Börse

SpaceX wächst um 92 Prozent – und die Aktie fällt

Warum Anleger trotz 7,8 Milliarden Dollar Einnahmen vor Musks nächster Wachstumswette zurückschrecken

4 Min.

05.08.2026

SpaceX hat mit seinen ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen die Erwartungen deutlich übertroffen. Der Umsatz wächst, der Verlust schrumpft und Starlink gewinnt Millionen Kunden. Dennoch fiel die Aktie nachbörslich deutlich. Der Grund liegt in einem bekannten Gründerproblem: SpaceX erzielt immer mehr Einnahmen – investiert aber noch schneller.

SpaceX setzte im 2. Quartal 2026 rund 7,81 Milliarden US-Dollar um. Das waren 92 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und deutlich mehr als die von Analysten erwarteten rund 6,9 Milliarden US-Dollar.

Der Nettoverlust sank zugleich von rund 1 Milliarde auf 541 Millionen US-Dollar. Dennoch verlor die Aktie nach Veröffentlichung der Zahlen zunächst mehr als acht Prozent; im vorbörslichen Handel am Mittwoch lag das Minus zeitweise bei neun Prozent. SpaceX ist seit dem 12. Juni unter dem Kürzel SPCX an der Nasdaq notiert.

Starlink trägt das Unternehmen

Der mit Abstand größte Umsatzbringer bleibt die Sparte Connectivity, zu der vor allem der Satelliteninternetdienst Starlink gehört. Sie erzielte im Quartal 4,29 Milliarden US-Dollar.

Das KI-Geschäft rund um xAI, Grok und X steuerte 2,56 Milliarden US-Dollar bei. Mit Raketenstarts und anderen Raumfahrtdienstleistungen setzte SpaceX 962 Millionen US-Dollar um. Alle 3 Bereiche übertrafen die Erwartungen der Analysten.

Starlink ist bislang jedoch der einzige dauerhaft profitable Teil des Konzerns. Seine Einnahmen finanzieren nicht nur die Entwicklung der Großrakete Starship, sondern seit der Zusammenführung mit xAI auch den Aufbau einer gewaltigen KI-Infrastruktur.

Genau diese Konstruktion macht Anleger nervös: Ein funktionierendes Geschäft muss mehrere extrem kapitalintensive Zukunftsprojekte gleichzeitig tragen.

15,8 Milliarden Dollar für KI in 3 Monaten

SpaceX investierte im Quartal insgesamt rund 18,4 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 15,8 Milliarden US-Dollar auf Rechenzentren, Nvidia-Chips und weitere KI-Infrastruktur.

Die Investitionen waren damit mehr als doppelt so hoch wie der gesamte Quartalsumsatz. Auch in den kommenden beiden Quartalen sollen die Ausgaben nach Angaben des Managements auf einem ähnlichen Niveau bleiben. Der freie Cashflow blieb entsprechend deutlich negativ.

Finanzchef Bret Johnsen verteidigte den Kurs. Neue Rechenkapazitäten hätten derzeit eine Amortisationszeit von weniger als einem Jahr. Seit Ende des Quartals seien zusätzliche Cloudverträge über 6,7 Milliarden US-Dollar abgeschlossen worden.

Das würde bedeuten, dass die KI-Infrastruktur ihre weitere Expansion zunehmend selbst finanzieren könnte. Noch ist dieses Versprechen jedoch nicht durch längere Geschäftszahlen belegt. Das KI-Segment schreibt operativ weiterhin Verluste.

Musk verspricht die nächste Größenordnung

Elon Musk erwartet bis Jahresende einen hochgerechneten Jahresumsatz von 100 Milliarden US-Dollar. Langfristig stellt er sogar eine Billion US-Dollar Umsatz in Aussicht.

Die Grundlage dafür sollen Starlink, Cloud- und KI-Dienste, wiederverwendbare Starship-Raketen sowie weitere staatliche und kommerzielle Raumfahrtaufträge bilden. Nachfrage ist vorhanden: SpaceX meldet einen Auftragsbestand von rund 47,5 Milliarden US-Dollar und verfügte zum Quartalsende über etwa 100 Milliarden US-Dollar an Bargeld und Wertpapieren.

Der Konzern besitzt damit erhebliche Reserven. Doch auch 100 Milliarden US-Dollar können bei Quartalsinvestitionen von mehr als 18 Milliarden schnell schrumpfen, wenn die erwarteten Erträge später eintreten als geplant.

Gute Zahlen reichen bei einer extremen Bewertung nicht

Der Börsengang im Juni bewertete SpaceX mit rund zwei Billionen US-Dollar. Seitdem verlor die Aktie zeitweise etwa die Hälfte ihres Höchstwerts und fiel unter den Ausgabepreis von 135 US-Dollar.

Bei einer solchen Bewertung erwarten Anleger nicht bloß Wachstum. Sie erwarten, dass SpaceX mehrere gewaltige Märkte gleichzeitig beherrscht: Satelliteninternet, Raumtransport, Künstliche Intelligenz und möglicherweise später die wirtschaftliche Nutzung von Mond und Mars.

Die Quartalszahlen zeigen, dass der operative Kern funktioniert. Sie zeigen aber noch nicht, dass jedes neue Großprojekt dieselbe wirtschaftliche Stärke entwickeln wird.

Was bleibt

SpaceX hat die Erwartungen übertroffen: Der Umsatz steigt rasant, der Verlust schrumpft und Starlink entwickelt sich zu einer globalen Infrastrukturplattform.

Der Kursrückgang widerspricht diesen Erfolgen nicht. Er zeigt vielmehr, wie hoch die Erwartungen inzwischen liegen.

Für Gründer steckt darin eine klassische Lehre: Ein starkes Kerngeschäft kann neue Ideen finanzieren. Je mehr Zukunftsprojekte gleichzeitig daraus bezahlt werden, desto größer wird jedoch das Risiko, dass auch ein hochprofitabler Bereich irgendwann überfordert wird.

SpaceX muss nun beweisen, dass die Milliardeninvestitionen in KI nicht dauerhaft von Starlink getragen werden müssen. Erst wenn die neuen Rechenzentren tatsächlich selbst Geld verdienen, wird aus Musks Vision ein sich selbst finanzierendes Wachstumssystem.

Bis dahin verkauft SpaceX nicht nur Raketen, Internet und Rechenleistung – sondern vor allem Vertrauen in eine Zukunft, die enorme Vorauszahlungen verlangt.

Stefanie S. Klief

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