentlichkeit erreicht. Kühnen macht deutlich, dass Mitarbeitende im Unternehmen ausdrücklich Haltung zeigen dürfen. Das ist ein bemerkenswertes Signal in einer Zeit, in der viele Firmen politische Themen lieber meiden, um keine Kunden oder Geschäftspartner zu verprellen.

Der Fall zeigt jedoch, dass Neutralität für Unternehmen zunehmend schwieriger wird. Wer auf internationale Märkte, vielfältige Belegschaften und europäische Handelsstrukturen angewiesen ist, kann politische Entwicklungen nicht vollständig ausblenden. Gerade für mittelständisch geprägte Unternehmen wird die Frage wichtiger, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sie für ihre eigene Zukunft brauchen.

Die AfD versucht seit Längerem, sich auch wirtschaftspolitisch als Alternative zu etablieren. Gleichzeitig stoßen Forderungen nach Abschottung, ein kritisches Verhältnis zur Europäischen Union und Debatten über Migration in Teilen der Wirtschaft auf deutliche Ablehnung. Viele Unternehmen sehen darin Risiken für Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsmarkt und Investitionssicherheit.

Kühnen spricht damit einen Punkt an, der über Bahlsen hinausgeht. Der Standort Deutschland steht ohnehin unter Druck: hohe Energiepreise, Bürokratie, schwaches Wachstum, Fachkräftemangel und internationale Konkurrenz belasten die Unternehmen. In einer solchen Lage kann politische Unsicherheit zusätzlich zum Problem werden. Für viele Firmen ist deshalb entscheidend, dass Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und europäische Integration nicht als weiche Werte verstanden werden, sondern als wirtschaftliche Grundlage.

Bahlsen verbindet seine Abgrenzung von der AfD mit einem klaren Werteverständnis. Das Unternehmen verweist auf Offenheit, Vielfalt und Verantwortung. Diese Begriffe sind nicht neu in der Unternehmenskommunikation, bekommen aber in der aktuellen politischen Lage mehr Gewicht. Denn sie stehen zunehmend im Spannungsfeld zwischen Markenhaltung, Mitarbeiterbindung und gesellschaftlicher Erwartung.

Für die deutsche Wirtschaft stellt sich damit eine grundsätzliche Frage: Reicht es, sich auf Produktion, Umsatz und Gewinn zu konzentrieren, oder müssen Unternehmen in Zeiten politischer Polarisierung klarer sagen, welche Ordnung sie für ihr Geschäft und ihre Belegschaft brauchen? Kühnen beantwortet diese Frage eindeutig. Für ihn ist die AfD keine Alternative – weder aus Werteperspektive noch aus wirtschaftlicher Sicht.

Der Fall Bahlsen zeigt, dass politische Haltung für Unternehmen zum Standortthema wird. Es geht nicht um parteipolitische Werbung, sondern um die Frage, welche Bedingungen Unternehmen brauchen, um langfristig erfolgreich zu sein. Fachkräfte, offene Märkte und verlässliche Institutionen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie hängen an einer demokratischen Ordnung, die Unternehmen nicht nur nutzen, sondern auch verteidigen können.

SK

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