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Tesla-Roadster hebt ab – aber erst 2028

Elon Musk lässt seinen neuen Elektrosportwagen mit SpaceX-Technik durch die Luft fliegen. Doch zwischen spektakulärer Vorführung und Serienproduktion liegen noch mindestens zwei Jahre

7 Min.

16.10.2026

Neun Jahre nach der ersten Ankündigung präsentiert Tesla seinen Roadster mit Kaltgasdüsen. Die Leistung beeindruckt.

Von Stefanie S. Klief


Ein Elektroauto fährt kopfüber über eine Rampe, hebt ab, dreht sich in der Luft und landet wieder auf seinen Rädern. Mit dieser Demonstration hat Tesla seinen seit Jahren angekündigten Roadster zurück auf die Bühne gebracht. Der gemeinsam mit SpaceX entwickelte Sportwagen soll Beschleunigungswerte erreichen, die bisher selbst für Supersportwagen außergewöhnlich wären. Doch die spektakuläre Präsentation wirft auch wirtschaftliche Fragen auf: Wann wird aus dem Prototyp ein Serienfahrzeug, was wird es kosten – und welchen Nutzen hat Tesla von einem Auto, das vor allem Aufmerksamkeit erzeugt?

Ein Tesla, der tatsächlich abhebt

Elon Musk hat am Donnerstagabend auf einem Testgelände seines Raumfahrtunternehmens SpaceX im texanischen McGregor die neue Generation des Tesla Roadster vorgestellt. Die Präsentation zeigte kein gewöhnliches Elektroauto, sondern eine Konstruktion, die Eigenschaften eines Sportwagens mit Technologien aus der Raumfahrt verbindet.

Der weiße Prototyp fuhr zunächst eine stark gekrümmte Rampe hinauf und bewegte sich zeitweise kopfüber. Ein Ansaugsystem unter dem Fahrzeug sorgte für die dafür notwendige Haftung. Anschließend hob der Roadster ab, vollführte eine Drehung in der Luft und landete wieder auf seinen Rädern.

Bei einer weiteren Vorführung übersprang das Fahrzeug mehrere nebeneinander aufgestellte Tesla-Modelle.

Möglich machten die Manöver unter anderem Kaltgasdüsen, die gemeinsam mit Ingenieuren von SpaceX entwickelt wurden. Anders als herkömmliche Raketenantriebe arbeiten solche Düsen ohne die Verbrennung von Treibstoff. Sie erzeugen Schub durch ausgestoßenes, unter hohem Druck gespeichertes Gas. 

Die Demonstration fand unter kontrollierten Bedingungen statt. Ob vergleichbare Flugmanöver später auf öffentlichen Straßen überhaupt zulässig sein werden, ist bislang nicht geklärt.

Von null auf knapp 100 km/h in weniger als einer Sekunde

Auch auf dem Boden will Tesla neue Maßstäbe setzen.

Nach Angaben des Unternehmens beschleunigte der Roadster bei der Präsentation in weniger als einer Sekunde von null auf 60 Meilen pro Stunde, umgerechnet knapp 97 Kilometer pro Stunde. Bei der Vorführung wurde eine Zeit von rund 0,81 Sekunden genannt.

Die angekündigte Höchstgeschwindigkeit liegt bei mehr als 230 Meilen pro Stunde, also über 370 Kilometern pro Stunde. Die Reichweite soll mehr als 300 Meilen beziehungsweise rund 480 Kilometer betragen.

Unabhängig überprüfte Leistungsdaten eines serienreifen Fahrzeugs liegen allerdings noch nicht vor. Tesla plant drei unterschiedliche Ausführungen. Die Variante Performance ist als zweisitziger, straßentauglicher Sportwagen vorgesehen. Die Version Thrust soll zusätzliche Kaltgasdüsen für besonders hohe Beschleunigungswerte erhalten.

Die aufwendigste Ausführung trägt den Namen Rocket. Sie verfügt nach bisherigen Angaben über zehn Kaltgasdüsen und einen vollwertigen Antrieb für kurze Flugmanöver. Anders als die beiden anderen Varianten ist sie nur als Einsitzer geplant.

Diese besonders extreme Version soll ausschließlich auf Einladung erhältlich sein. Ihre allgemeine Straßenzulassung ist offen.

Ein Auto, auf das Kunden seit 2017 warten

So eindrucksvoll die neue Vorstellung ausfiel, so lang ist die Vorgeschichte.

Bereits im November 2017 hatte Tesla die zweite Generation seines Roadster angekündigt. Damals stellte Musk den Produktionsbeginn für 2020 in Aussicht.

Der Termin wurde mehrfach verschoben. Zwischenzeitlich beschäftigte sich Tesla mit dem Ausbau der Model-3-Produktion, dem Model Y, dem Cybertruck und dem Aufbau neuer Geschäftsfelder. Aus dem ursprünglich angekündigten Sportwagen wurde ein Entwicklungsprojekt, dessen tatsächliche Markteinführung immer weiter in die Zukunft rückte.

Nun soll die Produktion im Jahr 2028 beginnen. Bis dahin wären seit der ersten Präsentation elf Jahre vergangen. Der neue Termin ist allerdings weiterhin eine Unternehmensankündigung. Einen verbindlichen Auslieferungszeitplan gibt es noch nicht.

Auch die jetzt gezeigten Flugmanöver bedeuten nicht, dass sämtliche technischen und regulatorischen Voraussetzungen für eine Serienproduktion bereits erfüllt wären.

