Börse

Bundesbank-Milliardenverlust zeigt Schattenseite der Zinswende

Notenbank schreibt 8,6 Milliarden Euro Minus – Folgen der Geldpolitik erreichen die Finanzmärkte

Die Bundesbank meldet für 2025 einen Verlust von 8,6 Milliarden Euro. Ursache sind vor allem die Folgen der Zinswende im Euroraum. Für die Kapitalmärkte zeigt sich damit die Schattenseite der Geldpolitik.

2 Min.

05.03.2026

William Anderson - CEO der Bayer AG

Die Deutsche Bundesbank hat im Jahr 2025 einen Verlust von 8,6 Milliarden Euro ausgewiesen. Damit schreibt die deutsche Notenbank bereits das zweite Jahr in Folge rote Zahlen. Hintergrund ist vor allem die Zinswende der Europäischen Zentralbank, die nach Jahren extrem niedriger Zinsen die Geldpolitik deutlich gestrafft hat.

Für die Finanzmärkte gilt die Entwicklung als sichtbares Beispiel für die Nebenwirkungen dieser geldpolitischen Phase. Zentralbanken hatten in der Niedrigzinszeit große Mengen an Staatsanleihen und anderen Wertpapieren gekauft, deren Renditen sehr niedrig sind. Seit der Zinswende müssen sie jedoch deutlich höhere Zinsen auf Einlagen der Geschäftsbanken zahlen.

Kosten der Geldpolitik werden sichtbar

Diese strukturelle Differenz zwischen niedrigen Erträgen aus älteren Anleihebeständen und hohen Zinszahlungen auf Bankeinlagen führt inzwischen bei vielen Zentralbanken zu bilanziellen Verlusten. Auch andere Notenbanken im Euroraum sowie die US-Notenbank Fed berichten seit der Zinswende über negative Jahresergebnisse.

Die Bundesbank meldete für 2025 einen Fehlbetrag von 8,6 Milliarden Euro, nachdem im Jahr zuvor sogar ein Verlust von mehr als 19 Milliarden Euro angefallen war. Damit bleibt auch im sechsten Jahr in Folge eine Gewinnüberweisung an den deutschen Bundeshaushalt aus.

Bedeutung für Kapitalmärkte

Für Anleger ist die Entwicklung vor allem ein Signal für das weiterhin hohe Zinsniveau im Euroraum. Die Verluste zeigen, dass die Zinswende der vergangenen Jahre tief in die Struktur der Zentralbankbilanzen eingreift und die geldpolitischen Instrumente langfristig verändert hat.

Gleichzeitig unterstreichen die Zahlen, wie stark die expansive Geldpolitik der vergangenen Dekade die Finanzmärkte geprägt hat. Große Anleihebestände aus dieser Phase wirken noch viele Jahre nach und beeinflussen weiterhin die Bilanzstruktur der Notenbanken.

Zentralbanken bleiben handlungsfähig

Ökonomen betonen jedoch, dass Verluste bei Zentralbanken nicht mit Unternehmensverlusten vergleichbar sind. Die Aufgabe der Notenbanken besteht nicht darin, Gewinne zu erzielen, sondern Preisstabilität und Funktionsfähigkeit des Finanzsystems zu sichern.

Für die Kapitalmärkte bleibt die Entwicklung dennoch ein wichtiger Hinweis darauf, wie tiefgreifend die geldpolitische Wende nach der Inflationsphase der vergangenen Jahre wirkt – und wie lange ihre bilanziellen Folgen sichtbar bleiben dürften.

SK

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