Börse

Schlappe für Musk: SpaceX kommt nicht im Schnellgang in den S&P 500

Während Nasdaq die Regeln lockert, bleibt S&P Dow Jones hart und schützt seine Profitabilitäts- und Wartefristen

6 Min.

08.06.2026

SpaceX bekommt keinen schnellen Zugang zum S&P 500. S&P Dow Jones Indices hat entschieden, die bestehenden Kriterien für die Aufnahme in seine US-Indizes nicht zu ändern. Damit bleibt es unter anderem bei der 12-monatigen Wartefrist nach einem Börsengang, bei Profitabilitätsanforderungen und bei Vorgaben zum frei handelbaren Aktienanteil.

Für Elon Musks Raumfahrtunternehmen ist das ein Rückschlag. Ein möglicher SpaceX-Börsengang gilt als eines der größten IPO-Ereignisse der kommenden Jahre. Eine schnelle Aufnahme in große Indizes hätte zusätzliche Nachfrage durch passive Fonds und ETFs ausgelöst. Genau dieser Effekt fällt beim S&P 500 nun vorerst aus.

Der S&P 500 bleibt konservativ

Die Entscheidung ist deshalb bemerkenswert, weil zuvor über mögliche Lockerungen diskutiert wurde. Im Raum stand, besonders großen Börsenneulingen einen schnelleren Zugang zu wichtigen Indizes zu ermöglichen. Hintergrund ist die erwartete Welle großer Tech- und KI-IPOs, darunter SpaceX, Anthropic und möglicherweise OpenAI.

S&P Dow Jones Indices entschied sich nun dagegen. Die bestehenden Kriterien sollen sicherstellen, dass Unternehmen nicht nur groß, sondern auch ausreichend markterprobt, liquide und profitabel sind. Das Unternehmen betont, dass es keine Sonderausnahmen allein wegen hoher Marktkapitalisierung geben soll.

Damit bleibt der S&P 500 seinem Selbstverständnis treu: Er soll nicht jeder Börseneuphorie sofort folgen, sondern große US-Unternehmen erst nach einer gewissen Bewährungsphase aufnehmen.

Nasdaq geht einen anderen Weg

Der Kontrast zur Nasdaq ist deutlich. Nasdaq hatte seine Regeln angepasst, damit sehr große neue Börsenunternehmen schneller in den Nasdaq 100 aufgenommen werden können. Dort könnten Mega-IPOs unter bestimmten Bedingungen bereits deutlich früher berücksichtigt werden.

Damit entsteht eine interessante Spaltung zwischen Indexanbietern. Nasdaq will große neue Tech-Werte schneller abbilden, um die aktuelle Marktrealität im Index sichtbar zu machen. S&P Dow Jones setzt dagegen stärker auf Kontinuität, Profitabilität und Schutz vor überhitzten Börsendebüts.

Für Anleger kann das Folgen haben. Je nachdem, welchen Index ein Fonds abbildet, könnte die Beteiligung an neuen Mega-IPOs sehr unterschiedlich ausfallen. Passive Strategien werden dadurch weniger einheitlich, als viele Anleger vermuten.

SpaceX erfüllt zentrale Kriterien vorerst nicht

Nach aktuellen Regeln hätte SpaceX mehrere Hürden zu nehmen. Das Unternehmen müsste mindestens 12 Monate an einer geeigneten US-Börse gelistet sein. Außerdem müsste es nach GAAP profitabel sein, unter anderem im jüngsten Quartal und über die vergangenen 4 Quartale insgesamt.

Hinzu kommt der frei handelbare Aktienanteil. Reuters berichtet, dass SpaceX nach aktuellen Erwartungen nur einen relativ geringen Streubesitz von etwa 3 bis 4 Prozent haben könnte. Für eine S&P-Aufnahme wäre jedoch ein ausreichender frei handelbarer Anteil entscheidend. Auch dieser Punkt könnte SpaceX bremsen.

Damit wäre selbst ein extrem großer Börsenwert allein nicht genug. Größe ersetzt beim S&P 500 keine Indexfähigkeit.

