Oliver Pocher (links) und Pietro Lombardi bei einem gemeinsamen Auftritt. Der Sänger berichtet aktuell von erheblichen Sehproblemen. Ob diese mit seiner früheren Augenlaseroperation zusammenhängen, ist bislang ungeklärt.
Von Stefanie S. Klief
Pietro Lombardi sieht auf seinem rechten Auge nach eigenen Angaben nur noch mit 40 Prozent Sehschärfe. Zwei Jahre zuvor hatte er sich die Augen lasern lassen. Ob ein Zusammenhang besteht, ist ungeklärt. Sein Fall lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Medizintechnik, die seit Jahrzehnten eingesetzt wird, Millionen Menschen von der Brille befreit und weltweit erhebliche Umsätze erzielt. Wie sicher sind die Verfahren tatsächlich?
Zwei Jahre nach der Operation verschlechtert sich die Sehkraft
Der Sänger Pietro Lombardi hat im Podcast »Patchwork Boys« mit Oliver Pocher über erhebliche Sehprobleme berichtet. Auf seinem rechten Auge sehe er seit Wochen verschwommen. Nach seinen Angaben stellte ein Augenarzt eine stark ausgedünnte Hornhaut fest und ermittelte eine Sehschärfe von nur noch 40 Prozent. Eine weitere Untersuchung in einer Augenklinik soll nun klären, welche Behandlung infrage kommt.
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall, weil Lombardi sich vor etwa zwei Jahren die Augen lasern ließ. Der Eingriff sei zunächst erfolgreich gewesen, erklärte der Musiker. Erst später hätten sich die Beschwerden entwickelt.
Ob die aktuelle Hornhautveränderung tatsächlich auf die damalige Operation zurückzuführen ist, lässt sich aus den bislang veröffentlichten Informationen nicht beurteilen. Weder das genaue Operationsverfahren noch eine abschließende Diagnose sind bekannt. Eine zeitliche Abfolge allein beweist keinen ursächlichen Zusammenhang.
Wenn Vertrauen über Millionenumsätze entscheidet
Für die Anbieter von Augenlaseroperationen könnte die öffentliche Diskussion auch wirtschaftliche Folgen haben. Schließlich handelt es sich überwiegend um planbare Selbstzahlerleistungen, die mehrere Tausend Euro kosten können. Wer durch Berichte über mögliche Spätkomplikationen verunsichert wird, kann einen bereits erwogenen Eingriff zunächst verschieben oder ganz darauf verzichten.
Ob der Fall Lombardi tatsächlich einen messbaren Nachfragerückgang auslöst, ist bislang offen. Die noch ungeklärte, aber beriets kolportierte Ursache seiner Sehprobleme könnte jedoch dazu beitragen, dass potenzielle Patienten ihre Entscheidung vorerst zurückstellen. Der Fall macht deutlich, wie abhängig dieser Milliardenmarkt vom Vertrauen in die langfristige Sicherheit seiner Verfahren ist.
Eine Technologie, die seit den 1980er-Jahren eingesetzt wird
Die moderne Augenlaserchirurgie begann in den 1980er-Jahren mit der Entwicklung des Excimerlasers für die präzise Bearbeitung von Hornhautgewebe. Erste erfolgreiche Anwendungen am menschlichen Auge erfolgten Ende des Jahrzehnts. Seit 1991 wird die LASIK-Technik eingesetzt, bei der die Hornhaut gezielt verändert wird, um Fehlsichtigkeiten auszugleichen.
Das Prinzip beruht darauf, die Brechkraft des Auges zu korrigieren. Bei Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder einer Hornhautverkrümmung werden Lichtstrahlen nicht exakt auf der Netzhaut gebündelt. Durch eine Veränderung der Hornhautform lässt sich der Brennpunkt so verschieben, dass wieder schärferes Sehen möglich wird.
Die Verfahren wurden über die Jahrzehnte erheblich weiterentwickelt. Während bei der klassischen PRK die Hornhautoberfläche behandelt wird, entsteht bei LASIK zunächst eine dünne Hornhautlamelle, unter der Gewebe abgetragen wird. Bei der Femto-LASIK übernimmt ein hochpräziser Femtosekundenlaser die Präparation dieser Lamelle.
Neuere Verfahren wie SMILE kommen ohne eine großflächige Hornhautlamelle aus. Stattdessen wird innerhalb der Hornhaut ein kleines Gewebestück präpariert und durch einen vergleichsweise kleinen Schnitt entfernt.
