Die Europäische Union bezieht weiterhin erhebliche Mengen Flüssigerdgas (LNG) aus Russland, obwohl seit Beginn des Ukrainekriegs umfangreiche Sanktionen gegen Moskau gelten. Im Jahr 2025 importierten EU-Staaten russisches LNG im Wert von rund 7,4 Milliarden Euro, nur geringfügig weniger als im Jahr zuvor. Die Lieferungen erfolgen vor allem per Schiff und bleiben ein wichtiger Bestandteil der europäischen Gasversorgung.
Russisches LNG machte damit etwa 16 Prozent der gesamten europäischen LNG-Importe aus, die insgesamt rund 46 Milliarden Euro betrugen. Größter Lieferant blieb zwar die USA, doch Russland gehört weiterhin zu den bedeutenden Gasexporteuren für Europa.
Der fortgesetzte Import erklärt sich vor allem durch bestehende Abhängigkeiten einzelner Mitgliedstaaten und langfristige Lieferverträge. Anders als bei Öl und Kohle verhängte die EU bislang kein vollständiges Gasembargo, um Versorgungssicherheit und Preisstabilität zu gewährleisten. Gas gelangt daher weiterhin sowohl als LNG per Tanker als auch über verbliebene Pipelineverbindungen nach Europa.
Politisch ist jedoch ein vollständiger Ausstieg beschlossen. Eine neue EU-Verordnung sieht vor, russische Gasimporte schrittweise zu reduzieren und spätestens ab November 2027 vollständig zu untersagen. Bis dahin sollen alternative Lieferquellen ausgebaut und die Energieversorgung diversifiziert werden.
Die fortgesetzten Gaslieferungen zeigen die strukturelle Spannung zwischen geopolitischen Zielen und wirtschaftlichen Realitäten. Einerseits sollen Sanktionen Russland finanziell schwächen, andererseits bleibt Europa kurzfristig auf Energieimporte angewiesen. Beobachter sehen darin ein Beispiel für die langfristige Herausforderung, Energieversorgung, Klimapolitik und Sicherheitsinteressen gleichzeitig in Einklang zu bringen.
SK
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