Wirtschaft

Bundesregierung lockert Effizienzregeln für Rechenzentren

Weniger strenge Vorgaben sollen Investitionen erleichtern, könnten aber Stromverbrauch und Abwärmeverluste erhöhen

4 Min.

24.06.2026

Deutschland braucht neue Rechenzentren für KI, Cloud-Dienste und die Digitalisierung der Wirtschaft. Die Bundesregierung will Betreiber deshalb von mehreren Energie- und Berichtspflichten entlasten. Umweltverbände warnen jedoch, dass dadurch Stromverbrauch und Energiekosten weiter steigen könnten.
 

Die Bundesregierung will die Vorgaben für Rechenzentren im Energieeffizienzgesetz teilweise lockern. Der Gesetzentwurf soll Investitionen erleichtern, Bürokratie reduzieren und Deutschland als Standort für digitale Infrastruktur attraktiver machen.

Hintergrund ist der stark wachsende Bedarf an Rechenleistung. Bis 2030 soll sich die IT-Anschlussleistung deutscher Rechenzentren gegenüber 2025 mindestens verdoppeln. Für Hochleistungsrechner und künstliche Intelligenz strebt die Bundesregierung sogar eine Vervierfachung an.

Effizienz wird am PUE-Wert gemessen

Eine zentrale Kennzahl ist die sogenannte Power Usage Effectiveness, kurz PUE. Sie setzt den gesamten Stromverbrauch eines Rechenzentrums ins Verhältnis zur Energie, die tatsächlich bei Servern, Speichern und Netzwerktechnik ankommt.

Ein Wert von 1,0 wäre theoretisch ideal. Bei einem PUE von 1,2 werden für jede Kilowattstunde, die die IT verbraucht, weitere 0,2 Kilowattstunden unter anderem für Kühlung, Stromversorgung und Gebäudetechnik benötigt.

Das geltende Gesetz schreibt für neue Rechenzentren, die ab dem 1. Juli 2026 in Betrieb gehen, einen PUE-Wert von höchstens 1,2 vor. In den bisherigen Entwürfen war zeitweise eine Anhebung auf 1,3 vorgesehen. Über die konkrete Ausgestaltung bestand innerhalb der Bundesregierung zuletzt jedoch Uneinigkeit.

Für bestehende Anlagen waren ebenfalls höhere Grenzwerte im Gespräch: ab 2027 ein PUE von 1,6 statt 1,5 und ab 2030 ein Wert von 1,4 statt 1,3.

Mehr Ausnahmen bei der Abwärme

Gelockert werden sollen auch die Vorgaben zur Nutzung der entstehenden Wärme. Neue Rechenzentren müssen bislang einen festgelegten Teil ihrer Abwärme für Gebäude, Industrieanlagen oder Wärmenetze nutzbar machen.

Künftig könnte diese Pflicht entfallen, wenn sich im Umkreis von fünf Kilometern keine technisch und wirtschaftlich zumutbare Anschlussmöglichkeit an ein bestehendes oder geplantes Wärmenetz befindet. Auch intern genutzte Wärme soll stärker angerechnet werden können.

Zudem soll es teilweise genügen, einem Wärmenetzbetreiber die Abwärme anzubieten und auf dem Grundstück eine Fläche für die notwendige Technik freizuhalten. Betreiber müssten dann nicht mehr in jedem Fall selbst die vollständige Infrastruktur zur Wärmeauskopplung errichten.

Weniger Transparenz über den Verbrauch

Auch die Veröffentlichungspflichten könnten abgeschwächt werden. Verbrauchs- und Effizienzdaten müssten möglicherweise nicht offengelegt werden, wenn Betreiber sie als Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse einstufen können.

Umweltorganisationen kritisieren, dass damit gerade bei besonders energieintensiven Anlagen weniger nachvollziehbar wäre, wie viel Strom und Wasser sie tatsächlich verbrauchen. Zudem könnte unklar bleiben, wie effizient einzelne Standorte arbeiten und in welchem Umfang ihre Abwärme genutzt wird.

KI-Ausbau verschärft den Zielkonflikt

Die Rechenzentrumsbranche begrüßt grundsätzlich weniger Bürokratie, hält einige der verbleibenden Vorgaben aber weiterhin für zu streng. Betreiber argumentieren, dass niedrige PUE-Werte nicht unter allen Betriebsbedingungen erreichbar seien. Auslastung, Sicherheitsreserven und redundante Systeme beeinflussen die Kennzahl erheblich.

Kritiker sehen dagegen einen wirtschaftlichen Widerspruch. Weniger effiziente Rechenzentren benötigen dauerhaft mehr Strom, erhöhen den Netzausbaubedarf und könnten zusätzliche Kosten auf Kunden und andere Verbraucher verlagern.

Die Bundesregierung steht damit vor einer schwierigen Abwägung: Deutschland benötigt mehr Rechenleistung, um bei KI und Cloud-Technologien wettbewerbsfähig zu bleiben. Werden dafür jedoch Effizienzstandards abgesenkt, könnte ausgerechnet der Ausbau der digitalen Wirtschaft den Energiebedarf deutlich erhöhen.

 

SK

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