Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat ihre Drohung mit neuen Arbeitskämpfen in der laufenden Tarifrunde mit der Deutschen Bahn vorerst zurückgestellt.
Bei Beginn der Verhandlungen unter dem neuen Vorsitzenden Mario Reiß betont die GDL, dass derzeit alle Voraussetzungen für eine Einigung am Verhandlungstisch gegeben seien, und verzichtet vorläufig auf Streikvorbereitungen. Bis Ende Februar gilt eine Friedenspflicht, während der Arbeitskämpfe gesetzlich ausgeschlossen sind. Insgesamt sind in dieser Phase vierzehn Verhandlungstage in fünf Runden geplant, deutlich mehr als in parallelen Tarifverhandlungen mit anderen Bahnunternehmen.
Die Gewerkschaft fordert unter anderem höhere Löhne und eine Neuordnung der Tarifstruktur, die in der Summe Lohnsteigerungen von bis zu acht Prozent für die rund zehntausend Beschäftigten bringen soll.
Zugleich schließt Reiß nicht aus, dass die Option einer Urabstimmung über mögliche Streiks grundsätzlich weiter offensteht, betont aber einen verantwortungsvollen Umgang mit diesem Instrument und spricht von der Notwendigkeit eines konstruktiven Verhandlungspartners. Beobachter heben hervor, dass die neue Führung sich deutlich vom Vorgehen des früheren GDL-Chefs Claus Weselsky abgrenzt, unter dessen Leitung frühere Auseinandersetzungen mehrfach in massive Arbeitsniederlegungen mündeten, die den Bahnverkehr in Deutschland zeitweise lahmgelegt hatten.
Frühestens ab März könnte nach dem Ende der Friedenspflicht wieder über konkrete Arbeitskampfmaßnahmen gesprochen werden, sollte es bis dahin zu keiner Einigung kommen. Die Tarifrunde wird auch vor dem Hintergrund der anhaltenden strukturellen Herausforderungen bei der Deutschen Bahn geführt, die in den vergangenen Jahren wiederholt mit Verspätungen, Investitionsrückständen und Kritik an Managemententscheidungen konfrontiert war.
SK