Börse

Robotaxi-Versprechen statt Auto-Geschäft: Tesla-Bewertung unter Druck

Manager Magazin kritisiert Musks Strategie und Anlegerverhalten

2 Min.

23.01.2026

Tesla steht erneut im Zentrum einer intensiven Debatte über die Wirtschaftlichkeit seines Geschäftsmodells und die Kommunikation von Zukunftsaussichten. Ein aktueller Bericht des Manager Magazins zeichnet ein kritisches Bild des Elektroauto- und Zukunftstechnologie-Konzerns und seiner Fokussierung auf autonome Robotaxis und KI-Anwendungen, während klassische Fahrzeugverkäufe und reale Ertragskraft vergleichsweise schwach bleiben.

Kern der Kritik ist, dass Tesla und Gründer Elon Musk seit Jahren ultraoptimistische Erwartungen an autonome Robotaxi-Dienste und hochskalierbare KI-Erlösmodelle schüren, ohne bislang einen belastbaren kommerziellen Nachweis zu liefern. Die Bewertung der Tesla-Aktie setzt stark auf diese Zukunftsaussichten, obwohl viele der prophetischen Aussagen zu Robotaxis, Flotten-Umsätzen und hohen Gewinnmargen faktisch noch nicht eingetreten sind. Musk habe damit «die Tesla-Story geschickt umgeschrieben», schreibt das Wirtschaftsmagazin und stellt die Frage, ob Anleger hier mehr auf Narrativ als auf harte Zahlen setzen.

Der Vorwurf lautet im Kern: Tesla vermittle ein Bild von sich selbst als Tech- und Mobilitätsplattform, obwohl der operative Schwerpunkt weiterhin im traditionellen Autogeschäft liegt – einem Segment, in dem derzeit vergleichsweise geringe Margen erzielt werden. Robotaxi-Dienste, die theoretisch dank Software- und KI-Erlösen unglaublich hohe Margen (manche Analysten sprechen von 70 Prozent-Spannen) versprechen, seien in der realen Welt noch nicht marktreif und rechtlich wie technologisch weiterhin weit entfernt.

Kritiker sehen darin eine Diskrepanz zwischen Visionen und greifbaren Ergebnissen: Während Musk wiederholt öffentlichkeitswirksam über autonome Flotten, KI-Plattformen und disruptive Mobilitätskonzepte spricht, habe Tesla bislang kaum belastbare Umsätze aus diesen Bereichen vorzuweisen. Anleger würden daher stark auf zukünftige Werttreiber setzen, die bislang mehr Hoffnung als belastbare Erlösströme darstellen.

Hinzu kommt, dass Tesla historisch mehrfach wegen seiner öffentlichen Aussagen unter Druck geraten ist. Frühere Vorstöße von Musk – etwa zur Verlagerung der Produktion oder zu Finanzierungsoptionen – hatten Regulierungsbehörden in den USA beschäftigt, weil sie als irreführend eingestuft werden konnten. Auch Protestbewegungen wie »Tesla Takedown« zeigen, dass nicht nur institutionelle Anleger, sondern auch Teile der Öffentlichkeit zunehmend kritisch auf die Strategie des Unternehmens blicken.

Trotz der Kritik behalten viele Investoren Tesla im Blick, weil die Vision einer autonomen Mobilitätsplattform langfristig enorme Werte schaffen könnte, sofern technologische, rechtliche und sicherheitsrelevante Hürden überwunden werden. Der Markt scheint daher zwischen Realismus und Narrativ hin- und herzuschwanken – mit entsprechend volatilen Kursbewegungen.

SK

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