Hohe Reservierungszahlungen, aber noch kein Verkaufspreis

Nach der Präsentation verlangte Tesla für die Performance-Version eine Reservierungszahlung von 50.000 US-Dollar. Für die Thrust-Ausführung waren es 250.000 US-Dollar.

Dabei handelt es sich ausdrücklich um Reservierungsbeträge, nicht um bestätigte Kaufpreise.

Wie teuer der Roadster bei einer späteren Auslieferung tatsächlich sein wird, teilte Tesla nicht mit. Auch die endgültigen Vertragsbedingungen und die Verfügbarkeit der einzelnen Ausführungen sind für Interessenten entscheidend.

Die hohen Beträge unterstreichen den exklusiven Anspruch des Projekts. Zugleich stellen sie die Frage, wie viel Vertrauen Kunden einem Fahrzeug entgegenbringen, dessen Markteinführung über Jahre verschoben wurde.

Schon bei der ursprünglichen Ankündigung 2017 konnten Interessenten Reservierungen vornehmen. Für Tesla sind solche Vorauszahlungen allerdings nicht mit gewöhnlichen Fahrzeugumsätzen gleichzusetzen. Ein reserviertes Auto ist noch kein ausgeliefertes und bilanziell als Verkauf erfasstes Fahrzeug.

Warum Tesla den Roadster wirtschaftlich trotzdem braucht

Der neue Roadster wird voraussichtlich kein Fahrzeug für den Massenmarkt. Sein strategischer Wert liegt vielmehr darin, technische Leistungsfähigkeit zu demonstrieren und die Marke wieder stärker mit außergewöhnlichen Innovationen zu verbinden.

In der Automobilindustrie werden solche Modelle als Halo Cars bezeichnet. Sie sollen weniger hohe Stückzahlen erzielen als vielmehr das Ansehen des gesamten Herstellers stärken. Darin liegt eine Besonderheit des Tesla-Projekts.

Während das Unternehmen zuletzt zunehmend autonomes Fahren, künstliche Intelligenz und humanoide Roboter in den Mittelpunkt seiner Zukunftsstrategie rückte, steht der Roadster noch einmal für das klassische Versprechen eines außergewöhnlich leistungsfähigen Elektroautos.

Musk selbst hatte die finanzielle Bedeutung des Fahrzeugs bereits früher relativiert. Für die großen Umsatz- und Gewinnziele des Konzerns ist der Roadster demnach kein entscheidendes Produkt.

Analysten betrachten die neue Präsentation deshalb vor allem als Prestigeprojekt, das Teslas Innovationsimage stärken soll.

Der Zeitpunkt ist dennoch wichtig. Im dritten Quartal 2026 lieferte Tesla nach eigenen Angaben 486.532 Fahrzeuge aus. Die vollständigen Quartalszahlen will das Unternehmen am 21. Oktober veröffentlichen.

Für Anleger werden dabei insbesondere Profitabilität, Mittelzuflüsse und die Entwicklung des Kerngeschäfts eine größere Rolle spielen als die angekündigten Leistungswerte eines Sportwagens.

SpaceX und Tesla rücken technisch näher zusammen

Die Zusammenarbeit mit SpaceX verleiht dem Roadster zusätzliche Aufmerksamkeit.

Beide Unternehmen werden von Musk geführt, arbeiten aber in unterschiedlichen Märkten. Tesla entwickelt Elektrofahrzeuge, Energiespeicher und autonome Systeme. SpaceX konzentriert sich auf Raketen, Raumfahrt und satellitengestützte Kommunikation.

Der Roadster zeigt, dass sich Technologien und Entwicklungsansätze aus beiden Bereichen miteinander kombinieren lassen.

Die Kaltgasdüsen dienen dabei nicht dem Antrieb im gewöhnlichen Straßenverkehr, sondern erweitern die Möglichkeiten des Fahrzeugs bei Beschleunigung und besonderen Fahrmanövern. Ob sich daraus langfristig weitere kommerzielle Anwendungen ergeben, lässt sich derzeit nicht beurteilen.

Auch Spekulationen über einen möglichen engeren organisatorischen Zusammenschluss von Tesla und SpaceX bleiben von der konkreten Roadster-Vorstellung zu unterscheiden. Die technische Kooperation allein begründet noch keine Unternehmensfusion.

Zwischen technischer Demonstration und Serienrealität

Der Tesla Roadster ist damit ein ungewöhnliches Projekt: Ein Auto, dessen wichtigste Funktion möglicherweise gar nicht darin besteht, möglichst viele Käufer zu finden.

Seine Aufgabe ist es zunächst, die Aufmerksamkeit auf Teslas technische Möglichkeiten zu lenken.

Die Vorführung zeigt, dass die Ingenieure tatsächlich ein Fahrzeug entwickelt haben, das kurzzeitig abheben und kontrollierte Flugmanöver ausführen kann. Das ist mehr als eine bloße Computeranimation oder ein theoretisches Konzept.

Gleichzeitig ist der Abstand zwischen einem funktionsfähigen Prototyp und einem sicheren, zulassungsfähigen sowie wirtschaftlich produzierbaren Serienfahrzeug erheblich. Ob Tesla den angekündigten Produktionsbeginn 2028 einhalten wird, bleibt deshalb eine der wichtigsten offenen Fragen.

Der Roadster hat seine Fähigkeit zum Abheben demonstriert. Jetzt muss Tesla zeigen, dass daraus auch ein lieferbares Produkt werden kann.

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