Börse

SpaceX vor dem Börsengang: Wie Anleger schon jetzt investieren können

Direkte Aktien gibt es noch nicht – doch Fonds und Beteiligungsvehikel bieten indirekten Zugang zu Musks Raumfahrtkonzern

SpaceX könnte im Juni den größten Börsengang der Geschichte wagen und dabei mit bis zu 2 Billionen US-Dollar bewertet werden. Für Privatanleger ist ein direkter Einstieg vor dem IPO kaum möglich, doch über bestimmte Fonds und Beteiligungsvehikel lässt sich bereits indirekt in das Unternehmen investieren. Der Reiz liegt in Starlink, Raketenstarts, Verteidigung, orbitaler Infrastruktur und Elon Musks großer Mars-Erzählung. Gleichzeitig sind viele dieser Zugänge teuer, intransparent und riskant.

7 Min.

21.05.2026

Der mögliche Börsengang von SpaceX wird an den Kapitalmärkten mit enormer Spannung erwartet. Das von Elon Musk gegründete Raumfahrtunternehmen könnte bereits im Juni 2026 an die Nasdaq gehen und dabei neue Maßstäbe setzen. Nach aktuellen Berichten stehen Bewertungen zwischen 1,75 Billionen und mehr als 2 Billionen US-Dollar im Raum. Damit würde SpaceX auf einen Schlag in die Liga der wertvollsten Unternehmen der Welt aufsteigen.

Für Anleger ist der Reiz offensichtlich. SpaceX verbindet mehrere große Zukunftserzählungen: wiederverwendbare Raketen, kommerzielle Raumfahrt, Satelliteninternet über Starlink, staatliche Aufträge, Verteidigungsanwendungen, Mond- und Marsprogramme sowie perspektivisch Weltrauminfrastruktur für Daten, Kommunikation und Künstliche Intelligenz. Der Konzern ist längst nicht mehr nur ein Raketenbauer. Er wird zunehmend als Plattformunternehmen für den Orbit verstanden.

Der wichtigste wirtschaftliche Treiber ist Starlink. Das Satelliteninternetgeschäft liefert wiederkehrende Umsätze und gilt als zentrale Cashflow-Quelle des Unternehmens. Während Raketenstarts technologisch spektakulär sind, macht Starlink SpaceX für Investoren besonders interessant, weil das Geschäft skalierbar ist und weltweit adressierbare Märkte erschließt. Hinzu kommen direkte Mobilfunkanbindungen, militärische Anwendungen und staatliche Kommunikationsaufträge.

Trotzdem bleibt SpaceX vor dem IPO für normale Privatanleger schwer zugänglich. Direkte Aktien sind nicht frei handelbar. Beteiligungen auf sogenannten Secondary-Plattformen sind meist nur professionellen oder sehr vermögenden Investoren zugänglich und erfordern hohe Mindestanlagesummen. Für kleinere Anleger bleiben daher vor allem indirekte Wege über Fonds, Beteiligungsgesellschaften oder börsennotierte Vehikel, die bereits SpaceX-Anteile halten.

Ein möglicher Zugang sind Fonds mit SpaceX-Beteiligungen. Dazu zählen etwa bestimmte Baron-Fonds, die seit Jahren in SpaceX investiert sind. Der Baron Partners Fund und der Baron First Principles ETF gelten als Beispiele für Vehikel, über die Anleger indirekt an SpaceX beteiligt sein können. Allerdings investieren solche Fonds nicht ausschließlich in SpaceX. Anleger kaufen also immer ein Gesamtportfolio, häufig mit weiteren Wachstumswerten wie Tesla oder anderen Technologieunternehmen.

Ein zweiter Weg führt über börsennotierte Beteiligungsvehikel mit privaten Tech-Unternehmen im Portfolio. Dazu zählt etwa Destiny Tech100, das unter anderem Anteile an SpaceX hält. Solche Produkte versprechen Zugang zu privaten Wachstumsunternehmen, die sonst kaum erreichbar sind. Der Nachteil: Die Börsenkurse solcher Vehikel können deutlich vom inneren Wert der Beteiligungen abweichen. Anleger zahlen also nicht automatisch den fairen SpaceX-Anteil, sondern den Marktpreis des gesamten Konstrukts.

Ein dritter Zugang sind Crossover- oder Venture-Fonds, die börsennotierte und private Unternehmen mischen. Manche dieser Produkte halten neben SpaceX auch Beteiligungen an OpenAI, Anthropic, Databricks, Canva oder anderen privaten Technologieunternehmen. Das kann attraktiv sein, weil Anleger Zugang zu einem privaten Wachstumsuniversum bekommen. Gleichzeitig steigt die Intransparenz: Bewertungen privater Unternehmen werden nicht täglich durch einen liquiden Markt bestimmt, sondern beruhen auf Finanzierungsrunden, internen Schätzungen oder Sekundärtransaktionen.

Genau hier liegt das zentrale Risiko. Wer heute indirekt in SpaceX investiert, kauft nicht nur eine Zukunftschance, sondern auch Bewertungsunsicherheit. SpaceX wird vor dem IPO bereits mit gewaltigen Summen gehandelt. Wenn der Börsengang tatsächlich zu einer Bewertung von 1,75 Billionen oder mehr als 2 Billionen US-Dollar erfolgt, ist ein großer Teil der Zukunftserwartung bereits eingepreist. Anleger müssen sich fragen, wie viel Wachstum nötig ist, um eine solche Bewertung langfristig zu rechtfertigen.

