Nachrichten

Öffentlich-rechtliche Sender erneut umsatzstärkstes System der Welt

Budgetstärke versus Nutzungsrealität

2 Min.

05.01.2026

Mit rund 10,4 Milliarden Euro Einnahmen haben ARD, ZDF und Deutschlandradio im vergangenen Jahr erneut das finanzstärkste öffentlich-rechtliche Rundfunksystem der Welt gebildet. Kein anderes Mediensystem verfügt über ein vergleichbares, beitragsfinanziertes Budget. Und doch steht diese finanzielle Stärke in einem paradoxen Spannungsverhältnis: Während der öffentlich-rechtliche Rundfunk über enorme Mittel verfügt, gewinnen private Streaming-Dienste zunehmend die Aufmerksamkeit und die Deutungshoheit.

Der Großteil der Einnahmen stammt weiterhin aus dem Rundfunkbeitrag, der den Sendern Planungssicherheit und Unabhängigkeit vom Werbemarkt garantiert. In klassischen TV- und Radioformaten bleibt der öffentlich-rechtliche Rundfunk damit ein zentraler Akteur.

Doch die Mediennutzung verschiebt sich spürbar: Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, YouTube und TikTok konkurrieren nicht über Budgets, sondern über Aufmerksamkeit, Algorithmen und Nutzerbindung und genau hier geraten die Öffentlich-Rechtlichen zunehmend unter Zugzwang.

Während ARD und ZDF Milliarden für Programm, Strukturen und föderale Organisation aufwenden, agieren Streaming-Plattformen hochgradig fokussiert, datengetrieben und international skaliert. Ihr Vorteil liegt weniger im Kapital als in Geschwindigkeit, Formatinnovation und globaler Reichweite.

Zwar investieren die Öffentlich-Rechtlichen massiv in Mediatheken, Streaming-Formate und digitale Inhalte, doch der Wettbewerb ist asymmetrisch:
Private Plattformen müssen gewinnen, um zu überleben – öffentlich-rechtliche Anbieter müssen legitimieren, warum sie dieses Budget benötigen. Gerade bei jüngeren Zielgruppen zeigt sich, dass Inhalte nicht automatisch konsumiert werden, nur weil sie verfügbar oder beitragsfinanziert sind.

Der Kampf entscheidet sich nicht mehr primär im linearen Programm, sondern auf Smartphones, in Empfehlungsfeeds und bei On-Demand-Inhalten.

Die Debatte um die 10,4 Milliarden Euro ist deshalb weniger eine Frage der Summe als der Wirkung. Erfolg misst sich im digitalen Medienzeitalter nicht allein an Budgets, sondern an Reichweite, Vertrauen und Relevanz. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk verfügt über die finanziellen Mittel, um diesen Wettbewerb anzunehmen, doch er steht vor der Aufgabe, seine Rolle im Streaming-Zeitalter klarer zu definieren: als Gegenmodell, nicht als Kopie der Plattformlogik.

Die Öffentlich-Rechtlichen sind finanziell stark wie kaum ein anderes Mediensystem weltweit. Doch im Wettlauf um Aufmerksamkeit und Nutzungsgewohnheiten entscheidet nicht das größte Budget, sondern die überzeugendste Antwort auf eine fragmentierte, digitale Medienwelt.

SK

Das könnte Sie auch interessieren:

Nach oben