Wirtschaft

EU verhängt Rekordstrafe gegen Temu

Die EU greift gegen Temu durch. Wegen unzureichender Risikoprüfung illegaler Produkte muss der Online-Marktplatz 200 Millionen Euro Strafe zahlen. 

4 Min.

29.05.2026

Die EU verschärft ihr Vorgehen gegen große Online-Plattformen. Die Europäische Kommission hat eine Strafe von 200 Millionen Euro gegen den chinesischen Online-Marktplatz Temu verhängt. Nach Auffassung der Behörde hat das Unternehmen gegen den Digital Services Act verstoßen, weil es Risiken durch illegale Produkte auf seiner Plattform nicht ausreichend identifiziert, analysiert und bewertet habe.

Damit handelt es sich um die bislang höchste Strafe unter dem Digital Services Act. Das EU-Gesetz verpflichtet sehr große Online-Plattformen dazu, systemische Risiken zu prüfen und zu begrenzen. Dazu zählen auch Gefahren durch illegale, unsichere oder nicht konforme Produkte, die Verbrauchern in der Europäischen Union angeboten werden.

Gefährliche Produkte im Fokus

Im Zentrum der Vorwürfe stehen unter anderem gefährliches Babyspielzeug, unsichere Ladegeräte, Kleidung mit problematischen Chemikalien und Schmuck mit Schadstoffbelastung. Nach Angaben der EU-Kommission habe Temu seine Risikobewertung zu allgemein gehalten und nicht ausreichend auf konkrete Gefahren auf der eigenen Plattform bezogen.

Die Untersuchung dauerte nahezu zwei Jahre. Dabei spielten auch Testkäufe und Beschwerden von Verbraucherschutzorganisationen eine Rolle. Die Kommission sieht besonders kritisch, dass bei Temu ein hohes Risiko für Verbraucher bestehe, mit illegalen oder gefährlichen Produkten in Kontakt zu kommen.

Temu weist Vorwürfe zurück

Temu widerspricht der Entscheidung. Das Unternehmen hält die Strafe für unverhältnismäßig und verweist darauf, seine Kontrollsysteme und Risikobewertungen verbessert zu haben. Zugleich muss der Online-Marktplatz der EU nun darlegen, wie er Verstöße künftig verhindern will.

Sollte Temu keinen ausreichenden Maßnahmenplan vorlegen, könnten weitere Strafen folgen. Die Kommission untersucht zudem weitere mögliche Verstöße, unter anderem im Zusammenhang mit Empfehlungssystemen, Datenzugang für Forscher und Transparenzpflichten.

Ein Signal an die Plattformökonomie

Der Fall geht weit über Temu hinaus. Die EU macht deutlich, dass sie große Plattformen nicht mehr nur als Vermittler betrachtet, sondern stärker für Risiken auf ihren Marktplätzen verantwortlich macht. Gerade Plattformen mit extrem niedrigen Preisen, hoher Artikelzahl und international verzweigten Lieferketten geraten damit stärker unter Druck.

Für den europäischen Handel ist das ein wichtiger Punkt. Temu, Shein und AliExpress haben in kurzer Zeit enorme Reichweite aufgebaut und setzen klassische Händler mit aggressiven Preisen unter Druck. Gleichzeitig wächst die Kritik an Produktqualität, Verbraucherschutz, Zollfragen und Wettbewerbsbedingungen.

DSA wird zum scharfen Instrument

Der Digital Services Act entwickelt sich damit zunehmend zu einem zentralen Regulierungsinstrument der EU. Er soll nicht nur Hassrede, Desinformation oder illegale Inhalte auf Plattformen eindämmen, sondern auch den Onlinehandel stärker kontrollieren. Für große Marktplätze bedeutet das: Sie müssen Risiken systematisch prüfen, dokumentieren und wirksam begrenzen.

Genau daran sieht die Kommission bei Temu erhebliche Mängel. Die Botschaft aus Brüssel ist klar: Wer in Europa Millionen Kunden erreicht, muss europäische Regeln einhalten – unabhängig davon, wo das Unternehmen seinen Sitz hat.

Druck auf Billigplattformen steigt

Für Verbraucher könnte die Entscheidung langfristig mehr Schutz bringen. Für Plattformen bedeutet sie höhere Compliance-Kosten und strengere Kontrollpflichten. Besonders Geschäftsmodelle, die auf Masse, extrem niedrige Preise und schnelle Direktimporte setzen, geraten dadurch stärker unter regulatorische Beobachtung.

Die Rekordstrafe gegen Temu ist deshalb mehr als ein einzelnes Verfahren. Sie zeigt, dass die EU den digitalen Binnenmarkt härter durchsetzen will. Der Onlinehandel bleibt offen – aber nicht regelarm.

SK

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