Nachrichten

Clinton und Trump auf einer Linie?

Ihr Lob für den Gaza-Plan war schon überraschend – nun gerät Trumps »Board of Peace« wegen Immunitätsregeln und Machtfülle unter Druck

4 Min.

30.06.2026

Bei einem Auftritt im Kulturzentrum 92NY in New York sagte Hillary Clinton im Gespräch mit »New Yorker«-Chefredakteur David Remnick am 19. Juni etwas, das sofort verfing: Sie lobte Donald Trumps Gaza-Plan als derzeit einzige realistische Option. Der Clip dazu ging viral.

Ausgerechnet Hillary Clinton hat Donald Trump für seinen Gaza-Plan gelobt. Die frühere Außenministerin, demokratische Präsidentschaftskandidatin und langjährige politische Erzgegnerin Trumps verteidigte das Konzept vor knapp zwei Wochen als derzeit realistischsten Weg zu Sicherheit, Wiederaufbau und möglicher palästinensischer Selbstbestimmung.

Schon damals war die Aussage bemerkenswert. Clinton und Trump stehen wie kaum zwei andere Figuren für die politische Spaltung der USA. Dass ausgerechnet sie dem Präsidenten in einer der explosivsten außenpolitischen Fragen Unterstützung signalisiert, war deshalb mehr als eine Randnotiz.

Jetzt bekommt ihr Lob neue Brisanz. Denn während Clinton den Plan als pragmatische Option verteidigte, werfen neue Berichte über Trumps Gaza-Modell schwierige Fragen auf: Wer kontrolliert den Wiederaufbau? Wie viel Macht bekommt das sogenannte »Board of Peace«? Und welche Rechte bleiben den Palästinensern selbst?

Lob aus Pragmatismus, nicht aus Nähe

Clintons Argument war kein politischer Seitenwechsel. Sie lobte Trump nicht aus Sympathie, sondern aus außenpolitischem Pragmatismus. Ihre Botschaft lautete im Kern: Der Plan sei nicht perfekt, aber derzeit gebe es keine glaubwürdige Alternative.

Damit stellte sie sich gegen eine Haltung, die Trumps Gaza-Konzept zwar ablehnt, aber keinen eigenen umsetzbaren Rahmen anbietet. Clinton warnte sinngemäß vor diplomatischer Lähmung. Wer den Plan blockiere, müsse erklären, wie Wiederaufbau, Sicherheit und politische Ordnung in Gaza sonst organisiert werden sollten.

Gerade diese Logik macht ihre Aussage so heikel. Clinton gibt Trump damit in einem zentralen außenpolitischen Feld Legitimation – ausgerechnet in einer Phase, in der viele Demokraten mit jüngeren Wählern wegen Gaza ohnehin unter Druck stehen.

Das »Board of Peace« gerät unter Druck

Die Aktualität liegt nun in neuen Enthüllungen. Der Guardian berichtet über einen Entwurf, nach dem Trumps »Board of Peace« für Gaza weitreichende rechtliche Immunität für seine Mitglieder, Mitarbeiter, internationale Kräfte und Auftragnehmer beanspruchen könnte. Auch der Zugriff auf öffentliche Güter in Gaza soll demnach in dem Entwurf geregelt sein.

Kritiker warnen, dass daraus eine kaum kontrollierbare Übergangsverwaltung entstehen könnte. Wenn ein internationales Gremium Wiederaufbau, Sicherheit und Verwaltung organisiert, aber gleichzeitig weitgehend vor juristischer Verantwortung geschützt wäre, stellt sich eine Grundfrage: Wer beaufsichtigt die Aufseher?

Genau an diesem Punkt wird Clintons Lob wieder politisch relevant. Denn ihr Pragmatismus setzt voraus, dass Trumps Plan tatsächlich Stabilität schafft. Wenn das Modell aber als Machtkonstruktion ohne ausreichende Kontrolle erscheint, wird aus dem Lob ein Risiko.

Wiederaufbau oder Fremdverwaltung?

Der Streit dreht sich nicht nur um Trump. Er dreht sich um die Zukunft Gazas nach Krieg, Zerstörung und politischem Zusammenbruch. Wiederaufbau braucht Geld, Sicherheit und Verwaltung. Aber er braucht auch Legitimität.

Internationale Experten kritisieren seit Langem, dass Wiederaufbaupläne für die Palästinenser oft an der entscheidenden Frage vorbeigehen: Wer bestimmt politisch über Gaza? Straßen, Häfen, Wohnungen und Industrieprojekte können helfen. Sie ersetzen aber keine glaubwürdige Perspektive auf Selbstverwaltung und Staatlichkeit.

Genau deshalb ist die Clinton-Aussage so umstritten. Ihre Verteidiger sehen darin Realismus: Lieber ein unvollkommener Plan als gar kein Plan. Kritiker sehen darin eine gefährliche Aufwertung eines Modells, das palästinensische Mitsprache zu stark an den Rand drängen könnte.

Ein Lob, das nachwirkt

Clintons Trump-Lob ist deshalb keine bloße Kuriosität aus der US-Politik. Es zeigt, wie groß die Ratlosigkeit in der Gaza-Frage geworden ist. Selbst eine der prominentesten Trump-Gegnerinnen ist bereit, seinen Plan als Arbeitsgrundlage zu akzeptieren, wenn die Alternative diplomatischer Stillstand ist.

Doch genau darin liegt die Brisanz. Wenn der einzige Plan zugleich gefährliche Machtfragen aufwirft, wird Zustimmung zur Wette. Clinton setzt darauf, dass ein schlechter oder unvollkommener Rahmen besser ist als keiner. Kritiker fürchten, dass dieser Rahmen am Ende Fakten schafft, die Gaza nicht befreien, sondern verwalten.

Ausgerechnet Hillary Clinton hat Trump also gelobt. Fast zwei Wochen später zeigt sich: Der Satz war nicht nur überraschend. Er war der Auftakt zu einer deutlich größeren Debatte über Macht, Kontrolle und die Zukunft Gazas.

SK

Nach oben