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Warum immer weniger Deutsche den Job wechseln wollen

Neue XING-Studie zeigt: Stabilität schlägt Aufstieg und Veränderung

Weniger Wechsel, mehr Sicherheit: Immer weniger Deutsche wollen ihren Job wechseln – trotz guter Chancen am Arbeitsmarkt. Eine neue Studie zeigt warum.

3 Min.

09.04.2026

Die Bereitschaft, den Job zu wechseln, ist in Deutschland deutlich gesunken. Laut der aktuellen forsa-Langzeitstudie im Auftrag des Karrierenetzwerks XING liegt die Wechselbereitschaft 2026 nur noch bei 34 Prozent – der niedrigste Wert seit fünf Jahren und einer der geringsten seit Beginn der Erhebung im Jahr 2012.

Damit setzt sich ein Trend fort, der eng mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage verknüpft ist. Während frühere Jahre von hoher Dynamik am Arbeitsmarkt geprägt waren, zeigt sich nun ein gegenteiliger Effekt: Viele Beschäftigte entscheiden sich bewusst für Stabilität statt Veränderung. Der Rückgang betrifft vor allem jene Gruppe, die grundsätzlich offen für einen Jobwechsel ist, aber bislang keine konkreten Schritte unternimmt.

Konkret planen nur noch 8 Prozent der Beschäftigten aktiv, ihren Arbeitgeber im laufenden Jahr zu wechseln. Weitere 26 Prozent sind zwar grundsätzlich offen für einen Wechsel, verfolgen diesen aber nicht aktiv. Damit verschiebt sich das Verhältnis deutlich hin zu mehr Zurückhaltung – und das trotz eines weiterhin robusten Arbeitsmarktes.

Denn parallel zeigt die Studie ein scheinbar widersprüchliches Bild: Die persönliche Zuversicht bleibt hoch. Rund 63 bis 64 Prozent der Befragten gehen davon aus, innerhalb von sechs Monaten eine neue Stelle finden zu können. Gleichzeitig machen sich nur etwa acht Prozent ernsthafte Sorgen um ihren Arbeitsplatz.

Dieses Spannungsfeld erklärt, warum die sinkende Wechselbereitschaft nicht aus Angst entsteht, sondern aus einem veränderten Prioritätensystem. Beschäftigte fühlen sich individuell sicher, reagieren aber auf die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit mit einem stärkeren Bedürfnis nach Planbarkeit und Stabilität.

Entsprechend verschieben sich auch die Erwartungen an Arbeitgeber. An erster Stelle steht inzwischen Jobsicherheit, gefolgt von einem höheren Gehalt. Faktoren wie Flexibilität, Arbeitsumfeld und Führung bleiben relevant, treten aber hinter das zentrale Bedürfnis nach Verlässlichkeit zurück.

Auffällig ist zudem der Blick in die Zukunft: Rund 40 Prozent der Beschäftigten sehen sich dennoch in weniger als fünf Jahren bei ihrem aktuellen Arbeitgeber. Das deutet darauf hin, dass langfristige Bindung zwar gewünscht ist, aber nicht selbstverständlich geworden ist.

Die Studie macht damit eine Entwicklung sichtbar, die über den aktuellen Arbeitsmarkt hinausweist. Wechselbereitschaft ist keine reine Frage von Angebot und Nachfrage mehr, sondern zunehmend Ausdruck eines grundlegenden Stimmungswandels. In unsicheren Zeiten gewinnt das Bleiben an Wert – selbst in einem Arbeitsmarkt, der weiterhin Chancen bietet.

SK

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