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Deutschland wird zum Vermögensstandort in Europa

Der Wealth Report 2026 zeigt: Die Zahl der Ultrareichen wächst hierzulande deutlich – doch global verschiebt sich das Gewicht weiter in Richtung USA

4 Min.

10.06.2026

Deutschland zählt laut Wealth Report 2026 inzwischen zu den wichtigsten Vermögensstandorten Europas. Mit 38.215 Ultrareichen liegt die Bundesrepublik klar vor Frankreich, Italien, Spanien und der Schweiz. Gleichzeitig zeigt der Report aber auch: Während Europa absolut weiter wächst, gewinnen die USA im globalen Vermögensvergleich noch stärker an Gewicht.
 

Deutschland gewinnt als Vermögensstandort weiter an Bedeutung. Laut Wealth Report 2026 von Knight Frank leben hierzulande inzwischen 38.215 sogenannte Ultra-High-Net-Worth Individuals, also Personen mit einem Nettovermögen von mindestens 30 Millionen US-Dollar. Damit liegt Deutschland in Europa deutlich vor Frankreich mit 21.518, Italien mit 15.433, der Schweiz mit 17.692 und Spanien mit 9.186 Ultrareichen.

Auch im Vergleich zu Großbritannien fällt die deutsche Position auf. Das Vereinigte Königreich kommt dem Report zufolge auf 27.876 Ultrareiche und liegt damit unter dem deutschen Wert. Zugleich erwartet Knight Frank, dass Deutschland bis 2031 stärker wachsen wird als Großbritannien. Für Deutschland prognostiziert der Report einen Anstieg auf 47.004 Ultrareiche.

Damit zeigt sich eine Entwicklung, die auf den ersten Blick überraschen kann. Während in Deutschland häufig über Standortschwäche, hohe Energiekosten, Bürokratie und schwaches Wachstum diskutiert wird, wächst am oberen Ende der Vermögensskala eine Gruppe weiter, die über erhebliche private Kapitalreserven verfügt.

Deutschland bleibt für Vermögen attraktiv

Die Zahlen machen deutlich, dass wirtschaftliche Schwäche und private Vermögensbildung nicht automatisch parallel verlaufen. Deutschland verliert zwar in manchen Bereichen industrielle Dynamik, bleibt aber ein Land mit großer Substanz: Unternehmensvermögen, Immobilien, Beteiligungen, Familienunternehmen und langfristig aufgebaute Kapitalstrukturen prägen weiterhin die Vermögenslandschaft.

Gerade mittelständische und familiengeführte Unternehmen spielen dabei eine wichtige Rolle. Viele große Vermögen in Deutschland entstehen nicht durch kurzfristige Börsenspekulation, sondern durch Unternehmensbesitz, Beteiligungen und über Generationen aufgebaute Strukturen. Das unterscheidet den deutschen Vermögensstandort von Märkten, in denen neue Vermögen stärker durch Tech-Börsengänge, Venture Capital oder Finanzmärkte entstehen.

Gleichzeitig bleibt Deutschland für vermögende Familien ein vergleichsweise stabiler Standort. Rechtssicherheit, Infrastruktur, ein großer Binnenmarkt und die Nähe zu europäischen Wirtschaftszentren sind weiterhin starke Faktoren. Auch wenn die öffentliche Debatte oft von Krisen geprägt ist, zeigt der Wealth Report damit eine andere Seite der deutschen Wirtschaftsrealität.

Europa wächst, verliert aber Gewicht

Der Blick auf Deutschland allein erzählt jedoch nicht die ganze Geschichte. Global verschieben sich die Vermögensgewichte deutlich. Nordamerika soll seinen Anteil an den weltweiten Ultrareichen laut Knight Frank von 37 Prozent im Jahr 2026 auf 42,6 Prozent im Jahr 2031 erhöhen. Europa dagegen dürfte im gleichen Zeitraum von 25,8 Prozent auf 22,7 Prozent zurückfallen.

Das bedeutet nicht, dass Europa ärmer wird. Im Gegenteil: Auch in Europa wächst die Zahl sehr vermögender Menschen weiter. Doch andere Regionen wachsen schneller, allen voran die USA. Genau darin liegt die politische und wirtschaftliche Brisanz dieser Entwicklung.

Denn Vermögen ist längst mehr als privater Reichtum. Große private Kapitalbestände entscheiden darüber, wo investiert wird, welche Unternehmen wachsen, welche Technologien finanziert werden und welche Standorte international an Einfluss gewinnen. Wenn Nordamerika seinen Anteil an den globalen Ultrareichen weiter ausbaut, stärkt das auch die dortigen Kapitalmärkte, Innovationszentren und Immobilienmärkte.

Die USA ziehen noch stärker Kapital an

Die USA profitieren dabei von mehreren Faktoren zugleich: tiefen Kapitalmärkten, einem starken Technologiesektor, hoher unternehmerischer Dynamik und einer Kultur, in der große Vermögen oft schneller entstehen und offensiver investiert werden. Gerade im Bereich Künstliche Intelligenz, digitale Infrastruktur, Private Equity und Venture Capital zeigt sich, wie stark Kapital und technologische Macht miteinander verbunden sind.

Europa steht dagegen vor einem strukturellen Problem. Der Kontinent verfügt über viele Vermögen, starke Unternehmen und einen großen Binnenmarkt, mobilisiert Kapital aber oft langsamer. Investitionen bleiben stärker national fragmentiert, Kapitalmärkte sind weniger tief, und politische Entscheidungen brauchen länger.

Damit entsteht ein wachsender Abstand. Deutschland kann innerhalb Europas an Bedeutung gewinnen und zugleich Teil einer Region sein, die global relativ an Gewicht verliert. Genau dieser doppelte Befund macht den Wealth Report so interessant.

 

SK

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