Der Iran-Krieg verteuert Energie, Transporte und zahlreiche Alltagsgüter. Eine neue Studie des ifo Instituts zeigt nun, wie unterschiedlich diese Kosten bei deutschen Haushalten ankommen. Besonders stark verlieren Menschen mit niedrigen Einkommen und Rentner an Kaufkraft.
Rund 16,8 Milliarden Euro zusätzliche Konsumausgaben verursacht der Nahost-Preisschock nach Berechnungen des ifo Instituts für deutsche Haushalte. Im Durchschnitt entspricht das einem Verlust von 1,15 Prozent des verfügbaren Einkommens.
Hinter diesem Mittelwert verbergen sich allerdings erhebliche Unterschiede.
Je niedriger das Einkommen, desto größer der relative Verlust
Beim einkommensärmsten Zehntel der Haushalte erreicht der errechnete Kaufkraftverlust 2,87 Prozent des verfügbaren Einkommens. Beim einkommensstärksten Zehntel sind es lediglich 0,65 Prozent. Damit ist die relative Belastung der ärmsten Haushalte mehr als viermal so groß.
Der Grund liegt vor allem in der Struktur der Ausgaben. Wer wenig verdient, benötigt einen größeren Teil seines Einkommens für Wohnen, Heizen, Mobilität und andere Güter, deren Preise unmittelbar oder über Transport- und Produktionskosten von höheren Energiepreisen beeinflusst werden.
Wohlhabendere Haushalte besitzen dagegen mehr finanziellen Spielraum und können einen Preisschock leichter auffangen oder Ausgaben verschieben. Genau deshalb sprechen die Autoren der Studie von einem regressiven Schock: Die Belastung nimmt relativ zum Einkommen nach unten zu.
Auch Rentner trifft der Preisschock besonders
Überdurchschnittlich betroffen sind ältere Menschen. Rentnerpaare verlieren den Berechnungen zufolge 1,53 Prozent ihres verfügbaren Einkommens, alleinlebende Senioren 1,45 Prozent. Das ifo führt dies unter anderem darauf zurück, dass kein Lohneinkommen als zusätzlicher Puffer vorhanden ist und ältere Haushalte einen vergleichsweise hohen Anteil ihres Budgets für Heizung und Energie aufwenden.
Damit trifft der Energiepreisschock ausgerechnet Gruppen besonders stark, deren Möglichkeiten begrenzt sind, kurzfristig auf höhere Preise zu reagieren.
Die 16,8 Milliarden Euro sind keine Rechnung
Wichtig ist allerdings die Methodik.
Das ifo hat nicht sämtliche tatsächlichen Mehrkosten deutscher Haushalte addiert. Die Forscher vergleichen vielmehr Konjunkturprognosen vor und nach Beginn des Krieges und übertragen die daraus resultierenden Preisveränderungen mithilfe einer Mikrosimulation auf unterschiedliche Haushaltstypen.
Die Ergebnisse verstehen die Wissenschaftler ausdrücklich als Obergrenzen. Haushalte reagieren auf hohe Preise: Sie fahren weniger, verändern ihren Verbrauch oder weichen auf günstigere Produkte aus. Solche Anpassungen reduzieren den tatsächlichen Verlust.
Der grundlegende Verteilungseffekt bleibt dennoch bestehen.
Der zweite Energiepreisschock innerhalb weniger Jahre
Der Krieg hat die ohnehin schwierige deutsche Konjunkturerholung bereits gebremst. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute senkten im Frühjahr ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,6 Prozent und erhöhten gleichzeitig die erwartete Inflation auf 2,8 Prozent. Als wesentlichen Grund nannten sie die gestiegenen Öl- und Gaspreise.
Anders als während der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gibt es diesmal bislang keine vergleichbar breite staatliche Abschirmung der Haushalte. Dadurch schlagen die höheren Preise nach Einschätzung von ifo-Forscher Andreas Peichl wesentlich direkter auf die privaten Budgets durch.
Was bleibt
Der Iran-Krieg zeigt erneut, dass ein Energiepreisschock gesellschaftlich nicht neutral wirkt.
16,8 Milliarden Euro zusätzliche Ausgaben verteilen sich nicht gleichmäßig über die Bevölkerung. Menschen mit hohen Einkommen können steigende Rechnungen eher auffangen. Für Haushalte am unteren Ende der Einkommensverteilung geht dagegen ein wesentlich größerer Teil ihrer verfügbaren Kaufkraft verloren.
Damit wird aus einem geopolitischen Konflikt weit außerhalb Europas sehr schnell eine innenpolitische Verteilungsfrage.
Und die ifo-Zahlen legen nahe: Entscheidend ist nicht nur, wie teuer eine Krise Deutschland insgesamt kommt – sondern wer ihre Rechnung am Ende bezahlt.
Stefanie S. Klief