Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit des Spezialchemiekonzerns Lanxess auf Ramschniveau herabgestuft. Das langfristige Emittentenrating wurde von »Baa3« auf »Ba1« gesenkt und liegt damit erstmals unterhalb des sogenannten Investment-Grade-Bereichs.
Auslöser für die Abstufung ist das vorläufige Scheitern eines wichtigen Verkaufsprojekts. Lanxess hatte geplant, seine rund 41-prozentige Beteiligung am Kunststoff-Joint-Venture Envalior an den Finanzinvestor Advent zu verkaufen und damit etwa 1,2 Milliarden Euro einzunehmen. Advent zog sich jedoch unter Verweis auf einen Finanzierungsvorbehalt aus dem Deal zurück.
Durch den ausgebliebenen Mittelzufluss verschlechtert sich nach Einschätzung von Moody’s die finanzielle Flexibilität des Unternehmens. Gleichzeitig bleibt die Verschuldung ein zentraler Faktor für die Bonitätsbewertung. Unternehmen mit einem Rating unterhalb des Investment-Grade-Bereichs gelten aus Sicht vieler Investoren als spekulativer und müssen häufig höhere Zinsen für neue Schulden zahlen.
Lanxess selbst betont jedoch, weiterhin solide finanziert zu sein. Nach Angaben des Unternehmens sind Kreditlinien von rund 1,35 Milliarden Euro verfügbar, zudem sei die Rückzahlung einer im Oktober fälligen Anleihe über 500 Millionen Euro bereits gesichert.
Der Chemiekonzern arbeitet nach eigenen Angaben daran, seine Finanzkennzahlen wieder auf ein Niveau zu bringen, das langfristig eine Rückkehr zum Investment-Grade-Status ermöglichen soll. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass der Druck auf die Kapitalstruktur kurzfristig hoch bleiben dürfte.
SK