Die Bewertung hängt stark an der Annahme, dass SpaceX nicht nur Marktführer bei Raketenstarts bleibt, sondern mit Starlink, staatlichen Aufträgen, Weltraumlogistik und möglichen neuen Geschäftsmodellen erheblich wächst. Befürworter sehen darin eine einmalige Infrastrukturplattform. Kritiker warnen dagegen, dass die Bewertung stärker auf Elon Musks Vision als auf heute nachprüfbaren Gewinnen beruht.

Für den Kapitalmarkt wäre ein SpaceX-IPO dennoch ein historisches Ereignis. Reuters berichtete, Goldman Sachs werde voraussichtlich eine führende Rolle unter den Konsortialbanken übernehmen. Auch Morgan Stanley soll eine wichtige Rolle spielen. Weitere große Banken wie Bank of America, Citigroup und JPMorgan werden ebenfalls genannt. Sollte SpaceX tatsächlich bis zu 75 Milliarden US-Dollar aufnehmen, würde der Börsengang bisherige Rekorde deutlich übertreffen.

Der mögliche Börsengang fällt in ein Umfeld, in dem Investoren nach der nächsten großen Wachstumsstory suchen. Nach Künstlicher Intelligenz, Halbleitern und Cloud-Infrastruktur rückt der Weltraum stärker in den Fokus. Satellitenkommunikation, Verteidigung, Erdbeobachtung, Datenübertragung und künftig möglicherweise orbitale Rechenzentren schaffen neue Erzählungen für Kapitalmärkte. SpaceX steht im Zentrum dieser Fantasie, weil das Unternehmen Startkapazität, Satellitennetz und technologische Kontrolle verbindet.

Für Privatanleger bleibt jedoch wichtig: Indirekte SpaceX-Investments sind kein einfacher Ersatz für eine spätere Aktie. Die Produkte unterscheiden sich stark bei Gebühren, Liquidität, Transparenz und Gewichtung. Ein Fonds mit 10 Prozent SpaceX-Anteil reagiert anders als ein Beteiligungsvehikel mit 30 oder 40 Prozent Anteil. Hinzu kommt, dass manche Produkte hohe Managementgebühren verlangen oder mit deutlichen Prämien auf ihren inneren Wert gehandelt werden.

Auch das Timing ist heikel. Kurz vor einem erwarteten IPO steigt häufig die Nachfrage nach indirekten Zugangsmöglichkeiten. Das kann die Kurse solcher Vehikel stark treiben, selbst wenn sich am inneren Wert der Beteiligung noch nichts verändert hat. Anleger laufen dann Gefahr, nicht nur SpaceX-Fantasie zu kaufen, sondern zusätzlich einen Hype-Aufschlag auf das jeweilige Vehikel zu bezahlen.

Ein weiteres Risiko liegt in der Liquidität. Private Beteiligungen lassen sich nicht jederzeit einfach verkaufen. Fonds und Beteiligungsgesellschaften können zwar an der Börse handelbar sein, doch ihre zugrunde liegenden Vermögenswerte bleiben oft illiquide. Wenn die Stimmung kippt, können börsennotierte Vehikel stark fallen, ohne dass die privaten Beteiligungen selbst sofort neu bewertet werden. Das macht solche Investments schwerer kalkulierbar als klassische Aktien oder ETFs.

Für Anleger mit langfristigem Horizont kann ein indirekter Zugang dennoch interessant sein. SpaceX besitzt eine außergewöhnliche Marktposition. Das Unternehmen hat die Kosten für Raketenstarts gesenkt, dominiert Teile des kommerziellen Startmarktes, betreibt mit Starlink ein globales Satellitennetz und spielt für staatliche Raumfahrt- und Verteidigungsprogramme eine zentrale Rolle. Diese Kombination ist selten.

Gerade deshalb dürfte der IPO stark nachgefragt werden. Doch starke Nachfrage ist nicht automatisch gleichbedeutend mit attraktivem Einstiegspreis. Wenn ein Unternehmen zu einer extrem hohen Bewertung an die Börse kommt, kann selbst eine hervorragende operative Entwicklung zunächst von Bewertungsdruck überlagert werden. Anleger kennen dieses Muster aus früheren Hype-Börsengängen: Das Unternehmen kann großartig sein, die Aktie zum falschen Preis aber trotzdem enttäuschen.

Der sinnvollste Umgang mit SpaceX vor dem Börsengang ist daher nüchtern. Wer indirekt investieren will, sollte genau prüfen, wie hoch der tatsächliche SpaceX-Anteil im jeweiligen Produkt ist, welche Gebühren anfallen, ob das Vehikel mit Aufschlag oder Abschlag auf den inneren Wert gehandelt wird und welche weiteren Beteiligungen enthalten sind. Entscheidend ist nicht nur die Frage: »Ist SpaceX spannend?« Sondern: »Bekomme ich SpaceX zu einem vernünftigen Preis und mit vertretbarer Struktur?«

Für die Börse bleibt SpaceX eine der größten Geschichten des Jahres. Der mögliche IPO verbindet Raumfahrt, Verteidigung, Internetinfrastruktur, KI-Fantasie und Elon Musks Markenmacht. Genau diese Mischung macht das Unternehmen so faszinierend – und so schwer zu bewerten.

Am Ende gilt: SpaceX könnte tatsächlich zu einem der prägendsten Infrastrukturunternehmen der kommenden Jahrzehnte werden. Aber der Weg dorthin ist nicht risikofrei. Wer schon vor dem IPO investiert, kauft nicht nur Raketen, Satelliten und Zukunftsmärkte. Er kauft auch hohe Erwartungen, komplexe Vehikel und die Gefahr, dass der Preis der Fantasie schneller steigt als der Wert des Geschäfts.

SK

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