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Ex-Tesla-Manager sieht Systemfehler hinter hohen Strompreisen

Netzentgelte und fehlender Wettbewerb treiben Kosten für Verbraucher

Sinkende Erzeugungskosten treffen auf steigende Netzentgelte. Energieunternehmer Philipp Schröder sieht strukturelle Probleme im Stromsystem als Hauptgrund für hohe Preise.

2 Min.

14.02.2026

Die Strompreise in Deutschland zählen weiterhin zu den höchsten in Europa, obwohl die Kosten für erneuerbare Energie deutlich gesunken sind. Energieunternehmer Philipp Schröder, früher Deutschlandchef von Tesla und Gründer des Unternehmens 1Komma5°, sieht in einem Interview mit dem Focus die Hauptursachen nicht in der Stromerzeugung selbst, sondern in strukturellen Problemen des Energiesystems.

Nach seiner Einschätzung treiben vor allem die Netzentgelte die Kosten für Haushalte und Unternehmen nach oben. Während Strom aus Wind- und Solaranlagen immer günstiger produziert werden könne, würden die Einsparungen durch steigende Infrastrukturkosten aufgezehrt. In einigen Regionen machten allein die Netzentgelte rund 22 Cent pro Kilowattstunde aus.

Schröder kritisiert zudem die Marktstruktur der Netzbetreiber, die über ein regionales Monopol verfügen und daher keinem direkten Wettbewerb ausgesetzt sind. Gewinne entstünden zunehmend nicht durch den Verkauf von Strom, sondern durch den Betrieb der Netze, deren Kosten auf alle Verbraucher umgelegt werden. Investitionen in die Infrastruktur führten dadurch automatisch zu höheren garantierten Renditen für die Betreiber.

Ein weiteres Problem sieht der Energieunternehmer in fehlenden Innovationen bei Verbrauchssteuerung und Netznutzung. Technologien wie intelligente Zähler oder flexible Tarife könnten helfen, Strom lokal zu verbrauchen, wenn er günstig produziert wird, und so Transportkosten zu senken. Ohne solche Anpassungen bleibe das System ineffizient und teuer.

Grundsätzlich zeigt die Debatte die Spannungen der Energiewende: Einerseits sinken die Kosten für die Stromerzeugung, andererseits steigen die Anforderungen an Netze, Speicherung und Systemstabilität. Infrastrukturkosten, Regulierung und Marktmechanismen gewinnen damit zunehmend an Bedeutung für den Endpreis.

Für Wirtschaft und Verbraucher bedeutet dies, dass die Stromrechnung weniger von der Produktion als von der Organisation des Energiesystems abhängt. Beobachter sehen darin eine zentrale Herausforderung für die künftige Energiepolitik, insbesondere im Hinblick auf Industriepreise, Wettbewerbsfähigkeit und die Elektrifizierung von Verkehr und Wärme.

SK

SK

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