Ein Vorschlag aus dem Wirtschaftsflügel der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) sorgt derzeit für erhebliche politische Kontroversen: Von einigen CDU-Abgeordneten wird gefordert, den bisherigen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit für alle Beschäftigten abzuschaffen und künftig nur noch bei bestimmten Gründen wie Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder beruflicher Weiterbildung zu gewähren. Der entsprechende Antrag mit dem Titel »Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit« soll auf dem CDU-Bundesparteitag Ende Februar 2026 zur Abstimmung stehen.
CDU-Politiker begründen die Initiative mit dem anhaltenden Fachkräftemangel in Deutschland und der Auffassung, dass viele Menschen im Land »mehr arbeiten sollten, wenn sie dazu in der Lage sind«. Laut dem Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) würde der Anspruch auf Teilzeitarbeit nur in begründeten sozialen Fällen gelten, während freiwillige Teilzeit aus persönlichen Lebensgestaltungsgründen künftig ohne staatlichen Schutz bliebe. Zudem soll die Nutzung bestimmter Sozialleistungen wie Grundsicherung oder Wohngeld an einen Vollzeit-Vorbehalt geknüpft werden.
Der Vorstoß hat nicht nur breite Kritik aus der Opposition ausgelöst, sondern stößt auch innerhalb der eigenen Partei auf Widerstand. Der soziale Flügel der CDU hebt hervor, dass bisherige Parteipositionen auf Wahlfreiheit und Flexibilität im Arbeitsleben gesetzt hätten. Kritiker betonen, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Teilzeit nicht aus Lifestyle-Gründen, sondern aufgrund von familiären oder gesundheitlichen Herausforderungen wählen und ein genereller Wegfall des Anspruchs ihre Lebensplanung unnötig erschwere.
Auch der Koalitionspartner SPD und andere oppositionelle Parteien wenden sich gegen die Pläne. Sie verweisen darauf, dass Deutschland bereits eine der höchsten Teilzeitquoten in Europa aufweist und dass der Arbeitsmarkt durch fehlende Betreuungs- und Pflegeinfrastruktur begrenzte Vollzeittätigkeiten erzwinge, statt freien Willen zu reflektieren. Vertreter der SPD betonen, dass die Einschränkung des Rechts auf Teilzeit nicht zur Lösung des Fachkräftemangels beitrage, sondern vielmehr eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf erforderlich mache.
Die Debatte über die Rolle der Teilzeitarbeit in Deutschland läuft damit auf ein zentrales gesellschaftspolitisches Thema hinaus: Arbeitsflexibilität und Lebensgestaltung versus Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik. Ob der CDU-Antrag auf dem Parteitag eine Mehrheit findet oder im innerparteilichen Widerspruch versinkt, dürfte ein Indikator für die zukünftige Arbeitsmarktpolitik der Regierungsparteien sein.
SK