Welches Verfahren geeignet ist, hängt unter anderem von Art und Stärke der Fehlsichtigkeit, Hornhautdicke, Hornhautform und individuellen Risikofaktoren ab. Eine grundsätzlich für alle Patienten überlegene Methode gibt es nicht.
Hohe Erfolgsquoten – aber nicht ohne Nebenwirkungen
Augenlaseroperationen gehören heute zu den etablierten Verfahren der refraktiven Chirurgie. Bei sorgfältig ausgewählten Patienten lassen sich hohe Sehschärfen und eine erhebliche Verringerung der Abhängigkeit von Brillen oder Kontaktlinsen erreichen.
Die amerikanische Arzneimittel- und Medizinproduktebehörde FDA untersuchte in Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen die Patientenerfahrungen nach LASIK-Operationen. In den sogenannten PROWL-Studien mit zusammen 574 Teilnehmern waren mehr als 95 Prozent der Befragten mit ihrem Sehvermögen nach dem Eingriff zufrieden.
Die Untersuchungen zeigten jedoch auch, dass Zufriedenheit und Nebenwirkungen gleichzeitig auftreten können.
Bis zu 46 Prozent der zuvor beschwerdefreien Studienteilnehmer berichteten drei Monate nach der Operation über mindestens ein neues visuelles Symptom. Dazu gehörten insbesondere Lichthöfe, Blendungserscheinungen und andere störende Wahrnehmungen. Bis zu 28 Prozent der zuvor nicht von trockenen Augen betroffenen Teilnehmer entwickelten entsprechende Beschwerden.
Schwerwiegende Einschränkungen im Alltag waren deutlich seltener. Weniger als ein Prozent der Befragten berichtete über erhebliche Probleme durch ein einzelnes untersuchtes Sehsymptom.
Diese Ergebnisse stammen aus Untersuchungen, die 2014 abgeschlossen wurden. Sie beschreiben außerdem LASIK und dürfen nicht ohne Weiteres auf sämtliche neueren Verfahren übertragen werden.
Auch lässt sich aus häufigen, meist weniger schwerwiegenden Nebenwirkungen nicht unmittelbar auf die Häufigkeit dauerhafter Sehschäden schließen.
Wenn die Hornhaut ihre Stabilität verliert
Eine der seltenen, aber medizinisch besonders bedeutsamen Komplikationen ist die sogenannte Keratektasie. Dabei verliert die Hornhaut an mechanischer Stabilität, wird dünner und kann sich zunehmend nach vorn wölben. Dadurch verändert sich ihre Brechkraft, und das Sehvermögen kann erheblich beeinträchtigt werden.
Solche Veränderungen können Monate oder sogar Jahre nach einem Eingriff auftreten. Eine ähnliche Entwicklung ist bei der eigenständigen Hornhauterkrankung Keratokonus bekannt.
Eine 2021 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit untersuchte das Auftreten von Keratektasien nach verschiedenen refraktiven Operationsverfahren. Für LASIK errechneten die Autoren bei Augen ohne zuvor erkennbare Risikofaktoren eine geschätzte Häufigkeit von etwa 90 Fällen je 100.000 behandelten Augen. Bei PRK lag der entsprechende Wert bei 20, bei SMILE bei elf Fällen.
Diese Zahlen dürfen allerdings nicht als exakte aktuelle Komplikationsquoten verstanden werden. Die Autoren weisen selbst auf erhebliche Unsicherheiten hin. Die Daten beruhen auf veröffentlichten Fällen und geschätzten Behandlungszahlen. Unterschiedliche Nachbeobachtungszeiten und möglicherweise nicht erfasste Komplikationen erschweren die Bestimmung des tatsächlichen Risikos.
Insbesondere die vermeintlich niedrigere Rate bei neueren Verfahren erlaubt noch keine abschließende Aussage über deren langfristige Überlegenheit.
Das medizinische Risiko hängt zudem wesentlich davon ab, wie sorgfältig die Hornhaut vor der Operation untersucht wird. Eine bereits bestehende Instabilität, auffällige Hornhautform oder unzureichende Gewebedicke kann gegen einen Eingriff sprechen.
Die gemeinsame Kommission Refraktive Chirurgie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Augenärzte hat hierfür differenzierte Empfehlungen zur Patientenauswahl und Qualitätssicherung entwickelt.
Warum eine gründliche Voruntersuchung entscheidend ist
Bei einer Augenlaseroperation wird gesundes Hornhautgewebe gezielt verändert oder entfernt. Das ist für die Korrektur der Brechkraft erwünscht, verändert aber zugleich die mechanischen Eigenschaften des Auges.
