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Wo die Ticket-Preise in den Himmel wachsen: Birmingham kämpft

Birmingham bietet Europas Leichtathletik-Elite – doch leere Plätze und hohe Nebenkosten überschatten die EM. München könnte davon profitieren.

4 Min.

13.08.2026

Europas beste Leichtathleten treten derzeit in Birmingham an – doch auf den Tribünen fehlt ausgerechnet das, was ein großes Sportereignis erst zum Erlebnis macht: Publikum. Sichtbar freie Plätze, Ticketpreise bis 150 Pfund und kuriose Gastropreise haben eine Debatte ausgelöst. Für München kommt sie zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt: Die Stadt bewirbt sich gerade um die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2029 oder 2031.

Im Alexander Stadium werden noch bis zum 16. August die Leichtathletik-Europameisterschaften ausgetragen. Auf der Bahn stimmt die Qualität, auf den Tribünen dagegen sorgten bereits die ersten Wettkampftage für Diskussionen. Am Eröffnungsabend wurden mehr als 13.000 Zuschauer gemeldet, trotzdem waren größere Sitzplatzbereiche sichtbar leer. Trainer, Kommentatoren und Fans kritisierten vor allem die Preisgestaltung und das Gesamtpaket rund um die Veranstaltung.

150 Pfund fürs Ticket – 18,50 Pfund fürs Schweinebrötchen

Je nach Session und Sitzplatzkategorie können Eintrittskarten bis zu 150 Pfund kosten. Günstigere Angebote gibt es ausdrücklich ebenfalls: Die Veranstalter bieten unter anderem Kindertickets ab fünf Pfund für Morgensessions an und betonen, dass viele Karten deutlich unter den Spitzenpreisen liegen.

Für zusätzlichen Ärger sorgen allerdings die Nebenkosten. Britische Medien berichteten unter anderem über ein Schweinefleischbrötchen für 18,50 Pfund sowie hohe Parkkosten. Hinzu kommen Beschwerden über Verkehrsführung, späte Wettkampfzeiten und eine aus Sicht von Kritikern zu geringe Präsenz der EM im Stadtbild.

Das Problem ist damit größer als ein einzelner hoher Ticketpreis.

Denn ein Sportgroßereignis konkurriert heute nicht nur um klassische Fans. Es konkurriert mit Konzerten, Festivals, Kurzurlauben und anderen Freizeitangeboten – und muss deshalb mehr bieten als einen guten Platz mit Blick auf die Laufbahn.

München war ebenfalls nicht billig

Ein vorschneller Vergleich mit München wäre allerdings unfair.

Auch bei den European Championships 2022 konnten Leichtathletik-Tickets im Olympiastadion bis zu 150 Euro kosten. Es gab zugleich günstigere Kategorien und Rabattaktionen. Der Einstiegspreis für Veranstaltungen des gesamten Multisportevents lag bei zehn Euro, bei der Leichtathletik wurden regulär mindestens rund 20 Euro verlangt.

Der entscheidende Unterschied lag vielmehr um das Stadion herum.

München verband neun Europameisterschaften mit dem kostenlosen Kulturfestival »The Roofs«, offenen Wettkämpfen in der Stadt und zahlreichen frei zugänglichen Veranstaltungen. Insgesamt zählten die Organisatoren 1,47 Millionen Besucher beim Sport- und Kulturprogramm. Allein zur Eröffnung kamen rund 55.000 Menschen in den Olympiapark.

Aus einer Leichtathletikveranstaltung wurde dadurch ein städtisches Sommerereignis.

Und genau diese Atmosphäre ist bei Fernsehbildern kaum zu unterschätzen: Ein volles Stadion vermittelt Bedeutung. Leere Sitzreihen bewirken das Gegenteil – unabhängig davon, wie hochklassig der sportliche Wettkampf tatsächlich ist.

Für München kommt die Debatte zur richtigen Zeit

Denn die bayerische Landeshauptstadt möchte nun noch eine Stufe höher.

München bewirbt sich offiziell um die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2029 oder 2031. Austragungsort wäre erneut das Olympiastadion, das derzeit modernisiert wird. Neben München konkurrieren unter anderem London, Rom und Nairobi um die kommenden Titelkämpfe. World Athletics will im September über die Vergabe entscheiden.

Der Freistaat Bayern hat bereits signalisiert, sich im Fall eines Zuschlags zu einem Drittel an den Durchführungskosten zu beteiligen, sofern Bund und Stadt ebenfalls je ein Drittel übernehmen. Aktuell werden Gesamtausgaben von rund 120 Millionen Euro für 2029 beziehungsweise 123 Millionen Euro für 2031 erwartet.

Birmingham entscheidet die Bewerbung selbstverständlich nicht.

Aber gerade jetzt liefern die Bilder der EM einen unfreiwilligen Vergleich darüber, wie unterschiedlich Sportgroßveranstaltungen wirken können.

Münchens größtes Argument ist nicht das Stadion

Das Olympiastadion ist ikonisch, die Infrastruktur vorhanden und die Erinnerung an 2022 positiv. Münchens vielleicht stärkstes Argument dürfte jedoch darin liegen, dass die Stadt damals Sport nicht als abgeschlossene Veranstaltung hinter Eintrittsschranken inszenierte.

Kostenlose Wettbewerbe, Konzerte, Mitmachangebote und Veranstaltungen mitten in der Stadt senkten die Schwelle für Menschen, die keine klassischen Leichtathletikfans waren. Nach Angaben der Veranstalter entstand dadurch für München eine lokale Wertschöpfung von rund 122 Millionen Euro.

Das ist zugleich eine Lektion für Veranstalter generell:

Wer neue Zuschauer gewinnen will, darf sie nicht erst davon überzeugen müssen, dass sich ein teurer Stadionabend lohnt.

Er muss dafür sorgen, dass sie Teil des Ereignisses sein wollen.

Stefanie S. Klief

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