Dr. Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG) im Studio von wirtschaft tv in Hamburg
Die heimische Erdgasförderung in Deutschland ist 2025 erstmals seit Jahren wieder leicht gestiegen. Das geht aus dem neuen Jahresbericht des Bundesverbands Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) hervor. Demnach wurden im vergangenen Jahr rund 4,25 Milliarden Kubikmeter Erdgas in Deutschland gefördert – etwas mehr als im Vorjahr.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung vor dem Hintergrund der deutschen Energiepolitik. Seit Jahren sinkt die heimische Förderung kontinuierlich, während gleichzeitig die Abhängigkeit von Energieimporten stark gestiegen ist. Der leichte Anstieg 2025 hängt laut BVEG unter anderem mit neuen Förderaktivitäten in der Nordsee vor Borkum zusammen.
Trotz des Wiederanstiegs bleibt die Bedeutung heimischer Förderung allerdings begrenzt. Deutschland deckt weiterhin nur einen kleinen Teil seines Erdgasbedarfs aus eigener Produktion. Nach Angaben des BVEG lag der Anteil heimischen Erdgases zuletzt bei rund 5,4 Prozent des deutschen Verbrauchs. Der Großteil stammt weiterhin aus Importen und LNG-Lieferungen.
Die Zahlen zeigen zugleich, wie stark Deutschland trotz Energiewende weiterhin auf fossile Energieträger angewiesen ist. Laut BVEG lag der Anteil konventioneller Energieträger am Primärenergieverbrauch 2025 bei rund 79,4 Prozent. Erdgas und Mineralöl bleiben damit zentrale Säulen der deutschen Energieversorgung.
Der Verband nutzt den Bericht deshalb auch für energiepolitische Forderungen. In Zeiten geopolitischer Krisen und hoher Energiepreise müsse Deutschland heimische Rohstoffpotenziale „ideologiefrei“ nutzen, erklärte der BVEG bereits bei der Vorstellung des Jahresberichts. Neben Erdgas nennt die Branche dabei zunehmend auch Geothermie, Wasserstoffspeicherung, Lithiumgewinnung und CCS-Technologien als Zukunftsfelder.
Gleichzeitig bleibt das Thema politisch hochsensibel. Während Wirtschaftsverbände und Teile der Industrie mehr heimische Förderung und Versorgungssicherheit fordern, warnen Umweltverbände vor einer langfristigen Festschreibung fossiler Strukturen. Besonders neue Erdgasprojekte stoßen regelmäßig auf Widerstand von Klimaaktivisten und Teilen der Politik.
Bemerkenswert ist zudem die strategische Rolle der deutschen Gasspeicher. Deutschland verfügt laut BVEG weiterhin über eine der größten Untertage-Speicherkapazitäten Europas. Die Speicher decken mehr als ein Viertel des jährlichen deutschen Erdgasverbrauchs ab und gelten seit der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs als zentral für die Versorgungssicherheit.
Der Bericht macht damit vor allem eines deutlich: Die Energiewende verändert Deutschlands Energiesystem zwar tiefgreifend – gleichzeitig bleibt die Volkswirtschaft auf absehbare Zeit weiterhin stark von fossilen Energieträgern abhängig. Genau daraus entsteht zunehmend ein Spannungsfeld zwischen Klimazielen, Versorgungssicherheit und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit.
SK