Je höher die zu korrigierende Fehlsichtigkeit, desto größer kann der notwendige Gewebeabtrag ausfallen. Die verbleibende Hornhaut muss ausreichend stabil bleiben.
Deshalb gehören zur präoperativen Diagnostik nicht nur die Bestimmung der Dioptrienwerte, sondern auch die Vermessung der Hornhautdicke und die detaillierte Analyse ihrer Form. Moderne topografische und tomografische Verfahren können Auffälligkeiten sichtbar machen, die bei einer gewöhnlichen Brillenbestimmung unentdeckt bleiben würden.
Die FDA warnt ausdrücklich davor, bei bestimmten Hornhauterkrankungen oder einer zu dünnen Hornhaut eine LASIK-Operation vorzunehmen.
Vollständig ausschließen lassen sich spätere Veränderungen dennoch nicht. Selbst moderne Diagnostik kann nicht jede künftige Entwicklung vorhersehen.
Bei fortschreitender Hornhautinstabilität stehen heute verschiedene therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung. Dazu gehört das sogenannte Corneal Crosslinking, bei dem die Hornhaut mithilfe von Riboflavin und UV-A-Licht stabilisiert werden soll. Abhängig vom Befund können auch spezielle Kontaktlinsen oder weitergehende operative Verfahren notwendig werden.
Welche Behandlung bei Lombardi erforderlich sein könnte, bleibt Gegenstand der angekündigten spezialisierten Untersuchung.
Zeiss meldet 15 Millionen behandelte Augen
Während einzelne Komplikationen auf die medizinischen Grenzen der Verfahren aufmerksam machen, entwickelt sich die Augenlaserchirurgie zugleich zu einem bedeutenden internationalen Medizintechnikgeschäft.
Erst am 6. Oktober 2026 meldete die Carl Zeiss Meditec AG einen neuen Meilenstein: Weltweit seien inzwischen mehr als 15 Millionen Augen mit den Verfahren SMILE und SMILE pro behandelt worden.
Noch 2024 hatte das Unternehmen die Marke von zehn Millionen behandelten Augen erreicht. Innerhalb von zwei Jahren kamen demnach rund fünf Millionen weitere hinzu.
Die Zahlen beziehen sich auf Behandlungen mit einer bestimmten Technologie von Zeiss seit deren Markteinführung 2011. Sie sind weder mit der Zahl behandelter Patienten gleichzusetzen noch eine vollständige Statistik aller weltweit vorgenommenen Augenlaseroperationen.
Nach Unternehmensangaben verwenden inzwischen mehr als 3.000 Operateure in über 80 Ländern diese Technik.
Zeiss gehört damit zu den wichtigen internationalen Anbietern eines Marktes, an dem auch Unternehmen wie Johnson & Johnson, Bausch + Lomb und Ziemer Ophthalmic Systems beteiligt sind.
Zum Geschäft gehören die Entwicklung und der Vertrieb hochspezialisierter Lasersysteme, Diagnosegeräte, Verbrauchsmaterialien und ergänzender Technologien. Kliniken und Augenlaserzentren bieten auf dieser Grundlage die medizinischen Behandlungen an.
Ein Markt auf dem Weg zur Milliardengrenze
Wie groß der Markt tatsächlich ist, hängt entscheidend davon ab, welche Umsätze betrachtet werden.
Nach einer im September 2026 aktualisierten Marktanalyse von Fortune Business Insights erreichte der weltweite Markt für LASIK-Lasersysteme und die damit verbundene Medizintechnik 2025 ein Volumen von rund 884 Millionen US-Dollar. Für 2026 erwartet das Marktforschungsunternehmen etwa 963 Millionen Dollar.
Bis 2034 könnte das Marktvolumen nach dieser Prognose auf rund 1,87 Milliarden Dollar wachsen. Das entspräche einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 8,7 Prozent.
Es handelt sich um eine kommerzielle Marktprognose, nicht um eine amtliche Umsatzstatistik oder gesicherte künftige Entwicklung. Zudem umfasst die zugrunde liegende Marktdefinition vor allem einschlägige Lasertechnologien. Die gesamten Behandlungserlöse sämtlicher Augenkliniken weltweit sind damit nicht gleichzusetzen.
Nordamerika hatte nach dieser Erhebung 2025 einen Anteil von rund 41 Prozent am Markt, Europa von gut 28 Prozent.