Ein wichtiger Kurstreiber fällt vorerst weg

Für SpaceX-Anleger ist das relevant. Eine schnelle S&P-500-Aufnahme hätte automatische Käufe durch Indexfonds ausgelöst. Reuters verweist auf Schätzungen von J.P. Morgan, wonach eine Aufnahme in den S&P 500 passive Mittelzuflüsse von rund 10 Milliarden US-Dollar hätte bringen können.

Solche Zuflüsse sind für neue Börsenwerte wichtig. Sie können Nachfrage stabilisieren, Liquidität erhöhen und den Kurs stützen. Wenn dieser Effekt ausbleibt, muss SpaceX stärker aus eigener fundamentaler Überzeugung gekauft werden – nicht nur, weil Indexfonds gezwungen wären.

Das macht den möglichen IPO nicht weniger spektakulär. Aber es nimmt ihm einen Teil der technischen Börsenfantasie.

Auch Anthropic und OpenAI betrifft die Entscheidung

Die Entscheidung von S&P Dow Jones ist nicht nur für SpaceX relevant. Auch andere erwartete Mega-IPOs könnten betroffen sein. Dazu zählen etwa Anthropic und OpenAI, die ebenfalls mit sehr hohen Bewertungen in Verbindung gebracht werden.

Gerade KI-Unternehmen könnten beim S&P 500 an Profitabilitätskriterien scheitern, selbst wenn ihre Marktkapitalisierung enorm wäre. Viele dieser Unternehmen wachsen stark, schreiben aber hohe Verluste oder investieren massiv in Rechenleistung, Forschung und Infrastruktur.

Damit sendet S&P ein Signal an den Markt: Zukunftsfantasie allein reicht nicht. Wer in den wichtigsten US-Leitindex will, muss mehr liefern als Größe und Aufmerksamkeit.

Der Index bleibt ein Qualitätsfilter

Die Entscheidung lässt sich auch als Schutzmechanismus lesen. Der S&P 500 wird von Pensionskassen, ETFs, Versicherungen und Millionen Privatanlegern als zentraler Maßstab genutzt. Eine zu schnelle Aufnahme hochbewerteter, aber noch wenig getesteter Börsenneulinge könnte Risiken in passive Portfolios tragen.

Kritiker einer Lockerung hatten genau davor gewarnt. Ein Unternehmen kann groß, beliebt und strategisch wichtig sein – und trotzdem als Börsenwert noch nicht ausreichend erprobt. Gerade bei niedrigem Streubesitz können starke Kursschwankungen entstehen.

S&P Dow Jones entscheidet sich daher für Verlässlichkeit statt Geschwindigkeit.

Die Börsenstory wird nüchterner

Für SpaceX bedeutet das: Der mögliche Börsengang bleibt ein Großereignis, aber die Indexfantasie wird gedämpft. Anleger können nicht darauf setzen, dass der S&P 500 direkt nach dem IPO für automatische Nachfrage sorgt. Der Titel müsste zunächst Zeit an der Börse verbringen, Finanzdaten liefern und die formalen Kriterien erfüllen.

Das könnte die Bewertung disziplinieren. Wenn technische ETF-Zuflüsse später kommen oder ganz ausbleiben, rücken Umsatz, Margen, Kapitalbedarf, Raumfahrtprojekte, Starlink und Profitabilität stärker in den Mittelpunkt.

Genau das ist eigentlich gesund. Ein Unternehmen sollte nicht allein deshalb gekauft werden, weil ein Index es bald kaufen muss.

S&P setzt ein Zeichen gegen IPO-Euphorie

Die Entscheidung ist eine Schlappe für die schnelle SpaceX-Fantasie, aber auch ein Signal an den gesamten Markt. Nicht jeder Mega-IPO wird sofort zum Pflichtkauf für passive Anleger. Größe allein macht noch keinen Indexwert.

Damit bleibt der S&P 500 konservativer als Nasdaq und FTSE Russell. Das kann kurzfristig weniger spektakulär wirken. Langfristig stärkt es aber den Anspruch des Index, nicht nur Markthype, sondern bewährte große US-Unternehmen abzubilden.

Für SpaceX heißt das: Der Weg an die Börse bleibt offen. Der Weg in den S&P 500 aber wird länger.

SK

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