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Nordsee-Gipfel in Hamburg stärkt Energieversorgung – Offshore-Wind im Fokus

Europäische Zusammenarbeit für erneuerbare Energie, Netzsicherheit und Infrastruktur

Europäische Staats- und Regierungschefs beschließen auf dem Nordsee-Gipfel in Hamburg gemeinsame Ausbaupläne für Offshore-Wind, Investitionspakte und Schutz kritischer Energie-Infrastruktur.

2 Min.

27.01.2026

Beim dritten Nordsee-Gipfel in Hamburg haben europäische Staats- und Regierungschefs sowie Energieminister weitreichende Vereinbarungen für die Stärkung der Energieversorgung, den Ausbau erneuerbarer Energien und den Schutz kritischer Infrastruktur getroffen. Gastgeber war Bundeskanzler Friedrich Merz; teilgenommen haben Vertreter aus Belgien, Dänemark, den Niederlanden, Norwegen, Luxemburg und Deutschland sowie die Europäische Kommission und erstmals hochrangige Vertreter der NATO. Der Gipfel setzt die Zusammenarbeit der Nordseeanrainerstaaten fort, die seit dem Krieg in der Ukraine intensiviert wird, um die Abhängigkeit von fossilen Importen zu reduzieren und Europas Energie-Sicherheit zu stärken.

Im Zentrum der Beschlüsse steht der offshore-Windenergieausbau, etwa in Form eines gemeinsamen Pakts für 100 Gigawatt (GW) installierter Leistung in der Nordsee. Diese Kapazität reicht, um Strom für mehrere Dutzend Millionen Haushalte zu erzeugen und markiert einen bedeutenden Schritt zur Erreichung gemeinsamer Klima- und Energieziele. Die Teilnehmerstaaten verpflichteten sich, die Windparks grenzüberschreitend zu vernetzen und gemeinsame Netzinfrastrukturen zu schaffen, um Angebot und Nachfrage effizienter zu balancieren und Kosten zu senken.

Ein weiterer zentraler Punkt ist ein Investitionspakt zwischen Nordsee-Anrainerstaaten, Offshore-Windindustrie und Netzbetreibern, der Planungssicherheit über 2030 hinaus schaffen soll. Die Branche verpflichtete sich im Gegenzug, die Stromgestehungskosten bis 2040 um etwa dreißig Prozent zu reduzieren und in neue Produktionskapazitäten sowie Arbeitsplätze zu investieren. Dieses Paket ist darauf ausgelegt, die Energieversorgung Europas resilienzfähiger und unabhängiger zu machen.

Neben der reinen Energieerzeugung stand auch der Schutz kritischer Infrastruktur im Fokus. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wies darauf hin, dass Stromnetze, Pipelines und Unterseekabel zunehmend Ziel hybrider Angriffe sind, weshalb Sicherheitsfragen parallel zu Ausbauprojekten adressiert werden müssen. In diesem Kontext war die Präsenz der NATO in der Debatte bemerkenswert.

Zudem betonten nationale Vertreter, etwa der Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher, dass nicht nur die Energiebranche, sondern auch regionale Wirtschaftsräume profitieren sollen – etwa durch Anbindung der Offshore-Windprojektsteuerung in Hafenstädten oder durch den Ausbau von Wasserstoff-Infrastruktur als Ergänzung zur Stromproduktion.

Trotz der ambitionierten Ziele sehen Experten und Branchenvertreter weiterhin Herausforderungen, etwa bei der Regel- und Flächenplanung, beim Netz­ausbau und bei schneller Umsetzung einzelner Projekte. Der Gipfel in Hamburg wird dennoch als ein strategischer Meilenstein in der europäischen Energiepolitik gewertet, der Europa auf dem Weg zu einer resilienteren, erneuerbaren und geopolitisch unabhängigen Energieversorgung voranbringt.

SK

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