Wachstumstreiber sind die hohe Verbreitung von Fehlsichtigkeiten, technologische Fortschritte und die Nachfrage nach einer langfristigen Verringerung der Abhängigkeit von Brillen und Kontaktlinsen.
Gleichzeitig begrenzen Behandlungskosten, medizinische Ausschlusskriterien und die Konkurrenz durch alternative Sehkorrekturen das wirtschaftliche Potenzial.
Deutschland: Ein etablierter Markt mit lückenhafter Statistik
Auch in Deutschland ist die refraktive Chirurgie längst ein etabliertes medizinisches Angebot. Der Berufsverband der Augenärzte nennt unter Berufung auf eine Marktstudie für 2019 rund 113.000 Augenlaseroperationen.
Eine neuere gemeinsame Erhebung mehrerer augenärztlicher Fachverbände dokumentierte für 2024 insgesamt 37.713 refraktive Eingriffe. Davon entfielen 29.740 auf Laserbehandlungen der Hornhaut. Weitere 7.973 Eingriffe betrafen refraktive Linsenoperationen.
Die Unterschiede zwischen diesen Zahlen lassen sich jedoch nicht als Marktrückgang interpretieren.
An der jüngeren Umfrage beteiligten sich lediglich 140 Operationszentren, ungefähr 15 Prozent der angesprochenen Einrichtungen. Die Autoren betonen ausdrücklich, dass sich die Ergebnisse nicht einfach auf sämtliche deutschen Behandlungszentren hochrechnen lassen.
Eine aktuelle, vollständige und unabhängig überprüfte nationale Umsatzstatistik für Augenlaserbehandlungen ergibt sich daraus nicht.
Mehrere Tausend Euro für ein Leben ohne Brille
Für viele Patienten ist Augenlasern auch eine erhebliche private Investition.
In Deutschland werden für entsprechende Behandlungen je nach Verfahren und Anbieter häufig etwa 1.000 bis 3.000 Euro pro Auge verlangt. Bei einer beidseitigen Operation können somit mehrere Tausend Euro anfallen.
Die Preise hängen unter anderem von der eingesetzten Technologie, dem medizinischen Aufwand und den enthaltenen Vor- und Nachuntersuchungen ab. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen rein refraktive Eingriffe zur Beseitigung einer üblichen Fehlsichtigkeit normalerweise nicht. Bei medizinisch begründeten Sonderfällen können andere Regeln gelten.
Für Kliniken entsteht dadurch ein Markt, in dem Patienten häufig zugleich medizinische Leistungsempfänger und Selbstzahler sind. Die Anbieter konkurrieren nicht nur über technische Ausstattung und Behandlungsergebnisse, sondern auch über Preise, Serviceleistungen und den versprochenen Komfort eines weitgehend brillenfreien Alltags.
Daher kommt der medizinischen Aufklärung eine besondere Bedeutung zu.
Ein erfolgreicher Eingriff kann die Lebensqualität erheblich verbessern. Doch der Wunsch nach einem Leben ohne Sehhilfe rechtfertigt nicht jede Operation. Eine sorgfältige Patientenauswahl kann wirtschaftlich sogar bedeuten, einen zahlungsbereiten Interessenten von der Behandlung auszuschließen.
Medizinischer Fortschritt braucht realistische Erwartungen
Die Augenlaserchirurgie hat in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte erzielt. Millionen erfolgreich behandelter Augen und hohe Zufriedenheitswerte belegen, welchen Nutzen die Technologie bieten kann.
Der Fall Pietro Lombardi ist kein Nachweis dafür, dass Augenlaseroperationen grundsätzlich gefährlich wären. Noch steht nicht einmal fest, ob seine aktuellen Beschwerden mit dem damaligen Eingriff zusammenhängen.
Er macht jedoch auf eine wichtige Grenze aufmerksam: Ein technisch erfolgreicher Eingriff bedeutet nicht, dass das behandelte Auge künftig vor Erkrankungen oder Veränderungen geschützt ist.
Wie sich die öffentliche Diskussion um Pietro Lombardis Sehprobleme weiterentwickelt, dürfte deshalb auch für die Branche von Interesse sein. Solange die medizinischen Ursachen ungeklärt sind, könnte die Verunsicherung potenzieller Patienten anhalten.
Ob sich daraus tatsächlich ein Rückgang der Nachfrage und schließlich messbare Umsatzeinbußen ergeben, wird sich erst anhand entsprechender Marktdaten beurteilen lassen.