Der Vorstandsvorsitzende von JPMorgan Chase, Jamie Dimon, hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos deutliche Kritik an zentralen Elementen der aktuellen US-Wirtschaftspolitik geäußert. In einem Interview mit der Chefredakteurin des Economist widersprach Dimon unter anderem Zolldrohungen, politischen Eingriffen in die Unabhängigkeit der US-Notenbank sowie populistischen Vorschlägen zur Regulierung des Kreditmarktes. Zugleich warnte er vor einer gefährlichen Kettenreaktion aus sinkendem Vertrauen in den US-Dollar, Kapitalabflüssen, steigenden Zinsen und wachsenden Refinanzierungsproblemen für die Staatsfinanzen.
Dimon unterstrich zudem die geopolitische Bedeutung einer engen Partnerschaft mit Europa und der Nato. Ein starkes Europa sei für die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Stabilität der Vereinigten Staaten essenziell. Abschottung und wirtschaftlicher Nationalismus seien aus seiner Sicht keine tragfähigen Strategien für die größten Volkswirtschaften der Welt.
Mit Blick auf künstliche Intelligenz verglich Dimon deren Bedeutung mit der Einführung der Elektrizität oder des Internets, warnte jedoch vor dem Tempo der Entwicklung. Er bestätigte, dass JPMorgan in den kommenden fünf Jahren mit weniger Beschäftigten auskommen werde. Als Beispiel nannte er die rund zwei Millionen Lkw-Fahrer in den USA, deren Arbeitsplätze durch autonomes Fahren bedroht seien. Erfolgt der technologische Wandel zu schnell und ohne politische Abfederung, drohten soziale Unruhen, so Dimon.
In der US-Innenpolitik sprach sich der Bankchef für eine leistungsorientierte Einwanderung aus. Er zeigte Verständnis für das Ziel, die Grenzen zu kontrollieren, kritisierte jedoch die Umsetzung und forderte legale Zuwanderungswege für Arbeitskräfte, etwa im Gesundheitswesen oder in der Landwirtschaft.
Besonders scharf fiel Dimons Kritik an dem Vorschlag aus dem Umfeld von Donald Trump aus, Kreditkartenzinsen auf zehn Prozent zu deckeln. Dies würde zu einer »wirtschaftlichen Katastrophe« führen, da Banken das Ausfallrisiko bei diesen Konditionen nicht mehr tragen könnten. In der Folge würden laut Dimon rund achtzig Prozent der US-Bevölkerung vom Zugang zu Krediten abgeschnitten. Betroffen wären nicht die Banken, sondern Millionen Konsumenten, der Einzelhandel, Restaurants und Kommunen, da Rechnungen und laufende Ausgaben nicht mehr bedient werden könnten.
Zum Abschluss des Gesprächs wurde Dimon gefragt, ob es in den Vereinigten Staaten ein Klima der Angst gebe, Donald Trump öffentlich zu kritisieren. Seine Antwort fiel knapp aus: »Ich denke, das ist völlig klar.«
SK