In Frankreich sind nach dem Tod von zwei Säuglingen strafrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit möglicherweise verunreinigter Babymilch eingeleitet worden. Beide Kinder hatten laut französischen Behörden Formulanahrung konsumiert, die zuvor weltweit zurückgerufen worden war, darunter Produkte von Nestlé und anderen Herstellern. Die Ermittlungen laufen in mehreren Regionen, unter anderem in Bordeaux und Angers, und sollen klären, ob ein Zusammenhang zwischen den Todesfällen und der Babymilch besteht.
Die französische Gesundheitsministerin Stéphanie Rist betonte, dass bislang kein kausaler Zusammenhang wissenschaftlich nachgewiesen worden sei und es derzeit keine akute wissenschaftliche Warnlage gebe. Gleichzeitig wurden alle betroffenen Chargen der betroffenen Produkte landesweit aus dem Verkauf genommen. Eltern wurde empfohlen, die staatliche Plattform Rappel Conso zu nutzen, um zu prüfen, ob ihre gekauften Packungen betroffen sind. Bei Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall solle ein Arzt aufgesucht werden, falls das Produkt aus einem zurückgezogenen Los stamme.
Der Ursprung der Krise liegt in einem grossen Rückruf von Babymilchprodukten im Januar 2026. Nestlé hatte Formeln der Marken Guigoz und Nidal zurückgerufen, nachdem in bestimmten Chargen eine mögliche Kontamination mit einer von Bacillus cereus produzierten toxischen Substanz namens cereulide festgestellt worden war. Diese Toxinverbindung kann bei Säuglingen zu schweren Verdauungsproblemen führen. Die Rückrufe betrafen inzwischen rund 60 Länder. Parallel dazu rief der französische Konzern Lactalis in mehreren Staaten Formeln seiner Marke Picot zurück. Auch Danone stoppte vorsorglich bestimmte Chargen aufgrund ähnlicher Bedenken.
Die Justizermittlungen umfassen medizinische und forensische Analysen, um festzustellen, ob die verunreinigten Produkte zu den tragischen Todesfällen beigetragen haben. Nestlé hat in einer Erklärung sein »aufrichtiges Beileid« für die betroffenen Familien ausgesprochen und betont, weiterhin transparent mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Die zuständigen Staatsanwaltschaften erwarten in den kommenden Tagen erste weitere Ergebnisse aus den laufenden Untersuchungen.
Die Krise hat die Diskussion über Lebensmittelsicherheit, Rückrufprozesse und Transparenz der Lieferketten in Europa neu entfacht, besonders im Segment der Säuglingsnahrung, bei dem das Vertrauen der Verbraucher ein zentraler Faktor ist.
SK